Um die Stromversorgung in Südwestdeutschland und im benachbarten europäischen Ausland zu sichern, wird der Netzknoten Kühmoos bei der Gemeinde Rickenbach im Hotzenwald bedeutend ausgebaut.

Die Eigentümerinnen Amprion und Transnet BW wollen einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen, um die Leistungsfähigkeit der Anlage zu verdoppeln. Dabei kommt eine Technologie zum Einsatz, die weniger Fläche in Anspruch nimmt.

Der Ausbau soll in den nächsten zehn Jahren bis 2032 bei laufendem Betrieb erfolgen, teilten Vertreter beider Unternehmen am Dienstag in Bad Säckingen mit.

1. Warum ist der Ausbau des Übertragungsnetzes nötig?

Die zuverlässige Versorgung von Haushalten, Wirtschaftsbetrieben und Infrastruktureinrichungen mit elektrischer Energie wird immer wichtiger und gleichzeitig komplizierter. Der Stromverbrauch in Deutschland erhöht sich von 2020 auf 2030 etwa um weitere 15 Prozent, so schätzte 2021 das Bundeswirtschaftsministerium.

Gleichzeitig will Deutschland seinen Strom nicht mehr in konventionellen Großkraftwerken produzieren, sondern erneuerbare Energien in Windparks, Solar- und Biomasseanlagen gewinnen, die sich oft weit entfernt von Verbrauchszentren befinden. Es muss also mehr Strom über weitere Entfernungen transportiert werden.

2. Welche Rolle spielt dabei der Netzknoten Kühmoos?

Um eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten, müssen Stromnetze verschiedener Spannungsebenen zuverlässig zusammenwirken: Umspannwerke und die dort installierten Transformatoren koppeln diese unterschiedlichen Stromnetze.

Das Umspannwerk Kühmoos stellt dabei nicht nur einen wichtigen deutschen, sondern einen europäischen Netzknoten dar, denn die Schaltanlage verteilt Strom auch über die Grenze hinweg in die Schweiz und nach Frankreich.

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3. Was genau wird im Netzknoten Kühmoos verändert?

In der Anlage werden laut den beiden Eigentümerinnen zunächst die bestehenden 220-Kilovolt-Schaltfelder sowie die Transformatoren erneuert und neue Betriebsgebäude gebaut. Anschließend werden die bestehenden luftisolierten 380-Kilovolt-Schaltfelder durch platzsparende, gasisolierte 380-Kilovolt-Schaltanlagen ersetzt. Die Leistungsfähigkeit des Netzknotens von derzeit 22 auf 34 Schaltfelder erhöht werden, ohne über die bestehende Anlage hinaus neue Flächen in Anspruch nehmen zu müssen. Auch soll der Betrieb der Anlage geringere Geräuschemissionen verursachen. Zudem werden zwei sogenannte Blindleistungskompensationsanlagen errichtet, die die Spannung im Stromnetz stabil halten.

4. Welches Gas wird für die Isolation verwendet und ist es gefährlich?

Für die Isolierung wird Schwefelhexafluorid (SF6) verwendet. Es ist ein farb- und geruchloses, ungiftiges, nicht brennbares und äußerst reaktionsträges Gas. Allerdings ist Schwefelhexafluorid äußerst klimaschädlich, wenn es in die Umwelt gelangt. Über seine Verwendung muss deshalb genau Buch geführt werden. Die Swissgrid setzt Schwefelhexafluorid seit 2014 als Isolationsmittel in ihrer Schaltanlage Laufenburg ein.

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5. Werden in Kühmoos zusätzliche oder höhere Masten errichtet?

Außerhalb des Netzknotens Kühmoos werden die Einführungen der bestehenden Stromleitungen neu gestaltet, um bisher überkreuzende Leitungsverläufe zu entflechten und die Stromkreise möglichst geradlinig in die Anlage zu führen. Bei der westlichen Netzeinführung werden neun alte Masten demontiert und durch fünf neue ersetzt. Die Leitungen rücken dadurch auch von der Wohnbebauung in Egg ab. Im Osten
werden sieben bestehende durch sechs neue Masten ersetzt. Die neuen Masten werden nicht höher sein als die alten, so Amprion und Transnet BW.

6. Bleibt die Schluchseewerk AG in Kühmoos?

In der Schaltanlage Kühmoos speist die Schluchseewerk AG den in ihren Kraftwerken Säckingen und Wehr erzeugten Strom ins Netz ein. Der Schluchseewerk gehörte wie der Transnet BW und der Amprion ein Drittel der Anlagen. Zum 1. April 2021 erwarben die beiden Netzbetreiber auch den Anteil der ersteren. Die Schluchseewerk AG verlegt die Übergabewarte bis spätestens 1. Januar 2025 nach Laufenburg in die Nähe ihrer Hauptverwaltung, so ein Firmensprecher. Der in den Kraftwerken Säckingen und Wehr erzeugte Strom wird weiter in Kühmoos in Netz eingespeist.

7. Wie sieht der Zeitplan für die Arbeiten aus?

Die Veränderung an den 220-Kilovolt-Anlagen sollen bis Ende 2026 abgeschlossen sein, die Arbeiten an den 380-Kilovolt-Anlagen und an zur Errichtung der Kompensationsanlagen sollen anfang 2025 beginnen und 2033 abgeschlossen sein. Für die Bauausführung an den beiden Netzanbindungen ist der Zeitraum von Anfang 2024 bis Mitte 2032 vorgesehen. Die Unterlagen für die Netzeinführung West werden als Abschnitt 8 des beim Regierungspräsidium Freiburg laufenden Planfeststellungsverfahrens für das Projekt P 319 Kühmoos-Maximiliansau voraussichtlich im Juni 2022 offengelegt. Die Genehmigung der Netzeinführung Ost soll im anzeigeverfahren erfolgen, die Einreichung des Antrags beim Regierungspräsidium ist für Juli 2023 geplant.

8. Wie informieren Amprion und Transnet BW über den Ausbau des Netzknotens Kühmoos?

Für den 23. Juni planen Amprion und Transnet BW von 17 bis 19.30 Uhr in der Gemeindehalle Willaringen einen Bürgerinfomarkt, wo Experten Fragen zum Projekt beantworten. Beide Netzbetreiber informieren auch auf ihren Unternehmens-Webseiten (www.amprion.net und www.transnetbw.de) über das Vorhaben.

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