Gerade kommt er von einer Gruppenausstellung in Nördlingen zurück. Dort hat der Holzbildhauer und Maler Josef Briechle aus Tiengen Holzskulpturen ausgestellt, die trotz der Schwere des Materials durch Einkerbungen und zarte Durchblicke eine raffinierte Leichtigkeit erhalten. Jetzt wird Josef Briechle 80 Jahre alt.

Josef Briechle in seinem Skulpturengarten.
Josef Briechle in seinem Skulpturengarten. | Bild: Rosemarie Tillessen

Werke in ganz Europa

Längst hat er sich nicht nur in der Region einen Namen gemacht. Überall im Landkreis findet man seine künstlerischen Spuren, seien es Stelen und Reliefs aus Holz, Bilder oder Fahnen. Dazu hat er zahlreiche Symposien organisiert und Ausstellungen kuratiert.

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Man kann ihn mit Recht als „Macher vom Hochrhein„ bezeichnen. Und auch weit über den Hochrhein hinaus findet man seine Arbeiten: etwa in Karlsruhe und Düsseldorf, in der Schweiz, in Italien oder in Frankreich: „Ich weiß schon gar nicht mehr, wo alles ist,“ meint er lachend.

Eine Stele vor der Realschule in Waldshut.
Eine Stele vor der Realschule in Waldshut. | Bild: Rosemarie Tillessen

Vom Stuckateur zum Künstler

Dabei hatte er zunächst mal nach der Schule ganz grundsolide mit einer Stuckateurlehre begonnen und eröffnete nach der Meisterprüfung einen eigenen Betrieb als Gipser und Stuckateur. Doch schon seit der Schulzeit hatte er gerne gemalt und gezeichnet. Aber erst ab 1980 fand er vier Jahre lang freitags und samstags Zeit für Kurse an der Kunstgewerbeschule in Zürich.

Vor der Post in Waldshut.
Vor der Post in Waldshut. | Bild: Rosemarie Tillessen

Kontakte sind das A und O

Und ab 1991 wagte er – unterstützt durch seine Frau Beate – den Sprung zum freiberuflichen Künstler: „Als Handwerker ist man immer abhängig“, meint er rückblickend. „Als Künstler dagegen bist du nur dir selber verpflichtet. Das wollte ich immer! Und das war die beste Entscheidung, die ich in meinem Leben getroffen habe.“

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Ob man davon leben könne? Er verneint lebhaft: „Zunächst mal nicht. Aber man muss aktiv sein, Kontakte suchen und an Wettbewerben teilnehmen. Und irgendwann gibt es dann Aufträge und Folgeaufträge. Bei mir waren es vor allem die Symposien mit ihren Kontakten.“

Amphore beim Pappelskulpturenweg am Rhein in Waldshut.
Amphore beim Pappelskulpturenweg am Rhein in Waldshut. | Bild: Rosemarie Tillessen

Mit Stechbeitel und Kettensäge

Man kann ihn auf keinen Stil festlegen, auch wenn seine Lieblingsarbeitsgeräte Stechbeitel und Kettensäge sind. Nach dem Besuch der Alhambra in Andalusien wurde er beispielsweise stark von der maurischen Kunst mit ihren Durchbrüchen angeregt: „Irgendwelche Einflüsse und Impulse bekommt man immer.“

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Darum ist auch der Künstler Gerhard Richter sein großes Vorbild: „Der experimentiert auch immer wieder neu!“ Ob er irgendwann ans Aufhören denkt? Er lacht: „Dann bin ich gleich gestorben. Nein, ich muss morgens einfach ins Atelier gehen!“

Im Schlossgarten in Tiengen.
Im Schlossgarten in Tiengen. | Bild: Rosemarie Tillessen

Kommende Projekte

Und er steckt bereits voller neuer Pläne: An Pfingsten wird er in Südfrankreich eine dreieinhalb Meter hohe Platane als Skulptur bearbeiten. in St. Blasien wird er im August wieder am Bildhauersymposium teilnehmen, und im Herbst freut er sich auf die Ausstellung im Schlosskeller, die ihm das Kulturamt der Stadt ermöglicht. Ruhestand sieht anders aus. Herzlichen Glückwunsch, Josef Briechle!