Es ist kurz vor drei Uhr an diesem Donnerstag und auf dem Parkplatz des Schmidts Markt bildet sich vor der kleinen Holzhütte bereits eine Schlange: Hier hat die Wehrer Tafel-Ausgabestelle seit Ende März ihre provisorische Ausgabestelle eingerichtet. Die freiwilligen Helfer richten hier Lebensmittel und Backwaren für ihre Kunden, täglich stehen auch Obst und Gemüse bereit. „Wir sorgen auch für Ordnung, alle sollen gleichviel bekommen“, so Frau Stupfel. Es gäbe auch schon mal Streit, manche seien unverschämt.

Neustart: Nach zehn Jahren muss die Tafelausgabestelle in Wehr umziehen. Die ehemalige Neuapostolische Kirche im Keltenweg, seit einigen Jahren im Besitz der Stadt, wäre sehr gut geeignet. Vor einem Umzug steht aber noch die Zustimmung verschiedener Gremien und ein umfangreicher Umbau im Innenbereich.
Neustart: Nach zehn Jahren muss die Tafelausgabestelle in Wehr umziehen. Die ehemalige Neuapostolische Kirche im Keltenweg, seit einigen Jahren im Besitz der Stadt, wäre sehr gut geeignet. Vor einem Umzug steht aber noch die Zustimmung verschiedener Gremien und ein umfangreicher Umbau im Innenbereich. | Bild: Julia Becker

Insgesamt habe sich in Zeiten von Corona aber nicht viel geändert: Der Bedarf ist ungebrochen. Mitte März wurde die Ausgabestelle geschlossen: In dem kleinen Verkaufsraum konnte der Mindestabstand nicht eingehalten werden, viele der rund 30 ehrenamtlichen Helfer gehören selbst zur Risikogruppe. Man dürfe die Helfer ja nicht in den Laden zwingen, so Martin Riedgraf, Vorstand des Caritasverbands Hochrhein. Das viele von ihnen nun in der Hütte aushelfen, sei eine freiwillige und persönliche Entscheidung. So kam es dann zur Zusammenarbeit mit dem Schmidts Markt: „Die Sorge von Herrn Schmidt war, dass er die Lebensmittel sonst entsorgen müsse“, so Martin Dossenbach, Teamleiter der Ehrenamtlichen.

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Neben den Produkten des Lebensmittelmarkts beteiligt sich auch die Bäckerei Albietz. „Morgens betreuen Mitarbeiter des Schmidts Markt den Stand, am Donnerstag zu unseren normalen Öffnungszeiten unsere Helfer“, so Dossenbach. Die Lage ist nun leider deutlich exponierter als bisher: „Die Leute, die kommen haben sich daran gewöhnt. Andere kommen aber nicht mehr, weil sie sich schämen. Und wieder andere können nicht kommen, weil sie nicht mobil sind“, erklärt Dossenbach. Vor der Schließung der Ausgabestelle Mitte März habe man Lebensmittel auch mal vorbeigefahren.

Umzugsdatum noch ungewiss

Nicht nur Corona stellt die Wehrer Tafel vor Herausforderungen: Das Ladengeschäft neben der Bäckerei Albietz wurde im vergangenen Jahr wegen Eigenbedarfs gekündigt. Seitdem war man auf der Suche nach passenden neuen Räumen. Bürgermeister Michael Thater bot schließlich die ehemalige Neuapostolische Kirche im Keltenweg an: „Gut zu erreichen, mit Parkplätzen und wenig exponiert – eine klassische B-Lage also“, so Thater. „Die Lage ist ideal“, freut sich Dossenbach.

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Die Stadt hatte das Gebäude gekauft, nachdem sich die Neuapostolische Gemeinde vor ein paar Jahren aus Wehr zurückgezogen habe, erklärt Thater. Eigentlich wollte man die Fläche zur Wohnbebauung nutzen, doch die beiden angrenzenden Grundstücksbesitzer hätten ihre Flächen nicht verkaufen wollen. Auch bei der Caritas freut man sich über diesen Lösungsvorschlag, so Riedgraf. Nun müsse die gute Idee noch offiziell bestätigt werden. In Wehr soll der Gemeinderat voraussichtlich Anfang Mai abstimmen, ob man das Gebäude für eine kleine Miete zur Verfügung stellen möchte.

Bei der Caritas möchte Riedgraf zeitnah mit dem Aufsichtsrat sprechen. Denn so günstig Lage und Gebäude auch sind: Es ist noch viel Arbeit notwendig, bis die Ausgabestelle hier einziehen kann. „Für Tafelläden und Ausgabestellen gelten die gleichen Auflagen wie für alle Lebensmittelgeschäfte“, erklärt Riedgraf. Teamleiter Dossenbach rechnet mit Umbaukosten um 70.000 Euro: „Fliesen, Elektrik, Kühlschränke und eine Küche müssen ja neu gemacht werden.“

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Eigentlich wollte man, die Zustimmung aller Beteiligten vorausgesetzt, bereits im Mai mit dem Umbau beginnen, so Riedgraf. Nun strebe man eine Eröffnung im Herbst an. Bis dahin soll die Hütte auf dem Parkplatz als Übergangslösung genutzt werden.

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