Sie sind farblos und nicht zu schmecken. K.O.-Tropfen verwandeln eine ausgelassene Feierstimmung innerhalb weniger Minuten in einen Albtraum. Heimlich in ein Getränk gemischt, betäuben sie den Betroffenen und verursachen einen Gedächtnisverlust. So machen sie es dem Täter leicht, sein Opfer zu bestehlen oder es sexuell zu missbrauchen. Mit einer Präventionskampagne möchte das Kinder- und Jugendreferat der Stadt Waldshut-Tiengen gerade mit Blick auf die kommende Fasnacht vor den Gefahren von K.O.-Tropfen und übermäßigem Alkoholmissbrauch warnen.

Dabei gehe es nicht darum, „den Feierfreudigen den Spaß zu vermiesen, sondern negativen Begleiterscheinungen während und nach der Party vorzubeugen“, sagt Silke Padova, Leiterin des Kinder- und Jugendreferates, über die Aktion, die in diesem Jahr zum zweiten Mal nach 2019 durchgeführt wird. „Im vergangenen Jahr stieß die Kampagne auf unglaublich offene Ohren“, so Padova weiter. „Wir waren positiv überrascht, denn aus dem ganzen Landkreis kamen Anfragen zu unseren Plakaten und Info-Materialien.“

So schützen Sie sich vor K.O.-Tropfen

So werden zur kommenden Fasnacht wieder Plakate an die Kooperationspartner versandt, die unter anderem dazu auffordern, im Partygetümmel „aufeinander aufzupassen“. Die Poster werden beispielsweise in Geschäften, die Alkohol verkaufen, an den Wänden der Räume von Narrenvereinen und an den Ständen kommender Fasnachtsveranstaltungen hängen. „Wir wissen, dass bereits überall auf das Jugendschutzgesetz geachtet wird“, sagt Martina Gallinger, Mitarbeiterin des Kinder- und Jugendreferates, der es ein Anliegen ist, die Feiernden unkompliziert zu unterstützen.

„Es geht nicht darum, den Feierfreudigen den Spaß zu vermiesen, sondern negativen Begleiterscheinungen während und nach der Party vorzubeugen.“
Silke Padova, Leiterin des Kinder- und Jugendreferates Waldshut-Tiengen
Silke Padova, Leiterin des städtischen Kinder- und Jugendreferats und Oberbürgermeister Philipp Frank freuen sich über den Start der WT-Card. Bild: Ursula Freudig
Silke Padova, Leiterin des städtischen Kinder- und Jugendreferats und Oberbürgermeister Philipp Frank freuen sich über den Start der WT-Card. Bild: Ursula Freudig

Wie wichtig die Präventionskampagne ist, zeigen Rückmeldungen an das Kinder- und Jugendreferat. Im vergangenen Jahr hätten sich Betroffene aus der Region bei Silke Padova gemeldet, die zum Opfer von K.O.-Tropfen geworden seien. „Das hat uns bestärkt, auch in diesem Jahr wieder vor dieser unsichtbaren Gefahr zu warnen“, sagt sie. Allerdings könne der Getränke- und Informationsstand auf der Hoorigen Mess trotz positiver Resonanz in diesem Jahr nicht angeboten werden. „Wir versuchen aber unser Bestes für 2021“, so das Team des Kinder- und Jugendreferates.

2019 war das Kinder- und Jugendreferat mit einem eigenen sogenannten Awareness-Stand (Englisch für Bewusstsein) bei der Hoorigen Mess‘ in Tiengen vertreten. Dieser stand beim Eingang zum Festgelände. Besucher, denen die Großveranstaltung zu laut wurde, konnten sich dorthin zurückziehen und bekamen alkoholfreie Getränke ausgeschenkt.

An der Hoorigen Mess in Tiengen wird Alkohol ausgeschenkt. Zu Vorfällen mit K.O.-Tropfen ist es laut Veranstaltern bislang nicht gekommen.
An der Hoorigen Mess in Tiengen wird Alkohol ausgeschenkt. Zu Vorfällen mit K.O.-Tropfen ist es laut Veranstaltern bislang nicht gekommen. | Bild: Ursula Freudig

Nikola Kögel, Geschäftsführerin der Aktionsgemeinschaft Tiengen, die die Großveranstaltung mit tausenden Besuchern ausrichtet, sagt: „Bisher haben wir glücklicherweise noch keinen Einsatz von K.O.-Tropfen bei der Hoorigen Mess erlebt und hoffen natürlich auch, dass dies so bleibt. Auch in den Berichten von Polizei und DRK wurden uns keine Vorfälle mitgeteilt.“ Dennoch beteiligt sich die Aktionsgemeinschaft wie im Vorjahr an der Präventionskampagne. „Wir werden die Standbetreiber mit diesen Plakaten ausstatten, da wir diese Aufklärungsarbeit gutheißen und gerne unterstützen“, teilt Kögel auf Anfrage dieser Zeitung mit.

Auch die Narro-Zunft Waldshut beteiligt sich dieses Jahr wieder an der Aktion. „Wir sehen es als wichtig an, auf dieses Problem hinzuweisen und die Öffentlichkeit wachzurütteln, aufeinander aufzupassen und die Augen offen zu halten“, sagt Zunftmeister Stephan Vatter. „Wir als Gründungsmitglied der VSAN (Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte) legen sehr viel Wert auf Brauchtum und Weitergabe der Tradition“, fügt Vatter hinzu. Natürlich werde an Veranstaltungen auch Alkohol konsumiert, so der Zunftmeister. „Bis jetzt hatten wir aber noch keine Probleme durch K.O.-Tropfen.“