Diakonie gesucht, im Garten gelandet: Google Maps darf in Rheinfelden nicht überall vertraut werden. Da ein Teil der Rheinfelder Basler Straße bei Google als Therese-Herzog-Weg ausgewiesen wird, suchen dort immer wieder Menschen die Diakonie. Diesen Fehler im Kartenwerk zu korrigieren, erweist sich aber als eine kleine Odyssee, wie unser Autor feststellt. Er selbst wohnt in der betroffenen Straße und erzählt von den persönlichen Erfahrungen, die er mit Google Maps gemacht hat – und wie immer wieder Fremde in seinem Garten herumirren.

Unbekannte klingeln häufig

Seit dem Umzug der Diakonie in den Therese-Herzog-Weg 1 klingelt es bei mir als Bewohner der Basler Straße 1 häufiger. Angefangen hat das Ganze im vergangenen Sommer, zunächst stellte ich keinen Zusammenhang mit der Diakonie her. Immer wieder erkundigten sich die Klingelnden nach Menschen, die es in der Basler Straße 1 nicht gibt.

Bald darauf tauchten die ersten Besucher hinter dem Haus im Garten auf, wozu man ein Gartentor passieren und eine Treppe hinabsteigen muss. Es stellte sich heraus: Sie wollten zwei Häuser weiter zur Diakonie. Ein Mann erklärte mir, ihm sei gesagt worden, er solle die Treppe runtergehen. Das ist zwar richtig, zu den Räumen der Diakonie geht man eine Treppe runter, nur die Adresse stimmte halt nicht.

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In manchen Wochen wies ich zwei oder drei Suchenden den richtigen Weg zur Diakonie. Nun gut, die Basler Straße 1 ist deutlich erkennbar, während der Therese-Herzog-Weg 1 ein bisschen versteckt liegt. Der Kern des Problems offenbarte sich, als eines Tages ein Hermes-Bote im Garten stand. Er sagte mir, Google Maps habe ihn hierher geführt. Ein Blick ins Internet bestätigte das.

Lösung ist gar nicht so einfach

Dort wird der Seitenarm der Basler Straße als Therese-Herzog-Weg ausgewiesen. Wenn das Problem erkannt ist, kann man sich um eine Lösung kümmern, dachte ich mir. Ich stellte fest, Korrekturen kann man bei Google Maps selbst melden, wenn man über einen Google-Account verfügt. Den hatte ich nicht, also schrieb ich die Stabstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadtverwaltung an.

Schon kurz darauf, am 26. Juli 2021, erhielt ich von Silvia Wassmer die Antwort, sie habe den Fehler bei Google gemeldet. Ihrer E-Mail hatte sie das Fehlerticket angehängt. Dort hieß es: „Vielen Dank für deine Meldung zu einem Problem in der Nähe von Therese-Herzog-Weg. Dein Vorschlag wird geprüft. Vielen Dank, dass du dein Wissen teilst. Wir benachrichtigen dich, sobald die Änderungen veröffentlicht wurden.“

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Aber weiterhin klingelten die Diakonie-Suchenden und unerwünschte Besucher kamen in meinen Garten. Ich schrieb am 8. Oktober 2021 erneut Silvia Wassmer an und erhielt die Antwort, dass sie den Fehler erneut gemeldet habe. Aber es blieb der Falscheintrag in Google Maps. Am 3. Februar meldete ich mich wieder bei ihr, worauf sie mir am Folgetag mitteilte, sie habe den Fehler zum dritten Mal gemeldet. Ich erkenne an, dass die Stadtverwaltung schnell reagiert und sich alle Mühe gibt.

Weitere Fehlerhafte Einträge

Mir war inzwischen aufgefallen, dass bei Google Maps eine gewisse Willkür bei den Einträgen zu herrschen scheint. So sind manche Kindergärten und Schulen mit Namen angeführt, andere nicht. In Nollingen wird sogar ein mir unbekannter „Erna-Sill-Platz“ ausgewiesen, der als öffentlicher Park deklariert wird. Ich schaute dort nach und stellte fest, dass dort eine Familie Sill wohnt und in der Einfahrt ein Schild mit der Aufschrift Erna-Sill-Platz aufgestellt ist.

Sieht amtlich aus, dieses Schild ist jedoch kein offizielles. Dennoch weist Google Maps den Erna-Sill-Platz aus.
Sieht amtlich aus, dieses Schild ist jedoch kein offizielles. Dennoch weist Google Maps den Erna-Sill-Platz aus. | Bild: Horatio Gollin

Von Silvia Wassmer wollte ich zudem wissen, wie die Stadtverwaltung generell mit Einträgen bei Google Maps umgeht. Wassmer erklärte mir, dass in den vergangenen Jahren außer meiner Anfrage nur eine andere Fehlermeldung eingegangen sei. Für Korrekturen sei die Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, die auch die Einträge zu den Themenbereichen Stadtverwaltung, Bürgerbüro, Stadtbibliothek und Bäder pflege. „Für eine ständige Prüfung des Kartenmaterials ist die Stadtverwaltung in erster Linie nicht zuständig und hat auch nicht die entsprechenden Kapazitäten. Bei Hinweisen aus der Bevölkerung prüfen die Mitarbeitenden diese aber gerne“, sagte Wassmer.

Anfrage an die Google-Pressestelle

„Die Angaben zu den Schulen und Kindergärten/Kitas wurden teilweise von diesen selbst, teilweise auch von Google angelegt und gepflegt.“ Wenn Einträge seltsam erscheinen, gehe die Stabsstelle dem nach. Allerdings hat auch die Stabsstelle nur die Möglichkeit, das über Google Maps zur Verfügung gestellte Melde-Tool zu nutzen. Ich schickte dann an die Google-Pressestelle eine Anfrage, hier bekam ich allerdings nur eine weitgehend nichtssagende Antwort.

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Die für die Pressearbeit zuständige Gesellschaft Achtung! GmbH teilte mir mit, dass Google bemüht sei, Google Maps so aktuell wie möglich zu halten. Fehlerhafte Informationen könnten direkt mit Hilfe des Feedback-Buttons gemeldet werden. Für das Melden eines Fehlers müsse der Nutzer nicht angemeldet sein. Das stimmt aber nicht, bis heute verlangt Google Maps von mir eine Anmeldung via Google-Account.

Die Achtung! GmbH führte weiter aus, dass die Daten in Google Maps von Quellen wie kommerziellen Datenunternehmen, öffentlich zugänglichen Quellen und Partnern wie lokalen Verwaltungen stammen. Die E-Mail schließt mit: „So kartieren wir die Welt.“ So lange aber der Seitenarm der Basler Straße als Therese-Herzog-Weg aufgeführt wird, muss man in der Basler Straße 1 wohl mit unerwartetem Besuch im Garten leben.