Seit 6. Juni erlaubt das Land wieder die Öffnung von Frei- und Schwimmbädern – allerdings nur unter strengen Auflagen. Unter anderem darf sich in Schwimmerbecken maximal eine Person pro 10 Quadratmeter Wasserfläche aufhalten, in Nichtschwimmerbecken eine pro 4 Quadratmeter, auf Liegewiesen eine pro 10 Quadratmeter. Alle Besucher müssen einen Abstand von mindestens 1,5 Metern wahren. Der Betreiber muss für jedes Becken, jede Rutsche, jeden Wasserpilz eine eigene Aufsichtsperson abstellen. Die Bürgermeister im Landkreis sehen große Schwierigkeiten, diese Regeln umzusetzen und hatten sich deshalb Anfang Juni darauf geeinigt, ihren Gemeinderäten zu empfehlen, die Freibäder diese Saison nicht zu öffnen. Allerdings war schon am 8. Juni der Gemeinderat von Bad Säckingen Bürgermeister Alexander Guhl nicht gefolgt und hatte die Öffnung des Waldbads beschlossen. Mit Spannung war deshalb erwartet worden, wie die Gemeinderäte in Laufenburg und Murg entscheiden würden.

Stadtverwaltung schildert Horrorszenario einer Badesaison

Die Laufenburger Stadtverwaltung gab sich am Montagabend bei der Sitzung des Gemeinderats in der in der Möslehalle Luttingen redlich Mühe, ein wahres Horrorszenario von Badesaison darzulegen. „Es wäre nur eine eingeschränkte Freude“, warnte Christian Gerspacher, der Leiter der Technischen Betriebe, vor einer Öffnung des Freibads. Maximal 113 statt der an guten Tagen 600 bis 1000 Personen könnten das Gartenstrandbad in einer Vormittags- und einer Nachmittagsschicht besuchen. Die Gäste müssten sich nach Vorbuchung über ein noch anzuschaffendes elektronisches Buchungssystem zu gekennzeichneten Plätzen auf der Liegewiese begeben. Zwei Security-Kräfte am Eingang und zwei entlang des Zaunes auf der Liegewiese würden darauf achten, dass sich niemand unberechtigt Zutritt verschaffe. „Vor allem an heißen Tagen sehe ich ein sehr hohes Konfliktpotential“, sagte Badebetriebsleiter Uwe Abele.

Kämmerin Andrea Tröndle hatte die finanziellen Auswirkungen errechnet. 320.000 Euro haben die Stadtwerke dieses Jahr für den normalen Betrieb des Gartenstrandbads an Defizit eingerechnet. Durch erhöhten Personalbedarf, zusätzlichen Sachaufwand und die Anschaffung des neuen Ticketsystems kämen weitere 160.000 Euro Fehlbetrag hinzu, dazu 30.000 Euro Ausfall an Eintrittsgeldern was sich auf über 500.000 Euro addiere. Bis Ende September werde man jedem Öffnungstag 2738 Euro zuschießen müssen. Doch der finanzielle Aspekt sei gar nicht der entscheidend, so Bürgermeister Ulrich Krieger. Der Knackpunkt laute laute: „Das Haftungsrisiko ist nicht kalkulierbar.“

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Unterstützung für den von der Verwaltung vorgeschlagenen Verzicht auf die Öffnung des Bads kam von Stadtrat Gerhard Tröndle (CDU): „Die Stadt Laufenburg sollte sich den Schuh nicht anziehen, den sich Bad Säckingen angezogen hat.“ Auch Patrick Meier (AfD) stärkte signalisierte Einverständnis. Ebenso Manfred Ebner (CDU): „Unter den gegebenen Umständen können wir das Bad nicht öffnen – auch wenn das noch so schön wäre.“

Fünf Laufenburger Stadträte wollen Öffnung

Als erster widersprach Jürgen Weber (Grüne), der bei der Stadtverwaltung „ein bisschen den guten Willen“ vermisste. Die erlaubte Zahl von 113 Besuchern werde doch allenfalls an einigen wenigen heißen Tagen und vormittags praktisch nie überschritten. Das müsse doch zu machen sein, meinte er. Sein Fraktionskollege Raimund Huber erklärte, dass in Laufenburg wohl kaum mit Schlägereien im Freibad zu rechnen sei wie vergangenes Jahr in Kehl. Ältere, Familien und Jugendliche treffe die Schließung besonders. Wie Huber schlug auch Michaela López Dominguez (FW) vor, dass freiwillige Helfer im Bad bei der Aufsicht eingesetzt werden könnten. Ihr Fraktionskollege Sascha Komposch sagte, dass das benötigte digitale Buchungssystem ja auch für andere Anlässe, beispielsweise die Kulturtage eingesetzt werden könne. Und auch Torsten Amann (SPD) plädierte für eine Öffnung.

Frank Dittmar (CDU) formulierte schließlich den Kompromissvorschlag, den der Gemeinderat mit 12 gegen 5 Stimmen annahm: Das Gartenstrandbad solle nicht definitiv die ganze Saison sondern nur vorerst geschlossen bleiben. „Bei neuen Vorgaben wird eine Öffnung geprüft.“ Lauf Betriebsleiter Abele erfordert eine Öffnung des Bads zwei Wochen Vorlaufzeit. Gegen eine vorläufige Schließung und für eine sofortige Öffnugn unter den geltenden Auflagen stimmten die Stadträte Amann, Huber, Komposch, López Dominguez und Weber.

In Murg nur 500 statt 1200 Badegäste möglich

In Murg hingegen folgte der Gemeinderat bei seiner Sitzung in der Murgtalhalle dem Vorschlag der Verwaltung, das Freibad 2020 nicht mehr zu öffnen. „Wir haben uns viel Gedanken gemacht. Aber wir sind uns einig, dass eine Öffnung unter den jetzigen Voraussetzungen keinen Sinn macht“, erklärte Bürgermeister Adrian Schmidle am Montagabend im Gemeinderat. Demnach könnten anstatt der über 1200 Badegäste an Spitzentagen laut Corona-Verordnungen lediglich 500 Personen das Naturschwimmbad in Murg besuchen. Zur Umsetzung der Verordnung wäre außerdem zusätzliches Personal erforderlich. „Wenn wir öffnen, würden Mehrkosten auf uns zukommen.“ Dann addierten sich zum eingeplanten Betriebsdefizit in Höhe von 241.000 Euro weitere 100.000 Euro. Bleibe das Naturschwimmbad geschlossen, ergäben sich Einsparungen über 93.000 Euro.

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Die große Mehrheit der Gemeinderäte trug den Vorschlag der Verwaltung mit. „Ich würde dem zustimmen, und ich glaube, dass es auch kein Vergnügen für die Mitarbeiter ist“, meinte Gabriele Döbele-Kreutz (CDU). Roland Baumgartner (FW) meinte zu den Auflagen der Verordnung: „Das ist nicht leistbar. Der Badespaß würde sehr eingeschränkt sein.“ Georg Kirschbaum (SPD) befürchtete sogar einen erhöhten Andrang von Badegästen, wenn die anderen Freibäder in den Nachbarorten geschlossen sind: „Wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir öffnen.“ Für eine Öffnung des Naturschwimmbads plädierte Detlef Rüdiger (SPD): Durch die Sperrung der Ortsdurchfahrt werden der Bevölkerung schon einiges zugemutet, daher sollte das Freibad aufgemacht werden.

Dass im Murhena nicht gechlort wird, spielte bei der Entscheidungsfindung keine Rolle. Auf Anfrage von Ursula Rünzi (FW) verwies Bademeister René Flohr auf das Bundeministerium für Umwelt, wonach weder von gechlortem noch ungechlortem Wasser eine erhöhte Infektionsgefahr ausgehe.

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