Die Entscheidung des Gemeinderats über einen Mietkostenzuschuss für eine Tiengener Arztpraxis haben einige Stadträte zum Anlass genommen, um ein einheitliches Konzept zur Ärztegewinnung für die Doppelstadt anzustoßen. Mehrheitlich beschloss das Gremium, dem Allgemeinmediziner und Internisten Georg Steinfurth, der im März dieses Jahres die Praxisräume von Carla Agostinelli-Neuhoff in der Tiengener Hauptstraße übernommen hatte, mit sechs Monatsmieten in Höhe von insgesamt 6000 Euro unter die Arme zu greifen.

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„Wir sind nicht die Region, die primär im Fokus der Ärzte steht“, sagte Oberbürgermeister Philipp Frank in der Sitzung. Gerade im ländlichen Raum gestalte sich die Suche nach Nachfolgern der in Ruhestand gehenden Ärzte schwierig, wie der Antrag der Verwaltung auf den Zuschuss in der Sitzungsvorlage begründet worden war. Umso erfreulicher sei es, so der OB, dass Steinfurth, der viele Jahre in Todtnau und zuletzt in der Schweiz praktiziert hatte, die Praxis von Agostinelli-Neuhoff weiterführt. Diese hatte lange nach einem Nachfolger gesucht und sich schließlich mit 70 Jahren zur Ruhe gesetzt.

Georg Steinfurth (im Bild mit seiner Frau Kerstin) ist Nachfolger der Ärztin Carla Agostinelli-Neuhoff (rechts). Die Stadt übernimmt für sechs Monate seine Praxismiete. (Archivbild)
Georg Steinfurth (im Bild mit seiner Frau Kerstin) ist Nachfolger der Ärztin Carla Agostinelli-Neuhoff (rechts). Die Stadt übernimmt für sechs Monate seine Praxismiete. (Archivbild) | Bild: Juliane Schlichter

„Mir fehlt ein einheitliches Konzept“, sagte die Freie-Wähler-Stadträtin Adelheid Kummle und stieß damit eine Diskussion zum Thema Ärztegewinnung im Allgemeinen an. Sie wollte von Oberbürgermeister Frank wissen, was die Verwaltung unternehme, um Mediziner in die Stadt zu holen. Die Suche gestalte sich „von Jahr zu Jahr schwieriger“, so der OB. Kein probates Mittel sieht Frank im Abwerben von Medizinern aus Nachbargemeinden. Vielmehr sei hier der Landkreis als Ganzes gefordert.

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Wie seine Fraktionskollegin Kummle sprach sich Thomas Hilpert gegen Einzelfallentscheidungen aus. Es sei wichtig, alle Ärzte gleich zu behandeln. „Es gibt ein schlechtes Bild ab, den einen zu unterstützen und den anderen nicht“, sagte Hilpert und verwies auf den Hausarzt und Internisten Guillermo Riera Knorrenschild. Nachdem sich die damalige Spitäler Hochrhein GmbH 2016 von ihren Medizinischen Versorgungszentren, der Medicum GmbH, getrennte hatte, machte sich Knorrenschild mit einer Praxis im Schloss Tiengen selbstständig. Einen Mietzuschuss wie im jetzigen Fall von Georg Steinfurth habe es damals nicht gegeben.

„Keine Ungleichbehandlung“ zwischen den beiden Ärzten sah die Grünen-Fraktionsvorsitzende Petra Thyen: „Wir haben jetzt halt mal damit angefangen“, sagte sie über den erstmals gewährten Zuschuss für Steinfurth. Ähnlicher Meinung war Philipp Studinger von der CDU: „Nichtstun wäre der falsche Weg, deswegen stimme ich zu.“ Daniela Tayari von den Grünen schlug vor, dass der Arzt den Zuschuss zurückerstattet, sollte er die Stadt verlassen. CDU-Stadtrat Waldemar Werner forderte, „eine klare Linie zu schaffen“. Nathalie Rindt (CDU) schlug vor, „dass wir uns Gedanken über ein Konzept machen“, was Oberbürgermeister Philipp Frank mit den Worten „ist angekommen“ kommentierte.

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