Endspurt für die Vorbereitung der neuen Ausstellung des Schwarzwaldvereins Stühlingen. Vom 17. Juni bis 3. Juli wird unter dem Titel „Räderwerk – Vom Arbeiten und Spielen im Wutachtal“ ein weiteres Puzzleteil der Stühlinger Geschichte gezeigt, das exemplarisch ist für die Region.

Das vierköpfige Kern-Ausstellungsteam Antonia Albrecht, Jutta Binner-Schwarz, Christina Leutze und Gerhard Schwarz arbeitet auf Hochtouren. Marianne Würth setzt aufwendig Texte in das von Helmut Heimburger kreierte Layout. Während der Ausstellung werden viele Mitglieder um Schür-Chefin Antonia Kramer-Diem helfen.

Was wird in der Ausstellung gezeigt?

Die Ausstellung erstreckt sich über drei Stockwerke. Fahrräder, vom Hochrad bis zum E-Bike, sind zur Besichtigung aufgereiht. Sonntags werden außergewöhnliche Dampfmaschinen aus der Eisenbacher Sammlung Demattio in Betrieb genommen. Es befindet sich eine kleine, feine Sammlung an Schrauben aus der Schraubenfabrik Heimburger hinter Glas, darunter Rastkolben für die Stuhlfabrik Stoll und Schlitzmuttern für die Bundesbahn, außerdem Mini-Kegel, welche Ernst Heimburger zur Belustigung seines Kegelclub gedreht hatte.

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Es wird ein Blick auf die Zwirnerei an der Wutach geworfen, welche seit 1886 in Stühlingen Garne und Zwirne produziert und sich seit den 1980er Jahren auf Produkte für die Lebensmittel-, Medizin- und Hygieneindustrie ausrichtet.

Die Ausstellung

Welche Rolle die Untere und die Obere Wutachtalbahn für die Bevölkerung gespielt hatte und wieder spielt, wird auch durch Erlebnisberichte deutlich. „Im Zug wurde gelernt, Karten gespielt, geredet, geschlafen, geflirtet“, erinnert sich Herbert Albrecht an seine Fahrten zwischen 1962 und 1964 nach Waldshut, als er die Handelsschule besuchte. Warum ein prächtiger Bahnhof in Eberfingen steht und in Stühlingen nur ein Provisorium gebaut wurde und 1995 abgerissen wurde, wird humorvoll erläutert. Ein eigenes Kapitel schreibt natürlich die heutige Museumsbahn.

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Die Uhrmacherfamilie Würth hatte in Stühlingen als einzige Uhrmacher von 1818 bis 1956 ihr Geschäft betrieben, seit 1842 im heutigen Stadtweg 34. Hier kaufte die ganze Region ihre Uhren, Brillen und einfachen Schmuck, bis die größere Mobilität mit Motorrad und Auto den Zugang zu spezialisierten Geschäften in Tiengen und Waldshut möglich machte.

Im Zuge der Recherche fand Jutta Binner-Schwarz erstmals genaue Informationen zum Mädchenheim im Diakoniearchiv Berlin, dem Staatsarchiv Basel, bei der Fremdenpolizei Basel/Bern und im Technoseum Mannheim. Im Mädchenheim lebten junge Frauen, die in der Zwirnerei an der Wutach arbeiteten und von der Diakoniefürsorge betreut und auf ihr späteres Leben vorbereitet wurden. Heute befindet es sich in privater Hand.

Was ist außerdem noch geboten?

Nicht nur Geschichte und Erlebnisse stehen im Vordergrund, auch der technische Bereich wird durchleuchtet. Wie funktioniert die Stromerzeugung der Schraubenfabrik Heimburger, die heute von Andres Preiser als Kleinkraftwerk betrieben wird? Welche Rolle spielt die Wasserkraft in der Zwirnerei an der Wutach? Wie viel Kraft braucht es, um per Fahrrad für Licht und Musik zu sorgen?

„Einen kleinen Blick in den Bereich der Landwirtschaft werfen wir mit Hilfe exemplarisch ausgesuchter Mühlen der Region und deren Wasserrädern“, erläutert Jutta Binner-Schwarz. Zu den Höhepunkten zählt Jürgen Mahlers ausgeklügeltes Modell der Sauschwänzlebahn.

Die Sauschwänzlebahn im Miniaturformat ist das große Hobby von Jürgen Mahler (vorne). Die Einzelteile wurden mit einem Kleinlaster zur ...
Die Sauschwänzlebahn im Miniaturformat ist das große Hobby von Jürgen Mahler (vorne). Die Einzelteile wurden mit einem Kleinlaster zur Schür am Stadtgraben gefahren und in das Obergeschoss geschleppt. Jeden Sonntag während der Ausstellung vom 17. Juni bis 3. Juli wird Jürgen Mahler anwesend sein und die Sauschwänzlebahn vorführen. | Bild: Jutta Binner-Schwarz

Hier dreht ein Miniaturzug sonntags seine Runden. Der Schöpfer der Anlage steht für Fragen zur Verfügung. „Außergewöhnliche Dampfmaschinen aus der Sammlung Demattio (Eisenbach/Schwarzwald) bereichern Räderwer in besonderem Maße. Auch sie werden sonntags mit Erläuterungen betrieben“, so Jutta Binner-Schwarz.

Welche Angeboten gibt es für und von Kindern?

Im Stadtgraben präsentieren sich selbst gefertigte Wasserräder der Realschüler, aus gebrauchten Wasserflaschen haben Grundschüler Windräder gefertigt, die Schüler diverser Altersgruppen sind seit Wochen bereits involviert in das Thema „Räderwerk“. „Bunt sind auch die Legosteine, aus denen Michel Sieber, leidenschaftlicher Legobaumeister, die Waldshuter Stadtscheuer mit der Stadtmühle gebaut hat“, freut sich die Vorsitzende Jutta Binner-Schwarz.

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Sammlungen mit mechanischem Spielzeug locken nicht nur Kinder. Hölzerne Beispiele aus dem Erzgebirge lassen staunen, aufziehbare Fahrzeuge aus Blech und spezielles Rollmaterial der Eisenbahn können ebenfalls bewundert werden.

Woher stammen die Ausstellungsstücke?

Sieben Museen haben auf Nachfrage des Ausstellungs-Teams dem Verein Gegenstände für die Dauer der Ausstellung zur Verfügung gestellt. Den Exponaten, die von Familien zur Verfügung gestellt wurden, sieht man an, dass sie eifrig genutzt und geliebt wurden, wie Dreiräder, Seifenkisten, Rollschuhe oder Pennyboards. „Fotos unterstreichen Besitzerstolz und die Träume von Rennfahrer- und Sportlerkarriere“, erklärt Jutta Binner-Schwarz.