Herrlicher Sonnenschein, keine noch so kleine Wolke trübt den Himmel. Eigentlich ideale Bedingungen für Piloten, um mit ihren Segelflugzeugen auf dem Bohlhof abzuheben, den Windgeräuschen zu lauschen und die Welt von oben zu betrachten. Doch nur Vögel ziehen im April und Mai 2020 ungestört ihre Kreise. Wegen der Corona-Pandemie herrschte auf dem Flugplatz hoch über Wutöschingen Funkstille. Seit zwei Wochen heben sie wieder ab – unter strengen Vorgaben.

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  • Der Lockdown: „Wir hatten bestes Flugwetter im April und durften nicht fliegen“, das macht August Raußen (67), stellvertretender Vorsitzender der Segelfluggemeinschaft Bohlhof, immer noch zu schaffen. Doch es half nichts: „Wir mussten den Flugplatz schließen“, erklärt der Vorsitzende Peter Hofmann (65). Er erzählt, dass immer wieder Polizeistreifen kamen, um zu kontrollieren, ob die Corona-Verordnung umgesetzt wird. Flatternde rot-weiße Absperrbänder zeigen, dass man vom Normalbetrieb noch weit weg ist. Der Baden-Württembergische Luftfahrtverband ordnete am 18. März an, in den Vereinen den Flugbetrieb einzustellen. „Wir haben das Gras auf dem Flugplatzgelände wachsen lassen. Das Heu bekommen nun die Pferde von Familie Roßkopf“, erzählt Hofmann schmunzelnd.
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  • Die Lockerung: Seit gut zwei Wochen ist es den Vereinsmitgliedern wieder erlaubt zu Trainings- und Übungsflügen mit ihren Segelflugzeugen oder Motorseglern abzuheben – alles unter Beachtung strenger Hygienevorschriften. „Alles was angefasst wurde, muss desinfiziert werden“, sagt Raußen. Er konnte inzwischen endlich wieder abheben: „Nach zwei Monaten Lockdown waren wir heiß aufs Fliegen. Es war super schön“, erzählt er lächelnd. In den Doppelsitzern wurde eine Trennscheibe montiert, sowohl Pilot oder Fluglehrer sowie Schüler oder ein Passagier tragen Masken. „Fluggäste können wir derzeit nicht mitnehmen“, betont Peter Hofmann. Wann dies wieder möglich sein wird, wagt er nicht vorherzusagen. Der Vereinschef macht sich nämlich Sorgen, dass mit der Rückkehr der Sommerurlauber eine zweite Welle mit erneuten Einschränkungen kommen könnte.
  • Das Vereinsleben: Im Vereinsheim, einer modernisierten Baracke aus den 1930-er Jahren, sitzen und diskutieren einige Mitglieder – auf Abstand natürlich. „Getränke dürfen wir momentan nicht ausschenken“, sagt der Vorsitzende. 40 Prozent der Mitglieder kommen aus der Schweiz, die dürfen momentan nur über die Grenze, wenn sie einen Arbeitseinsatz auf dem Flugplatz nachweisen können. Gegenwärtig sind 15 Jugendliche im Verein aktiv. Sie arbeiten an einem Projekt, bei dem vereinseigene Maschinen aufbereitet werden. Da heißt es schleifen, ausbessern und frisch lackieren.
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  • Die Finanzen: „Uns fehlen durch den Lockdown mehr als 10.000 Euro in der Vereinskasse“, sagt Peter Hofmann. Beiträge und Fluggebühren laufen weiter, auf der Einnahmenseite konnte aber nichts verbucht werden. Raußen: „Am 1. Mai und am Vatertag haben wir sonst Wanderer verpflegt und mit den Einnahmen unsere Vereinskasse gefüllt“, das sei in diesem Jahr komplett weggefallen. Abgesagt wurde bereits das alljährliche Flugplatzfest. Für das kommende Jahr soll es ein neues Konzept geben – wieder mit Rundflügen, erzählt Peter Hofmann: „Als der Lockdown kam, haben wir die Planungen dafür eingestellt“, informiert der Vorsitzende weiter.
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  • Das Ultraleicht-Flugzeug: „Ein neues Zeitalter hat begonnen“, schreibt die SG Bohlhof auf ihrer Internetseite. Am 28. Mai kam das neue, zweisitzige Ultraleichtflugzeug an, das für 138.000 Euro angeschafft wurde. Angetrieben wird es von einem 100 PS-starken Motor, mit dem eine Reisegeschwindigkeit von 190 Stundenkilometer möglich ist. Die Reichweite soll 1200 Kilometer betragen.
Stolz präsentieren der Vorsitzende der Segelfluggemeinschaft Bohlhof, Peter Hofmann (links) und sein Stellvertreter August Raußen das neue, 138.000 Euro teure Ultraleichtflugzeug. Wegen Corona muss die Taufe allerdings noch warten.
Stolz präsentieren der Vorsitzende der Segelfluggemeinschaft Bohlhof, Peter Hofmann (links) und sein Stellvertreter August Raußen das neue, 138.000 Euro teure Ultraleichtflugzeug. Wegen Corona muss die Taufe allerdings noch warten. | Bild: Gerald Edinger
  • Nach Segelflug, Motorsegler und Motorflug ist nun auch Ultraleichtfliegen auf dem Bohlhof möglich. „Wir können Ausbildung und Prüfung bei uns anbieten“, freut sich Peter Hofmann. Sobald alle Papiere komplett sind, kann es losgehen. Wegen Corona muss die Taufe des EV 97 Eurostar SLW-Sport allerdings warten. Einen Namen hat das doppelsitzige Fluggerät schon, verraten wird er erst bei der Taufe.