Im Rektorat der Realschule Blumberg sitzen am Donnerstagvormittag Rektor Egon Bäurer, Schulsozialarbeiterin Marina Braunagel, ihre Kollegin Heike Schempp, beim Caritasverband Teamleiterin für die Schulsozialarbeit, und Markus Schreiber, seines Zeichens Vorstandsmitglied für Finanzen, Wirtschaft und Verwaltung beim Caritasverband für den Schwarzwald-Baar-Kreis. Es geht um die Vorstellung der neuen Schulsozialarbeiterin Marina Braunagel, und es ist eigentlich ungewöhnlich, dass ein Vorstandsmitglied des Caritasverbands, bei dem die Schulsozialarbeiterinnen angestellt sind, zu so einem Termin kommt.

  • Markus Schreiber war es wichtig, sich selbst ein Bild von der Situation an Blumbergs größter Schule zu machen. Zugleich machte er deutlich, dass die Schulsozialarbeit beim Caritasverband innerhalb der Jugendhilfe einen hohen Stellenwert hat. Der Caritasverband stellt alle drei Schulsozialarbeiterinnen in Blumberg, die Kooperation mit der Stadt Blumberg funktioniere bestens.
  • Schulsozialarbeit an der Realschule? Bis vor wenigen Jahren hätte wohl kaum jemand daran gedacht. Doch durch die grundlegenden Änderungen der Bildungslandschaft, insbesondere durch den im Jahr 2012 erfolgten Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung hat sich das Klientel an der Realschule gewandelt.
    Marina Braunagel ist Schulsozialarbeiterin an der Realschule Blumberg Bild: Bernhard Lutz
    Marina Braunagel ist Schulsozialarbeiterin an der Realschule Blumberg Bild: Bernhard Lutz | Bild: Bernhard Lutz
  • Die Eltern würden ihre Kinder oft entgegen der Empfehlung der Grundschule auf die Realschule schicken, sagt der Rektor, was sich entsprechend auf den Unterrichtsablauf und die Abläufe an der Schule auswirke, weil diese Schüler in der Regel nicht so leistungsstark seien und dem Leistungsniveau in der fünften und sechsten Klasse nicht folgen könnten.
  • Seit 15. Februar leistet Marina Braunagel an der Realschule Schulsozialarbeit. In den bisher zwölf Wochen hat sie erste Einblicke in die Situation der Bildungseinrichtung erhalten und konnte sich zurecht finden.
  • Wie sieht ihre Arbeit der Schule aus? Die Schüler kommen entweder aus eigenem Antrieb, oder die Lehrkräfte raten ihn, zur Schulsozialarbeiterin zu gehen. Hauptsächlich kümmert sie sich um die Altersgruppe der Fünft- bis Siebtklässler, inzwischen kommen aber auch schon ältere Schülerinnen und Schüler zu ihr.
  • Beratung während des Unterrichts: Eines betont Caritas-Teamleiterin und Schulsozialarbeiterin Heike Schempp während des Gesprächs im Rektorat: Den Schülerinnen und Schülern werde es in Blumberg ermöglicht, dass sie nach Absprache mit den Lehrkräften auch während des Unterrichts zu einer Beratung der Schulsozialarbeiterin gehen könnten. Dies sei ein Vorteil, zum Beispiel für Fahrschüler, so Schempp, diese Möglichkeit werden den Schülern aber nicht an allen Schulen mit Schulsozialarbeit gewährt.
  • Schweigepflicht: Die Schulsozialarbeiterinnen haben grundsätzlich Schweigepflicht. Dies sei auch Voraussetzung, dass die Jugendlichen sich ihnen überhaupt anvertrauten. Mit den Eltern könnten sie in der Regel erst sprechen, wenn die Schüler ihr Einverständnis gäben.
  • Als Handlungsfelder nennt Marina Braunagel, Probleme, Konflikte und Streitereien in der Schule, der Rektor nennt auch Mobbing, dazu kommen belastende Situationen in der Familie oder Lernschwierigkeiten, wo auch die die Eltern Hinweise und Unterstützung erhalten können, zum Beispiel auch, dass die Schulsozialarbeiterin eine Ganztagsbetreuung vorschlägt.
  • Fünf Angebote: Den Schülern sowie den Eltern bietet die Schulsozialarbeiterin Hilfe in fünf Bereichen an: In der Einzelfallhilfe berät sie bei individuellen Problemlagen und sucht dabei das Gespräch mit dem Schüler, den Eltern und den Lehrkräften.
  • Bei der sozialpädagogischen Gruppenarbeit geht Marina Braunagel in die Klassen und arbeitet in Gruppen. Die Prävention erfolgt auch in Zusammenarbeit mit der Polizei, unlängst habe eine Polizeibeamtin über Cyber Mobbing referiert.
  • Bei der Netzwerkarbeit tauschen sich die Schulsozialarbeiterinnen untereinander aus, aber auch mit Beratungsstellen, Jugendämtern und der mobilen Jugendarbeit (der Streetworker). Dazu kommt der Ganztagsbereich mit Betreuung am Nachmitag.

 

Zur Person

Marina Braunagel (31) stammt aus Gaggenau im Landkreis Rastatt. Sie absolvierte zuerst eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin und arbeitete vier Jahre in diesem Beruf. In Stuttgart studierte sie dann "Soziale Arbeit" mit dem Bachelor-Abschluss. Bevor sie nach Blumberg kam, war sie in Stuttgart im Projekt "Run away" für die Betreuung junger Menschen im Alter von 18 bis 35 Jahren tätig, die sich mit dem Leben schwer taten. Dabei sei es unter anderem darum gegangen, deren Persönlichkeit zu stabilisieren, Bewerbungen zu schreiben oder den Arbeitgeber zu kontaktieren, schildert Marina Braunagel. Nachdem sie aus privaten Gründen nach Konstanz gezogen war, suchte sie eine neue berufliche Herausforderung. Dabei stieß sie auf die Stellenausschreibung des Caritasverbands im Schwarzwald-Baar-Kreis für die Realschule Blumberg. Die Stelle habe sie sehr angesprochen, sie biete immer etwas Neues, sei sehr spannend und voller Überraschungen. Bei ihrem Bewerbungsgespräch mit Heike Schempp, Teamleiterin Schulsozialarbeit im Caritasverband sowie Vorstandsmitglied Markus Schreiber habe sie sich von Anfang an wohlgefühlt, sagt sie. Markus Schreiber betonte, für sie sei Frau Braunagel mit ihrer breiten beruflichen Erfahrung interessant gewesen. Namentlich durch das Betreuungsprojekt in Stuttgart. (blu)

Die Klientel hat sich gewandelt

Die Realschule Blumberg hat nach dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung sowie der Vorgabe der Landesregieurng, dass die Realschule aktuell auch den Hauptschulabschluss anbieten müssen, eine andere Klientel.

  • So senden Eltern auch ihre Kinder mit Werkrealschulempfehlung auf die Realschule. Von 89 Fünftklässlern in diesem Schuljahr haben zwölf eine Werkrealschulempfehlung, die fachlich sehr zu kämpfen hätten, schildert Rektor Egon Bäurer. Dazu kämen 33 Schülerinnen und Schüler mit einer Gymnasialempfehlung.
  • In der fünften und sechsten Klasse werde an der Realschule im mittleren Niveau (M-Niveau) entsprechend dem angestrebten Abschluss der Mittleren Reife unterrichtet.
  • Ab der siebten Klasse erfolgt laut Rektor Bäurer dann eine Differenzierung zwischen G-Niveau (Grundniveau) und M-Niveau. Dieses Schuljahr hätten sie sieben Schüler mit G-Niveau. Sie werden in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch als eigene kleine Klasse mit jeweils vier Stunden in der Woche unterrichtet, das mache zwölf Wochenstunden, die organisiert und unterrichtet werden müssen.
  • Froh ist Realschulrektor Egon Bäurer über die Werkrealschule, mit deren Schulleitung er enge Kontakte pflegt. "Für uns ist es eine Qualitätssteigerung, dass wir eine Werkrealschule haben", sagt er.