Es gibt sie noch, die stillen Heldinnen. Zwei Kinderhilfswerke in unterschiedlichen Erdteilen aus dem Nichts aufzubauen und am Leben zu erhalten, das macht man nicht eben mal so im Vorbeigehen. Maria Fritz aus Bad Säckingen hat es geschafft, in der Ukraine und Guatemala Missionen aufzubauen. Sie will auch jetzt helfen. Denn gerade in Zeiten wie Corona, also in eigenen Krisen, werde die Hilfsbedürftigkeit anderer gerne vergessen.

Es gibt viele Möglichkeiten, seine Lebensziele zu verwirklichen. Man kann sich – wie Maria Fritz – zum Beispiel mit einer Tasche voll Habseligkeiten ins Flugzeug setzen und an einen Ort fliegen und helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Maria Fritz hat sich für diese Variante entschieden. Sie ist Gründerin zweier Kinderhilfswerke und sagt, dass es ihre Lebensbestimmung sei, zu helfen. Sie macht das alles ehrenamtlich, unentgeltlich, sodass keine Spendengelder durch ihre Reisen angezapft werden müssen.

Die neue Schule in Guatemala, die von Hilfswerk von Maria Fritz unterstützt wird.
Die neue Schule in Guatemala, die von Hilfswerk von Maria Fritz unterstützt wird. | Bild: Maria Fritz

„Ich kann putzen gehen, Regale auffüllen, aber es muss auch etwas geben, was dem Herzen gut tut und eine Erfüllung gibt“, sagt sie. „Schon als junge Frau war mir klar, dass ich so etwas mache, da es hunderttausende Menschen auf der Welt gibt, die keine Chance haben. Es ist meine Berufung.“ Maria Fritz stammt aus der Nähe von Aarau. Sie wuchs mit vier Geschwistern auf. 1975 zog die Familie nach Deutschland.

Mit dem Segen ihrer beiden erwachsenen adoptierten Töchter und der Unterstützung ihres Mannes zog sie im Jahr 2000 los in die Ukraine, um zu schauen, wo Hilfe benötigt wird. Und Hilfe war an vielen Orten notwendig. Heute fördert und erreicht das Kinderhilfswerk Ukraine über 85 Mädchen und Jungen in den ländlichen Gebieten im Westen der Ukraine, berichtet sie. Da war beispielsweise die Sache mit dem kaputten Mähdrescher. Der war alt und gebrechlich. Ein Ersatz musste her. Maria Fritz trieb einen Ersatz aus dem Hotzenwald auf. Der wurde per Tieflader in die Ukraine transportiert. Geht nicht, gibt‘s nicht.

Kreis der Helfer wächst

Jeden, der eine Patenschaft übernimmt, kennt Maria Fritz persönlich. Über Vorträge und persönliche Bekanntschaften wird der Kreis der Helfer in der Region permanent erweitert. Kleidung und Textilien werden in einer Halle in Laufenburg gesammelt und in Bananenschachteln in die Ukraine transportiert.

„Bella Vista, eine Schule für uns in Guatemala“ stellte ein zweites großes Projekt von Maria Fritz mit Mitgründerin Jutta Christmann dar, rund um eine eigens errichtete Schule inmitten der Kaffeeplantagen von San Pedro. 120 Schülerinnen und Schüler bekommen jeden Tag ein warmes Essen. Die Kosten werden über Spenden finanziert.

Wie kommt die Hilfe an? Maria Fritz besucht die von ihr unterstützte Schule in Guatemala.
Wie kommt die Hilfe an? Maria Fritz besucht die von ihr unterstützte Schule in Guatemala. | Bild: privat/ Maria Fritz

Unter dem Motto „Ein Ausweg aus der Armut durch Bildung“ wird den Kindern diese Schule durch Übernahme von Patenschaften ermöglicht.

Gab es schwierige Situationen? Maria Fritz überlegt lange. „Wie überall gibt es Hoch- und Tiefs. Wir erleben schöne Dinge, aber auch Situationen, da kann man nur noch heulen. Das gehört zu jeder Hilfsorganisation dazu. Es ist ein hartes Geschäft“. Und man müsse „erst mal reinkommen in die Kulturen“, meint sie nachdenklich.

„Warum mache ich das?“, fragt sich Maria Fritz selbst. Die Antwort liefert sie gleich nach: „Es ist mein tiefes Herzensanliegen, den Menschen etwas zu geben.“

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