Der Bad Säckinger Gemeinderat ist immer für eine Überraschung gut. Das Gremium hat in der Sitzung am Montagabend beschlossen, das Waldbad in diesem Sommer zu öffnen. Die Mehrheit war der Meinung, Geld dürfe in der jetzigen Situation keine Rolle spielen. Man müsse vor allem den Familien, die in der bisherigen Corona-Krise gelitten hätten, Kompensation bieten. Nach Berechnungen der Stadtverwaltung wird die Öffnung des Schwimmbades zusätzlich 200.000 Euro Mehrkosten aufwerfen, das jährliche Defizit des Bades wird dann auf gesamt 700.000 Euro steigen, Bürgermeister Alexander Guhl rechnet sogar mit 800.000 Euro.

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Was die ganze Sache so teuer macht, ist die Schwimmbadverordnung des Landes. Wegen des Coronavirus müssen Badbetreiber umfangreiche Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte erstellen und diese umsetzen. Das beudetet insbesondere auch erhöhten Personaleinsatz.

Kreditaufnahme wegen Mehrkosten

Die Stadtverwaltung und die Betreiberin Tourismus GmbH hatten dem Gemeinderat von einer Öffnung abgeraten. Das Gremium sah es jedoch mehrheitlich mit elf Ja-Stimmen und acht Nein-Stimmen anders. Einen Finanzierungsvorschlag machte der Gemeinderat allerdings nicht. Bürgermeister Guhl sieht als einzige Möglichkeit die Kreditaufnahme. Nach dem Beschluss vom Montag muss die Stadtverwaltung zusammen mit dem Schwimmbadpersonal die nötigen Schritte einleiten. Eine Öffnung wäre dann Ende Juni möglich, sagte Guhl gegenüber unserer Zeitung, wahrscheinlich am 27. Juni.

Diskussion im Gemeinderat

CDU-Fraktionssprecher Michael Maier hatte in der Diskussion mit einem Plädoyer zur Badöffnung den Auftakt gemacht. Maier wollte eine Öffnung vor allem aufgrund der Corona-Belastungen für Familien. Der Shut-Down der Kindergärten und Schulen hätten Familien schwer belastet. Auch die staatliche Empfehlung, den Urlaub daheim zu verbringen, sei ein Argument für eine Öffnung des Waldbades. „Die CDU ist mehrheitlich dafür, dass wir den Schwimmbadbetrieb wieder anfahren.“ Die gesundheitlichen Corona-Risiken sieht er durch das Hygiene- und Infektionschutzkonzept gewährleistet. Geld dürfe bei der Entscheidung nicht an erster Stelle stehen, forderte Maier angesichts der erwarteten Mehrkosten von mindesten 200.000 Euro. Möglicherweise sei das von Tourismus-Geschäftsführerin Gabriele Wöhrle-Metzger präsentierte Konzept auch zu schwarz gemalt.

Wie Maier sah es auch Frank van Veen (Unabhängige Bürgerliste). Es gehe hier um eine Entscheidung zwischen Lebensqualität und Gesundheitsrisiko. Bei dieser Abwägung sei die Öffnung vertretbar und müsse stattfinden. Auch Ruth Cremer Ricken und Irene Klaußner (beide Grüne) sowie Carina Weiß (Freie Wähler) rückten die Familien in den Mittelpunkt ihrer Argumentation, ebenso Sherepreet Schwer (Freie Wähler), der zudem befürchtete, dass Schwimmer bei geschlossenem Waldbad auf den Rhein ausweichen werden und es zu noch mehr Badetoten kommen werde als in den letzten Jahren. Auch CDU-Stadtrat Franz Isele sprach sich für die Öffnung aus und fand in Anlehnung an Ministerpräsident Winfried Kretschmann, man müsse das ganz etwas „lockerer angehen“.

Stadtrat Rolf Joist: Öffnung wird nur Unzufriedenheit hinterlassen

Das allerdings brachte Fred Thelen etwas in Wallung. Der Fraktionssprecher der Freien Wähler fand, dass man in der Coronakrise nichts mit „Lockerheit“ angehen dürfe. Er sprach sich angesichts der schwierigen Umsetzung des Sicherheitskonzeptes gegen eine Öffnung aus, auch wenn dies unpopulär sei. Rolf Joist von den Grünen sah eine Öffnung ebenfalls sehr kritisch. „Wenn am Ende der Badesaison wirklich alle zufrieden wären, wären die Mehrkosten gut angelegtes Geld“, fand Joist. Die Öffnung des Waldbads auf Grundlage des engmaschigen Sicherheitskonzeptes werde jedoch mehr Unzufriedenheit als Freude erzeugen, prophezeite er. Am Ende der Saison werde keiner, weder die Badegäste noch die Betreiber, richtig zufrieden sein.

Guhl machte noch einmal klar, dass er dem Votum des Gemeinderates nicht widersprechen werde. Das könnte er auf der Grundlage der Gemeindeordnung, wenn er einen Beschluss des Gemeinderates für unzulässig hält. Guhl sagte, man werde das Konzept umsetzen und öffnen, machte aber darauf aufmerksam, dass es nicht umsonst zu haben sei. Was er vom Gemeinderat in diesem Zusammenhang vermisste, waren Vorschläge für die Finanzierung der Mehrkosten.

Zahlen und Fakten zur Freibaderöffnung

  • Die Abstimmung: Für eine Öffnung stimmten von der CDU Michael Maier, Clemens Pfeiffer, Alexander Borho und Franz Isele, von den Grünen Ruth Cremer-Ricken, Franz Stortz und Irene Klaußner, von den Freien Wählern Carina Weiß und Sherepreet Schwer sowie Frank van Veen (Unabhängige Bürgerleiste) und Angelo de Rosa (Linke). Dagegen stimmten Bürgermeister Alexander Guhl, von der CDU Michael Krane, von den Grünen der Mediziner Rolf Joist, von der SPD Stephan Muster und Juliane Brenke, von den Freien Wählern Fred Thelen, Petra Schwarz-Gröning und Bruno Lehmann.
  • Das Sicherheitskonzept: Der Betrieb des Waldbades ist vom 27. Juni bis 15. September geplant. Betreiberin ist die städtische Tourismus GmbH. Geschätfsführerin Gabriele Wöhrle-Metzger hat aufgrund der Corona-Verordnung des Landes baden-Württemberg das Hygiene- und Infektionsschutzkonzept erarbeitet. Hier aus dem umfangreichen Werk die wichtigsten Regelungen: Auf der zur Verfügung stehenden Liegefläche von 5650 Quadratmetern ist der Zutritt für 565 Personen möglich. Davon können maximal 303 Personen ins Wasser (vier Becken). Für die Liegeflächen gibt es Kennzeichnungen. Es sind drei so genannte Zeitslots pro Tag geplant, also Zeitzonen für den Besuch des Waldbades: Frühschwimmer von 8 bis 11 Uhr, Familien von 12 bis 15 Uhr, Spätschwimmer von 16 bis 19 Uhr. Badegäste müssen nach Ablauf der Zeitlots das Bad tatsächlich verlassen. Zwischen das Zeitzonen wird das Waldbad desinfiziert.
  • Ticketverkauf: Dieser erfolgt ausschließlich online. Am Vorabend werden für den Folgetag die Zeitslots zur Buchung freigeschalten. Beim Einlass des Bades ist an der Kasse die Buchungsbestätigung vorzulegen. Wegen des Virus werden Kontaktdaten der Besucher gespeichert.
  • Preise: Ab dem 7. Lebensjahr bis zum 18. Lebensjahr kostet ein Zeitslot 1,50 Euro, für Erwachsene 3,50 Euro. Ermäßigungen, Zehnerkarten, Saisonkarten etc entfallen.
  • Sanitär: Toilettenanlagen können nur von einer Person benutzt werden. Es wird nur jeweils eine Toilette im Damen- und Herrenbereich geöffnet. Die Duschen bleiben zu. Es sind die Duschen bei den Becken zu benutzen. Einzelkabinen stehen zur Verfügung. Die Sammelumkleide wird gesperrt. Bei den Spinden ist nur jeder 3. Spind zur Nutzung frei.
  • Kontrolle: Für die Einhaltung der Coronaregeln ist neben dem Waldbadpersonal ein Sicherheitsdienst verantwortlich.
  • Offene Frage: Kann der Gemeinderat den Zutritt auf Bad Säckinger Bürger beschränken? Auch diese Frage wurde im Rat diskutiert. Problem: Wenn das Waldbad öffnet, aber die meisten anderen Bäder geschlossen bleiben, stürmt der Hochrhein nach Bad Säckingen. Eine Begrenzung wäre nur durch Ausweiskontrolle möglich. Dies sei jedoch nicht machbar, hieß es.
  • Andere Gemeinden: Rheinfelden öffnet sein Bad am 20. Juni. Die Gemeinderäte in Laufenburg und Herrischried beraten darüber am kommenden Montag. (age)

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