Nächstes Jahr sind es zehn Jahre, seit Peter Maier das Kultlokal Café „Verkehrt“ führt. Von vornherein hat er geplant, es zehn Jahre zu betreiben. Der 61-Jährige fühlt sich jetzt altersmäßig soweit, dass „man an etwas anderes denken kann.“ Die gesamte Immobilie im Murger Ortsteil Oberhof, Hotel, Gasthaus, die Musik- und Kleinkunstbühne und der Biergarten – „ein relativ großes Objekt“ – so Maier, steht in ein bis zwei Jahren zum Verkauf an und soll im nächsten Jahr auf dem Immobilienmarkt angeboten werden. Das hat natürlich Auswirkungen auch auf die Planungen der Hotzenwälder Kleinkunstbühne. Der Kulturverein nutzt seit Jahrzehnten das „Café“ als Aufführungsstätte.

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Der anstehende Verkauf ist für die Hotzenwälder Kleinkunstbühne, die hier ein gutes Dutzend Veranstaltungen jährlich organisiert, eine harte Nuss, die noch zu knacken sein wird. Nachdem Peter Maier angekündigt hat, dass er die Liegenschaft abgeben will, herrscht in der Kleinkunstbühne „große Ungewissheit“, was nach 2021 kommt und wie es mit der Bühne und dem Programm weitergeht. „Wir hängen ein bisschen in der Luft“, sagt Tontechniker Till Erb, ebenso wie Maier Beisitzer im Vorstandsteam des Vereins. Man wartet jetzt mal ab.

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Maier sieht ein, dass es für die Kleinkunstbühne wegen der Planungsunsicherheit unter diesen Umständen schwierig sei. Zur aktuellen Lage der Hotzenwälder Kleinkunstbühne merkt Peter Maier noch an, dass vor neun Jahren die damalige Situation unter einem „viel schlechteren Stern“ gestanden habe als die ungewisse Zukunft ab dem kommenden Jahr: „Hätte ich vor neun Jahren das Café Verkehrt nicht gekauft und aufwendig saniert, umgebaut und investiert, so wäre die Veranstaltungen der letzten Jahre nicht machbar und denkbar gewesen“, betont das HKKB-Vorstandsmitglied. Natürlich könne er nicht garantieren, dass es bei einem Besitzerwechsel mit den Veranstaltungen weitergehe. Aber Maier kann sich gut vorstellen, dass es jemand kauft, der die Bühne weiterhin zur Verfügung stellt: „Der Verein ist Gast bei uns, ich komme dem Verein bei Veranstaltungen großzügig entgegen.“

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Das Café „Verkehrt“ hat als Musiklokal einen guten Ruf in der Szene. Die Bands fühlen sich hier wie zuhause. Die Lokalität und die Bühne verströmen die Atmosphäre von Hautnah-Konzerten. Das Freiburger Comedy-Duo Oropax zum Beispiel hat bei einem Auftritt in der Schweiz in Oberhof übernachtet und war von dem Kulturcafé ebenso begeistert wie Major Heuser, ehemaliger Gitarrist und Songschreiber der Kölner Rockband BAP, der vorletztes Jahr ein Konzert auf der Hotzenwälder Kleinkunstbühne gegeben hat. Der Ex-BAP-Musiker war baff und hellauf begeistert, dass man aus dem Musiklokal direkt ins Hotelzimmer gehen kann. Auch war er von der hervorragenden Tonqualität höchst angetan.

Corona-Krise macht Strich durch Rechnung

Die Musiker lieben es, dass man direkt nach dem Konzert an der Bar sitzen und mit dem Publikum in Kontakt kommen kann – zumindest in „normalen Zeiten“. Denn die Corona-Krise hat den Machern einen Strich durch die Rechnung gemacht und „alles über den Haufen geworfen“, so Besitzer Maier, der zusätzlich zu den zwölf jährlichen Veranstaltungen des Vereins die restlichen selber organisiert. Seit Corona sind in Oberhof 15 Veranstaltungen ausgefallen – „eine Menge“, wie Maier beklagt.

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Der 61-Jährige ist im Gastro-Gewerbe ein Quereinsteiger. Als gelernter Chemikant und Werkzeugmacher, der zuletzt in der Schweiz in einem Ingenieurbüro gearbeitet hat, kommt er ursprünglich nicht aus dem Wirteberuf. Aber er sei ein großer Musikfan, und das sei mit der Hauptgrund gewesen, dass er das Café „Verkehrt“, das er von früher her schon kannte, vor fast zehn Jahren übernommen habe, sagt der Betreiber, der in Laufenburg wohnt, dort die „Alte Post“ besitzt und das Hotel betreibt, während das Restaurant verpachtet ist.

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Vor 35 Jahren hat Maier in Laufenburg fünf Jahre lang ein Schallplattengeschäft geführt, bis die Umstellung von der LP zur CD kam, und selber halbtags zusätzlich zu seinem Hauptberuf im Geschäft gearbeitet – „aus Liebe zur Musik.“ Hauptsächlich Pop, Rock und Schlager führte er in seinem Laden und spielte den Kunden die LPs auf hochwertigen Plattenspielern vor. „Ältere Laufenburger erinnern sich noch daran“. Er werde immer wieder darauf angesprochen.

Maiers Lieblingsmusik ist nach wie vor Rock und Pop. Auch ist er ein Fan von schottisch-irischer Musik, was sich im Veranstaltungsprogramm des Cafés „Verkehrt“ niedergeschlagen hat, wo Maiers Ehefrau bei Konzerten regelmäßig hinter der Theke steht. Maier spielt selber Gitarre und Schlagzeug, aber mehr amateurhaft, wie er eingesteht. So sei er eben auf der anderen Seite der Musik, nicht Musiker, sondern Konzertveranstalter.

Als solchen trifft ihn jetzt die Corona-Krise bei seinen eigenen Veranstaltungen und denen der Kleinkunstbühne. Vor allem die momentan gültigen Abstandsregelungen machen ihm Kopfzerbrechen. „Sie lassen sich im Musikcafé nicht umsetzen.“ So lange sich die Situation nicht normalisiere, rentiere es sich nicht, Konzerte zu veranstalten.

Wie geht es nun mit dem Café „Verkehrt“ weiter?

Maier hofft, dass das Haus jemand kauft, der den Bühnenbetrieb aufrecht erhält. „Wenn nicht, muss die Hotzenwälder Kleinkunstbühne in der Oberhofer Halle Veranstaltungen machen“, so Maier. „Aber das ist nicht dasselbe, denn das Café „Verkehrt“ ist etwas ganz Besonderes“. Das sagen ja auch die Künstler selber.

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