Der Bedarf von Jugendlichen in Blumberg, Angebote der Jugendarbeit außerhalb von Vereinen und Schulen zu nutzen ist sehr hoch, insbesondere für diejenigen, die nicht oder zu selten von Vereinen erreicht werden. Das machte Streetworker Matthias Weiß am Donnerstag im Haupt- und Finanzausschuss deutlich. Um alle Zielgruppen zu erreichen, benötige die Stadt allerdings auch ein differenziertes Angebot der Offenen Jugendarbeit, betonte Weiß.

Seit 1. März ist er im Dienst der Stadt, er kennt inzwischen etliche Jugendliche und ihre Probleme wie provokantes Verhalten, Gewaltbereitschaft, Respektlosigkeit oder Konsum von Cannabis. Und er kennt die Plätze, an denen sie sich in der Stadt treffen.

Die Mobile Jugendarbeit, so schilderte Weiß, verfüge allein nicht über die Ressourcen und unterstützt die Zielgruppe der 13- bis 27-Jährigen, die von Ausgrenzung betroffen, beziehungsweise davon bedroht oder sozial benachteiligt seien. Insbesondere für die weibliche Klientel sei eine Sozialpädagogin sinnvoll, Weiß plädierte für eine 100-Prozent-Stelle, erfuhren Stadtrat Dieter Selig (CDU) auf Nachfrage. Es reiche nicht aus, hier jemanden aus dem Besucherkreis, wie es früher der Fall war, aufzubauen, da werde eine Fachkraft benötigt. Weiß erläuterte dies: Im Café habe er eine Stammgruppe, plötzlich kämen andere Jugendliche herein, fühlten sich von der Gruppe nicht angezogen und gingen wieder. Hier werde ein Angebot für alle benötigt.

Weiß bekam von allen Seiten Lob. Bürgermeister Markus Keller hatte eingangs betont, Weiß sei viel unterwegs, auch auf Veranstaltungen, immer im Gespräch mit Jugendlichen. Stadträtin Ursula Pfeiffer (SPD) würdigte das breitere Angebot im Vergleich zu früher, Weiß sagte, er erreiche aber nur ein bestimmtes Klientel. Selbstverwaltung, wie von Stadtrat Rainer Gradinger (Freie Liste) angesprochen, funktioniere nur, wenn das Jugendhaus autonom sei, nicht aber, wenn es für alle offen sei.

Der Standort des Jugendhauses sei gut, es gebe keinen Stress mit den Nachbarn, erklärte Weiß auf die Frage von Markus Merk (CDU), ob das Jugendhaus nicht zentraler liegen sollte.

Bürgermeister Keller wies am Schluss darauf hin, dass Stadt und Gemeinderat bewusst auf mobile Jugendarbeit gesetzt hatten, als sie den Bereich neu starteten. Er sei dankbar, dass Weiß mit dem Café auch in kleinen Zügen offene Jugendarbeit anbiete. Er erreiche Jugendliche, die zum Teil schon Kontakt mit dem Strafrecht hätten und biete ihnen die Möglichkeit, mit ihm in Kontakt zu kommen und Beratung zu erhalten. Der Ausschuss werde sich in einer seiner nächsten Sitzungen mit dem Wunsch nach einer zweiten Stelle auseinandersetzen müssen. Sei dies überhaupt Aufgabe der Stadt? Keller meint Ja. Ganz bewusst habe die Stadt auch die Schulsozialarbeit ausgebaut.

Vielleicht, so Bürgermeister Keller, ließe sich im ersten Schritt auch eine Zwischenlösung finden, durch eine Stelle mit weniger als 100 Prozent. Die Strukturen, die jahrzehntelang in der Familie funkioniert hätten, funktionierten heute nicht mehr so.

Matthias Weiß hat ein Netzwerk aufgebaut

Streetworker Matthias Weiß ist seit 1. März im Dienst der Stadt Blumberg. Bei seinem Bericht am Donnerstag im Haupt- und Finanzausschuss nannte er auch Zahlen.

  • Erreichte Personen: Beim Streetwork: 60 Jugendliche/junge Erwachsene
    Gäste im Lounge-Café StreetZ: 40, im Schnitt kommen 7 bis 27 Gäste im Durchschnitt von 17 Jahren, darunter seien 10 bis 15 Gäste, die er über die Streetwork nicht erreiche, sagte Matthias Weiß.
  • Geschlechterverteilung: Streetwork 72 Prozent Jungen, 28 Prozent Mädchen
    Lounge-Café StreetZ: 98 Prozent Jungen, 2 Prozent Mädchen
  • Ehrenamtliche Helfer StreetZ: vier Jungen
  • Nationalitäten: sechs, davon 66 Prozent Türkisch, 21 Prozent Deutsch, 6 Prozent Russisch, 3 Prozent Polnisch, 2 Prozent aus dem Kosovo und 2 Prozent aus Albanien
  • Schulen, Ausbildung: 72 Prozent Hauptschule, 15 Prozent Realschule, 3 Prozent Gymnasium, 2 Prozent Förderschule, 6 Prozent Ausbildung, 1 Prozent Schulabbruch, 1 Prozent Ausbildungsabbruch
  • Auffälligkeiten/Problemlagen: Provokantes Verhalten, geringe Impulssteuerung, Gewaltbereitschaft („Faustrecht“), Respektlosigkeit, häusliche Gewalt, Diebstahl, Drogenkonsum (Nikotin, Alkohol, Cannabis), Jugendstrafen (Arrest, Gefängnis, Sozialstunden), Selbstverletzendes Verhalten (Ritzen)
  • An welchen Orten: regelmäßig am Stadtbrunnen (Bänke auf dem Gelände), an der Realschule, im Jugendhaus Malibu (Sportangebote, Autofahrer); unregelmäßig bei der Stadthalle, bei der Werkrealschule, bei einem Getränkemarkt, einem Imbiß, im Sportplatz, und im Panoramabad
  • Arbeitszeiten: Montag bis Freitat flexibel bis circa 22 Uhr; dazu Samsatg und/oder Sonntag alle zwei bis drei Wochen)
  • Öffungszeiten Lounge-Café StreetZ: Dienstag und Donnerstag 19 bis 21 Uhr; dazu Extraöffnungszeiten Frreitag/Samstag oder Sonntag 19 bis 23 Uhr, der nächste Termin ist am Freitag, 19. Oktober, von 19 bis 23 Uhr
  • Bisherige Tätigkeiten: Es wurde ein Konzept erarbeitet (Mobile Jugendarbeit / Kooperation Mobile und Offene Jugendarbeit; es wurde ein Netzwerk aufgebaut mit der Schulsozialarbeit, Jugendnetz, mit anderen Mobilel Jugendarbeitern, mit der Blumberger Runde aller in der Stadt Beteiligten, mit Beratungsstellen, der Berufsbegleitung, den Schulleitern und ihren Kollegien, das Büro im Malibu wurde eingerichtet; Öffentlichkeitsarbeit, Treffen mit den Ortsvorstehern. (blu)