Herr Albicker, was sind die häufigsten Ursachen und Fahrerfehler für Unfälle im Kreis Waldshut?

Die häufigsten Unfallursachen waren 2018 im Landkreis Waldshut: Abbiegen/Rangieren (24,8 Prozent) Vorfahrt/Vorrang 17,7 Prozent, Geschwindigkeit 13,7 Prozent, andere (25,2 Prozent). Unter „andere Unfallursachen“ fallen alle Arten von Verkehrsunfällen, die nicht unter die anderen Kategorien fallen und/oder deren genaue Ursache nicht definiert werden kann. Das sind „sonstige Fehler“. Darunter fallen auch die Unfälle aus Unachtsamkeit oder natürlich einer mutmaßlichen Ablenkung. So lagen bei vielen Verkehrsunfällen keine offensichtlichen Gründe für das Fehlverhalten vor, deshalb ist anzunehmen, dass Ablenkung für das Unfallereignis (mit-)ursächlich war. Die Unfallzahlen durch Ablenkung sind nicht genau verifizierbar, es fehlt oft an der Beweisbarkeit. Die Gründe für die Ablenkung können vielschichtig sein. Neben dem Hauptphänomen der Benutzung eines Smartphones oder Handys kommt ebenso die Nutzung der weiterer Medien (zum Beispiel Radio/CD/MP3/Fernsehen) im Fahrzeug, der Navigationssysteme oder der Fahrassistenzsysteme als Ablenkungsgrund in Betracht. Natürlich kann eine Ablenkung auch durch Gespräche, Rauchen sowie zum Beispiel das Aufheben von Gegenständen erfolgen.

Mathias Albicker, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Freiburg für den Landkreis Waldshut
Mathias Albicker, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Freiburg für den Landkreis Waldshut | Bild: Schlichter, Juliane

Wie oft werden bei Kontrollen Fahrer mit Handy am Ohr angetroffen?

2018 wurden 511 Verstöße nach § 23 (1a) StVO geahndet.

Wie teuer wird das, wenn man erwischt wird?

Als Fahrer eines Kraftfahrzeugs sieht der Bußgeldkatalog ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro vor und einen Punkteintrag im Fahreignungsregister. Wird dadurch jemand gefährdet, kommen ein Bußgeld in Höhe von 150 Euro, zwei Punkte im Fahreignungsregister und ein einmonatiges Fahrverbot auf den betroffenen Fahrer zu. Bei einem Unfall ohne Personenschaden 200 Euro Bußgeld, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot. Für Kraftfahrzeugführer, die sich noch in der Probezeit befinden, bedeutet ein solcher Verstoß den Besuch eines Aufbauseminars (Nachschulung). Als Radfahrer kostet der Verstoß 55 Euro, mit Gefährdung 75 Euro und in Zusammenhang mit einem verschuldeten Verkehrsunfall 100 Euro. Hinzu kommt in allen Fällen eine Bearbeitungsgebühr der Verwaltung in Höhe von 25 Euro.

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Telefonieren im Auto ist ja nicht generell verboten. Was ist erlaubt?

Die entsprechende Vorschrift Paragraph 23 der Straßenverkehrsordnung) lautet im Absatz 1a so: „Wer ein Fahrzeug führt, darf ein elektronisches Gerät, das der Kommunikation, Information oder Organisation dient oder zu dienen bestimmt ist, nur benutzen, wenn hierfür das Gerät weder aufgenommen noch gehalten wird und entweder nur eine Sprachsteuerung und Vorlesefunktion genutzt wird oder zur Bedienung und Nutzung des Gerätes nur eine kurze, den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen angepasste Blickzuwendung zum Gerät bei gleichzeitig entsprechender Blickabwendung vom Verkehrsgeschehen erfolgt oder erforderlich ist. Geräte im Sinne des Satzes 1 sind auch Geräte der Unterhaltungselektronik oder Geräte zur Ortsbestimmung, insbesondere Mobiltelefone oder Autotelefone, Berührungsbildschirme, tragbare Flachrechner, Navigationsgeräte, Fernseher oder Abspielgeräte mit Videofunktion oder Audiorekorder…“
Grundsätzlich bleibt festzustellen, dass ein entsprechendes elektronisches Gerät nie in die Hand genommen werden darf. Das Telefonieren über eine Freisprecheinrichtung ist erlaubt.

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