Dass der Unterricht zu Zeiten der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt im Klassenzimmer gehalten wird, gibt auch Möglichkeiten zur Weiterentwicklung – wie zum Beispiel das digitale Lernen im Wohnzimmer. Ein Rückblick auf das Schulwesen in Eggingen zeigt, wie sich der Lernort und die Lerninhalte verändert haben. Die Schule von damals ist mit der Einrichtung von heute kaum mehr vergleichbar.

  • Zwei Chronisten: „Seit Anfang des 17. Jahrhunderts erschienen da und dort obrigkeitliche Verordnungen über das Schulwesen“, schreiben Siegfried Hasenfratz und Hans-Wolf Kaczmarczyk in der „Chronik von Eggingen“ von 1973 und 1996. Mit Schule wie wir sie heute kennen, war es allerdings nicht vergleichbar. Die Schulmeister waren weder pädagogisch noch didaktisch geschult, als Unterrichtsräume dienten Wohnräume und Werkstätten, auf dem Lehrplan stand Buchstabieren und Lesen lernen, um den Katechismus und die Bibel durchzuarbeiten. Und dies nicht das ganze Schuljahr über, sondern meistens nur während des Winters. Der 30-jährige Krieg und der Großbrand 1677 unterbrachen dies zudem. Eine musterhafte Schulordnung gab es im Zeitalter der Aufklärung 1771 von Fürstabt Martin Gerbert von St. Blasien. Aus dem bisherigen Einzelunterricht wurde der Gesamtunterricht unter gleichzeitiger Beteiligung aller Schüler.
Das könnte Sie auch interessieren
  • Schulstuben: Drei Jahre nach dem großen Dorfbrand im Jahr 1677 wurde von Caspar Schwarber, anschließend seinem Nachfolger eine Schulstube unterhalten im Haus des „Schuhjohannes“, heute Stühlinger Straße 9. Von 1768 an übernahm Andreas Wirth im „hinteren Winkel“, heute Rathausstraße 7 eine Schulstube. Diese ging 1801 an den Zimmermann Jakob Intlekofer und wurde von dessen Sohn Josef Intlekofer als Lehrer für die Schulkinder genutzt. Sie wurde aber im Laufe der Jahre zu klein und musste bald vergrößert werden. Schon in den kommenden Jahren genügte auch diese der anwachsenden Schülerzahl nicht mehr. „Es gelang Josef Intlekofer, anstelle der zu klein gewordenen Schulstube, die Gemeinde zu veranlassen, ein Schulhaus zu erbauen, welches vom Jahre 1832 ab dem Unterricht diente. Im Jahre 1956 musste das alte Schulhaus durch ein modernes auf dem Heiligen Acker oberhalb der Kapelle ersetzt werden.“
Die 1956 erbaute Schule in Untereggingen mit angebautem Wohnhaus im Hintergrund wurde bis Juli 1994 genutzt, seither besuchen alle Grundschüler das aktuelle Gebäude im Ortszentrum.
Die 1956 erbaute Schule in Untereggingen mit angebautem Wohnhaus im Hintergrund wurde bis Juli 1994 genutzt, seither besuchen alle Grundschüler das aktuelle Gebäude im Ortszentrum. | Bild: Reproduktion Edition Isele Eggingen
  • Schul- und Rathaus: Parallel fand in beiden Dörfern, Ober- und Untereggingen, der Schulunterricht statt. In der heutigen Mettingerstraße 21 wurde Anfang 1800 ein stattliches Gebäude erbaut, das als Schul- und Rathaus Verwendung fand. „Beim großen Dorfbrand von Obereggingen erlitt es zwar Beschädigungen, blieb aber zusammen mit 14 anderen Häusern stehen, während die restlichen 26 Gebäude und die Pfarrkirche abbrannten. 1886 wurde es umgebaut und erhielt im unteren Teil einen Schulraum für die Volksschule, darüber eine Lehrerwohnung. Im anderen Teil wurde das Rathaus eingerichtet, darunter das Archiv“ schreibt Chronist Hans-Wolf Kaczmarczyk. Später wurden die Räume für die Gefriergemeinschaft genutzt, 1976 wurde das Gebäude an private Interessenten verkauft.
Die Hauptschule Obereggingen mit den Kindern von Ober- und Untereggingen der Jahrgänge 1954, 1955 und 1956.
Die Hauptschule Obereggingen mit den Kindern von Ober- und Untereggingen der Jahrgänge 1954, 1955 und 1956. | Bild: Reproduktion Edition Isele Eggingen
  • Ferien und Stundenplan damals: 1858 wurden 43 Kinder unterrichtet, aufgeteilt in drei Klassen sowie Sonntagsschüler, darunter 27 Knaben und 16 Mädchen. Die kuriose Ferienregelung von 1858/59 besagt, dass die zweite und dritte Klasse zwei Wochen Heuernte-Ferien Mitte Juni hatte sowie ein Monat Ernteferien , die erste Klasse dagegen drei Wochen Erntevakanz. Der Stundenplan der zweiten und dritten Klasse dauerte von acht bis elf Uhr mit den Fächern Religion, Lesen und Aufsatz, Kopf- und Tafelrechnen, Realunterricht, Gesangsunterricht, Sprachlehre, Schönschreiben. Die erste Klasse startete um 12.30 Uhr bis 15.30 Uhr mit Religion, Lesen, Rechnen, Gesang und Schönschreiben. „Am Donnerstag war schulfrei, warum, das ist nicht bekannt.“
  • Zwei neue Grundschulen: Beide Gemeinden, Obereggingen und Untereggingen, suchten für den Neubau der beiden Volksschulen Plätze ganz am Rande des jeweiligen Dorfes aus. Die Einweihung erfolgte 1956 in Untereggingen und 1958 in Obereggingen. Nach und nach nahm der Autoverkehr zu und die engen Straßen gefährdeten zunehmend die Schüler. In der sogenannten „Einlehrerschule“ in Obereggingen unterrichtete Hauptlehrer Hans. Wolf Kaczmarczyk als einziger Lehrer alle acht Klassen mit rund 30 Schülern in allen Fächern außer Handarbeit. Dekan Armbruster kam zum Religionsunterricht. Der Neubau hatte rund 160.000 DM gekostet und wurde nur 20 Jahre genutzt, Schule und Wohnhaus wurden an private Interessenten verkauft.
  • Freiwillige Einheit: Als erste Freiwillige im Landkreis Waldshut legten beide damals selbstständigen Gemeinden Ober- und Untereggingen die Schulen im Jahr 1967 zusammen. „Als in den Jahren ab 1966 in Baden-Württemberg der Schulentwicklungsplan I diskutiert wurde, der die Zusammenlegung von kleinen Hauptschulen zu größeren Einheiten bei gleichzeitiger Einführung des 9.Schuljahres vorsah, kamen die beiden Schulleiter von Untereggingen und Obereggingen , Emil Messerschmid und Hans-Wolf Kaczmarczyk, zu dem Vorschlag, die beiden bisher selbständigen Hauptschulen Untereggingen und Obereggingen zusammenzulegen, um den Schülern ein besseres Bildungsangebot zu bieten.“

Die Grundschule kam mit höheren Schülerzahlen in das größere Schulhaus nach Untereggingen, die Hauptschule vom 5. bis 8. Schuljahr nach Obereggingen. Mit sportlichen Erfolgen glänzten die Hauptschüler. Sie errangen zahlreiche Meisterschaften in Leichtathletik und stellten mehrmals Kreismeister. Außerdem gab es neben guten Schwimmleistungen kaum einen Schüler, der nicht mindestens die Freischwimmerprüfung abgelegt hatte.

Das könnte Sie auch interessieren

Da immer mehr Kinder ins Klettgau-Gymnasium Tiengen oder die Realschule Stühlingen wechselten, wurde die Hauptschule in Obereggingen mit Schuljahresende 1978 aufgelöst. Eine Erweiterung oder Modernisierung des Gebäudes in Untereggingen wurde nötig. Sowohl ein Kostenvergleich als auch die Nachteile des langen Weges zwischen Sporthalle und Grundschule sprachen für einen Neubau im neuen Ortszentrum.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Schule im Ortszentrum: So wurde das heutige Schulgebäude am zweiten September 1994 eingeweiht, Architekt Dury aus Konstanz gewann damit beim Architekten- und Bauherrenwettbewerb „Auszeichnung guter Bauten 1996“ als Vorstufe des landesweiten Wettbewerbs um den Hugo-Häring-Preis. Im Schuljahr 1995/1996 waren es 96 Schüler in fünf Klassen unter Rektor Bernd Batt.
Die Schüler der Grundschule Eggingen im Frühjahr 1996 mit allen Lehrkräften.
Die Schüler der Grundschule Eggingen im Frühjahr 1996 mit allen Lehrkräften. | Bild: Reinhard Limberger
  • Aktuell (2019/2020) werden 76 Schüler aus Eggingen und Mauchen von sechs Lehrern unterrichtet. Birgit Malcha, Rektorin seit 2006, nennt die Vorzüge und Nachteile des Gebäudes auf Nachfrage dieser Zeitung: „Es ist sehr hell und strahlt eine freundliche Atmosphäre aus. Aber was mir fehlt, ist Lagerplatz, ein Keller wäre nicht schlecht gewesen. Stühle und Bücher lagern ist jedesmal schwierig. Gut, dass im Nachhinein eine Beschattung möglich gemacht wurde, das Gebäude heizt sich sonst zu sehr auf.“

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €