In Grafenhausen könnte es ab dem nächsten Frühjahr zusätzlich zum bestehenden katholischen Kindergarten St. Bernhard mit einem Waldkindergarten eine alternative Erziehungsform für Kinder ab 2,9 Jahren bis zum Schuleintritt geben. Träger der Einrichtung wäre die Gemeinde Grafenhausen. Die Idee, das pädagogische Angebot um einen Baustein zu erweitern, stammt von Jeanette Kaiser aus Birkendorf, Erzieherin und Fachlehrerin an Sonderschulen.

Alternative Betreuungsform

„Ein Waldkindergarten ist eine alternative Betreuungsform und soll nicht in Konkurrenz zum bestehenden qualifizierten Angebot der katholischen Kindertagesstätte St. Bernhard stehen“, betonte sie im Gespräch. Die engagierte Pädagogin hat die Idee nicht nur Bürgermeister Christian Behringer, sondern auch dem Gemeinderat vorgestellt.

Jeanette Kaiser hat in Waldshut die Ausbildung zur Erzieherin von der Pike auf gelernt und in verschiedenen Einrichtungen Erfahrungen gesammelt. Auch ist sie Fachlehrerin an Sonderschulen und war im Schuldienst tätig. Ihr Wunsch nach Berlin zu gehen, war der Grund, den Schuldienst an den Haken zu hängen. In der Bundeshauptstadt hat sie in einem sozialen Brennpunkt einen Kindergarten mit aufgebaut. Aus familiären Gründen führte sie der berufliche Weg wieder in den Schwarzwald. Genauer gesagt, in den Waldkindergarten nach Küssaberg.

Lust nach Abenteuer

Die Lust nach Abenteuer gehört zum Waldkindergarten dazu. Jeder Tag gestaltet sich anders. Die Form der Pädagogik steht nach den Worten von Jeanette Kaiser nicht für „wir sind grenzenlos“, sie gibt den Kindern auch Strukturen mit auf den Weg. Prinzipiell finden Aktivitäten im Freien statt. Schutz und Wärme soll ein Bauwagen bieten, der hinter der Saatschulhütte aufgestellt werden soll. Bei Extremwetter könnten im Winter auch die Räumlichkeiten des Jugendzeltplatzes hinter dem Schlüchtsee dienen.

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Jeanette Kaiser könnte sich im Waldkindergarten neben der Naturpädagogik perspektivisch auch einen sonderpädagogischen Schwerpunkt vorstellen. Gemäß ihrem Leitsatz „Gemeinsam statt einsam – voneinander, miteinander lernen“ könnte sie sich im Rahmen einer „intergenerativen Pädagogik“ ebenso vorstellen, die Arbeit auch mit Senioren zu verknüpfen. Sie ist sich sicher, dass nicht nur Kinder viel von älteren Menschen lernen können, auch die ältere Generation könnte von den Kindern profitieren. Weiter könnte sie sich vorstellen, dass die Kinder von den Erfahrungen der Nabu-Ortsgruppe Grafenhausen durch besondere Aktionen profitieren könnten.

Wald- und Naturpädagogik

Die Definition naturnaher Kindergarten durch den Bundesverband für Natur- und Waldkindergärten e.V. mit Sitz in Kiel lautet wie folgt: „Das Konzept hinter den naturnahen Kindergärten basiert auf der Erkenntnis, dass Kinder sich in der Natur besser bewegen, spielen und lernen können und zudem bereits in jungen Jahren ein Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge entwickeln. Durch den ständigen Aufenthalt an der frischen Luft sind die Kinder gesünder und widerstandsfähiger gegen Infektionskrankeiten. Auch ist die Unfallhäufigkeit in Waldkindergärten gegenüber den Hauskindergärten geringer. Die Tatsache, dass hauptsächlich Naturmaterialien zum Spielen zur Verfügung stehen, führt dazu, dass bei den Kindern Kreativität und Fantasie gefördert werden. Die meisten Natur- und Waldkindergärten haben einen Bauwagen oder eine kleine Hütte, hier haben sie Material gelagert und können sich bei Unwetter dahin zurückziehen. In der Regel halten sich Erzieherinnen und Kinder aber immer im Freien auf.“

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Ihre Wurzeln hat die Wald- und Naturpädagogik in Schweden. Seit 1892 gibt es dort eine Organisation, die ganzjährig Aktivitäten im naturpädagogischen Bereich für alle Altersstufen anbietet. In Deutschland entstand 1968 die erste private Wandergruppe in Wiesbaden. 1993 wurde der erste staatlich anerkannte Waldkindergarten in Flensburg eröffnet. Heute gibt es nach Angaben des Bundesverbandes mehr als 1500 deutsche Natur- und Waldkindergärten und über 500 Waldkindergartengruppen in traditionellen Kindergärten, sowie Einrichtungen, wie der Kindergarten St. Bernhard in Grafenhausen, die Waldtage durchführen.

 

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