Vieles war anders und die Gemeinschaft der Gläubigen klein: Knapp 30 Kirchgänger – 32 waren erlaubt – feierten in der katholischen Pfarrkirche Tiengen mit Pfarrer Ulrich Sickinger den ersten Gottesdienst nach acht Wochen Zwangspause im Zuge der Corona-Beschränkungen. Auch wenn die Gläubigen recht verloren in den Bankreihen wirkten, dürfte es für die meisten eine Rückkehr zu einem Stückchen Normalität gewesen sein, das mehr oder weniger vermisst worden war.

Zum Mitnehmen: Da ein offenes Weihwasserbecken nicht erlaubt ist, können die Kirchgänger Weihwasser in Fläschchen mit nach Hause nehmen.
Zum Mitnehmen: Da ein offenes Weihwasserbecken nicht erlaubt ist, können die Kirchgänger Weihwasser in Fläschchen mit nach Hause nehmen. | Bild: Ursula Freudig

Entsprechend der Abstandsregel von zwei Metern, durfte in den Bankreihen nur an markierten Stellen Platz genommen werden, nur Paare und Familien durften zusammen sitzen. Etliche waren auch der Empfehlung nachgekommen, einen Nasen-Mundschutz zu tragen. Die katholische Frauengemeinschaft Tiengen verkaufte handgenähte Masken zugunsten der Kirchenrenovierung. Nach Betreten der Kirche wurden die Kirchgänger aufgefordert, sich die Hände zu desinfizieren. Singen war nicht erlaubt.

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Dass der reduzierte Gottesdienst dennoch ansprechend musikalisch umrahmt wurde, verdankte sich Kantor Oliver Schwarz-Roosmann an der kleinen Orgel und vier Mitgliedern des Kirchenchors, die weit auseinander stehend, auf der Empore sangen. Und dass ein bisschen Nähe und Gemeinschaftsgefühl auch durch Blickkontakt entstehen kann, zeigte sich beim Friedensgruß. Statt sich die Hände zu geben, nickten und lächelten die Gläubigen einander zu.

Handdesinfektion: Beim Betreten der Tiengener Pfarrkirche werden die Gläubigen – hier Ulrich Bertrams – gebeten, sich die Hände zu desinfizieren und mit dem Ellenbogen den Spender zu betätigen.
Handdesinfektion: Beim Betreten der Tiengener Pfarrkirche werden die Gläubigen – hier Ulrich Bertrams – gebeten, sich die Hände zu desinfizieren und mit dem Ellenbogen den Spender zu betätigen. | Bild: Ursula Freudig

Nicht nur für die Kirchgänger, auch für das „liturgische Personal“ im Altarraum ist in Corona-Zeiten einiges anders. Pfarrer Ulrich Sickinger war mit dem Kantor und zwei Mitgliedern des Gemeindeteams ganz alleine im Altarraum. Bevor der Pfarrer die Kommunion ausgab, desinfizierte er sich die Hände und setze sich einen Mund-Nasen-Schutz auf.

Der die Ausgabe begleitende Satz „Der Leib Christi“ entfiel. In seiner Predigt verband Sickinger eine Bibelstelle mit der aktuellen Situation: „Die Not der Menschen war Impuls für Neues, ich glaube, das könnte auch heute so ein“. Er forderte dazu auf, an das Leben zu glauben und sich analog zu einer anderen Bibelstelle, das Herz nicht verwirren zu lassen.

Markierte Plätze: Eine Kirchgängerin sitzt in der Bank an der Stelle, wo vor ihr das Zeichen der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein zu sehen ist.
Markierte Plätze: Eine Kirchgängerin sitzt in der Bank an der Stelle, wo vor ihr das Zeichen der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein zu sehen ist. | Bild: Ursula Freudig

Zu den Auflagen der Erzdiözese Freiburg für Gottesdienste gehört auch die Nennung von Verantwortlichen, die für die Einhaltung der Vorschriften zuständig sind. In Tiengen sind dies Regina Bausch-Isele (Gemeindereferentin) und Christine Boger (Sekretariat Tiengen). Tatkräftig unterstützt wurden sie bei den Vorbereitungen zum gestrigen Gottesdienst von Ulrike Jensen.

Das sagen die Gottesdienst-Besucher:

„Das Singen habe ich vermisst, aber innerlich habe ich mitgesungen, der Gottesdienst war für mich ein bisschen Normalität und auch Halt.“
Gabriele Basler, Tiengen
Gabriele Basler aus Tiengen.
Gabriele Basler aus Tiengen. | Bild: Ursula Freudig
„Es waren umfassende Vorbereitungen notwendig, wie Sitzplätze und Wege markieren, Bänke absperren, Desinfektionsspender und Info-Plakate aufstellen.“
Regina Bausch-Isele, Gemeindereferentin
Gemeindereferentin Regina Bausch-Isele.
Gemeindereferentin Regina Bausch-Isele. | Bild: Ursula Freudig
„Es war schade, dass wir Ministranten nicht ministrieren durften, aber ich bin froh, dass wir jetzt wenigstens wieder Gottesdienste besuchen können.“
Constantin Bertrams, Ministrant
Ministrant Constantin Bertrams
Ministrant Constantin Bertrams | Bild: Ursula Freudig
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