Der auch bei uns bekannte Schweizer Künstler Santhori aus Bad Zurzach (mit bürgerlichem Namen Thomas Riederer) probiert gerne Neues aus und hat Lust auf Abenteuer. So wanderte er als 40-Jähriger mit seiner ganzen Familie – seiner Frau und den drei kleinen Kindern Emanuel, Aurelio und Angelina – erst nach Italien und dann nach Frankreich aus und kaufte dort den Motorsegler Costa d’Ouro. Auf ihm lebte und arbeitete er mehr als ein Jahr – eine sehr ungewohnte Erfahrung.

Erst damals begann seine Ära unter dem Künstlernamen Santhori. Er machte sich vor allem mit Performances rasch in Deutschland, der Schweiz und Frankreich einen Namen. Spätestens 1997 wurde er aber auch bei uns hier durch seine spektakuläre Performance „Brückenschlag Lonza“ in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Waldshut ein Begriff.

Sechs Farben genügen

Doch auch seine Bilder haben ein Markenzeichen: Er malt sie neben den Farben Schwarz und Weiß ausschließlich in Rot, Blau, Grün und Gelb. Diese Bilder sind großformatig und figurativ, oft frech, sexy und humorvoll.

Damit holt er die Kunst aus der musealen Ecke und stellt sie ins pralle Leben: Da laufen sinnliche Lippen auf Füßen, eine grüne Flasche watschelt zwischen Schlangen und Insekten, dickmundige Fische lauern im Wasser oder zigarrerauchende Gangster stehen neben reizvollen Frauen. Oder Menschen bestaunen Kunstwerke, die man aus dem Museum kennt. Immer erzählt er Geschichten und fabuliert augenzwinkernd. Da raucht auch schon mal ein „Christus“ am Kreuz seine Zigarre.

Ob Santhoris provozierendes Bild „Christus“ in China akzeptiert würde?
Ob Santhoris provozierendes Bild „Christus“ in China akzeptiert würde? | Bild: Rosemarie Tillessen

Neuland Asien

Ein Höhepunkt in seinem bisherigen Leben war 2016 eine Ausstellung in New York, von der er noch heute schwärmt. In der Budden Warren Gallery zeigte er dort seine Ausstellung „Santhori Faces NYC“, machte vorher einen Workshop im Park, an dem alle Altersgruppen teilnahmen und zündete zur Ausstellungseröffnung eines seiner Magic Pictures. Die Ausstellung wurde ein großer Erfolg. Jetzt wurde Santhori – für ihn selbst überraschend – nach Shanghai eingeladen.

Asien ist absolutes Neuland für ihn. Seine vierwöchige Einzelausstellung im Shanghai Himalayas Museum ist für September 2019 geplant. Dazu Santhori : „Das Museum ist ein monumentales, futuristisches Bauwerk in dieser drittgrößten Stadt der Welt. Es wurde erst 2012 eröffnet.“

Aber Santhori (69) ist sich auch klar: „Da gibt es vorher noch viele Stolpersteine und Schwierigkeiten. Alle Bilder und Objekte müssen vorher fotografiert werden, dazu Angabe der Technik – alles auf Englisch und Chinesisch. Und dann bestimmte Auflagen: Die Bilder dürfen nicht politisch oder sexistisch sein. Ein anderes Problem sind meine teils großen Formate, bis 1,60 x 2 Meter. Dazu kam der Vorschlag aus Shanghai, die Leinwände aufzurollen und erst dort zu rahmen.“

Santhori bei der Arbeit in seinem Atelier in Solvey.
Santhori bei der Arbeit in seinem Atelier in Solvey. | Bild: Rosemarie Tillessen

Wie kam es überhaupt zu diesem Kontakt nach China? Er lacht: „Ich habe im letzten Frühjahr bei Dielsdorf/ Schweiz einen Workshop für Geschäftsleute geleitet. Da waren auch Frauen und Kinder dabei. Sie haben mit Schablonen meine Technik gelernt. Abends spielte ein Pianist Jazz. Seine Freundin Lan Qin vermittelt in der Schweiz chinesische und Schweizer Firmen. Mit ihr konnte ich französisch sprechen und wir haben uns angefreundet.

Sie hatte die Idee: Warum nicht mal eine Ausstellung in China? Sie erkundigte sich genauer und vermittelte mich mit dem temperamentvollen Chinesen Song Yunlong, der seit 18 Jahren in der Schweiz lebt und Kultur- und Wirtschaftsprojekt als Projektleiter betreut.

Wir hatten die heftigsten Diskussionen miteinander und viele Ideen. Durch ihn lernte ich dann im Juli 18 die Professorin Liu von der Kunsthochschule Peking kennen. Sie hatte die Idee mit der Ausstellung in Shanghai und vermittelte das. Im August bekam ich von dort die Zusage und nach Weihnachten jetzt die offizielle Einladung der Museumsleitung.“

Künstler erfährt viel Unterstützung

Santhori selber kann es noch kaum fassen, ist aber zuversichtlich: „Durch Lan, Liu und Song wächst dort jetzt meine Ausstellung!“ Und er erfährt auch Hilfe vom Verein China-Schweiz, etwa bei der Verzollung. Denn die Shanghai-Ausstellung ist eine Non-Profit-Organisation: „Die verkaufen nichts. Damit ich nicht alles aus meinem Sack zahlen muss – Reise und Transport und so – habe ich mich auch an das Kuratorium Aarau und an Pro Helvetia gewandt. Und Lans Idee war es, zusätzlich ein „Warm-Up“ mit Firmen aus Shanghai zu machen. Also, wir sind dran!“

Wie schon oft in seinem Leben findet Santhori viele Helfer. Und natürlich plant er auch diesmal wieder eine Feuerperformance. Und vielleicht sogar Werbung im Fernsehen. Ob es da staatlichen Einspruch gibt? „Alles ist in China viel geordneter und der Staat muss zu allem seinen Segen geben,“ so Santhori. So glaubt er auch nicht, dass er wie in New York eine Mauer für alle zum Bemalen aufstellen darf. Aber er hat das Gefühl, das Land will einen guten Draht zur Schweiz und bewilligte bisher alles.

So plant er weiter leidenschaftlich seine Ausstellung. Er wird mehr als 15 Bilder aus vier Zyklen mitnehmen und dazu einige Objekte. Und im Mai wird er zu einer ersten Vorbesichtigung nach Shanghai reisen. Man darf gespannt sein. Er ist es auf jeden Fall: „Ich bin neugierig und freue mich darauf, dort meine farbigen und figurativen Bilder zu zeigen!“

Zur Person

Santhori wurde als Thomas Riederer 1949 in Zürich geboren. Nach der Schule machte er eine Lehre als Kürschner und lernte Modefachzeichner. Nach einem Volontariat bei verschiedenen Künstlern arbeitete und jobbte er auf dem Bau, als Chauffeur oder als Tennis- und Skilehrer, um Geld zu verdienen. Aber nebenher zeichnete er, machte Siebdruck und malte mit Acryl. Längst hat er sich inzwischen mit internationalen Performances und Ausstellungen einen Namen gemacht. Santhori ist verheiratet und hat drei Kinder. Heute lebt er mit seiner Frau in Bad Zurzach und hat sein Atelier im nahen Kindergarten Solvey.