Mit dem kürzlich in der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena organisierten Kirchenstreik sei es allein nicht getan. Die drei Lauchringer Initiatorinnen Ulrika Schirmaier, Karin Höhl und Gertrud Bernauer-Eckert wollen sich weiter für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in der katholischen Kirche einsetzen und fordern unter anderem das Recht zur Übernahme von Weiheämtern durch Frauen.

Prominente Unterstützung erhalten die drei Frauen vom Hochrhein nun von hoher politischer Stelle: Die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer empfing Schirmaier, Höhl und Bernauer-Eckert kürzlich in ihrem Büro in Berlin. „Es war großartig, dass sie so viel Zeit für uns frei geschaufelt hat“, sagt Karin Höhl über die Einladung.

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Eine dreiviertel Stunde dauerte das Gespräch in Kramp-Karrenbauers Büro im Konrad-Adenauer-Haus. Daran teil nahm auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner, der das Treffen mitinitiiert hatte. „Ohne Felix Schreiner und ohne Vitamin B“ wäre das Treffen nicht so schnell zustande gekommen, wenn überhaupt, ist Ulrika Schirmaier überzeugt. „Es war ein konstruktives Gespräch und ein sehr guter Austausch“, sagt Karin Höhl über das Treffen mit der CDU-Chefin. „Sie war sehr gut informiert“, fügt Gertrud Bernauer-Eckert hinzu.

Auch Annegret Kramp-Karrenbauer zeigte sich laut einer Pressemitteilung von Felix Schreiner erfreut über den Austausch. Als Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und der Frauenunion habe sie sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt. Jedoch könne die Politik an dieser Stelle nur die Debatte ermöglichen, ein Lösungsansatz müsse aus der Kirche selbst kommen. „Wir sollen dran bleiben“, habe die Politikerin zu den Frauen gesagt.

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Zum Abschluss des Gesprächs sagte die Bundesvorsitzende zu, das Gespräch mit der Frauenunion der CDU Deutschlands und den Deutschen Bischöfen im Rahmen eines Präsidiumsgesprächs zu suchen und das Thema dort anzusprechen. „Sie bringt es dahin, wo es hingehört“, sagt Höhl. Felix Schreiner selbst habe in mehreren Gesprächen mit den kirchlich engagierten Frauen den Eindruck gewonnen, dass es um eine sehr wichtige Herzensangelegenheit gehe. „Es ist nicht die Aufgabe der Politik, sich in Kirchenangelegenheiten einzumischen – aber es ist meine Aufgabe als Wahlkreisabgeordneter, den Dialog zu schaffen und den Austausch zu fördern“, schreibt Felix Schreiner in einer Pressemitteilung.

Neben einer Besichtigung des Reichtagsgebäudes und einem Essen in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft, zu der normalerweise ausschließlich Bundestagsabgeordnete Zutritt erhalten, stand für die drei Lauchringerinnen während ihres Aufenthalts in der Hauptstadt dank Felix Schreiner auch ein Besuch des Sommerfests des Parlamentskreises Mittelstand auf dem Programm. „Man kommt dort mit Leuten in Kontakt, die man sonst nicht trifft“, sagt Karin Höhl über die Veranstaltung der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion.

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So unterhielten sich die drei Frauen unter anderem mit dem Geschäftsführer des Lebensmittelkonzerns und Haferflockenherstellers Kölln, Christian von Boetticher, und dem Konstanzer CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Jung. Die Resonanz der Gäste aus Wirtschaft und Politik auf das Anliegen der drei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der katholischen Kirche sei durchweg positiv gewesen, wie sie nach ihrem Berlin-Besuch dieser Zeitung erzählen. „Die Gespräche haben uns motiviert, weiterzumachen“, sagt Ulrika Schirmaier.

Seit Beginn ihrer Aktion im Mai haben die drei Frauen mehr als 4000 Unterschriften gesammelt. Diese möchten sie dem Freiburger Erzbischof Stephan Burger übergeben. „Wir haben den Menschen, die uns unterstützen, versprochen, die Listen persönlich zu überreichen und nicht mit der Post zu schicken“, sagt Schirmaier.

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Allerdings habe Burger bislang drei schriftliche Bitten um ein Treffen abgelehnt. „Er hat uns geschrieben, dass er zu viel zu tun habe, und uns für unser Engagement gedankt“, fasst Karin Höhl die Antwort des Erzbischofs zusammen. Stellvertretend für alle, die sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der katholischen Kirche einsetzen, wolle Burger sich mit einer Gruppe aus Freiburg treffen. „Wir sind enttäuscht, aber nicht entmutigt“, sagt Schirmaier über die Absage des Geistlichen. Sie ist überzeugt: „Es wird sicherlich trotzdem eine Möglichkeit geben, die Unterschriften persönlich zu übergeben.“

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