Das Herz der Schluchseewerk AG schlägt seit nunmehr 50 Jahren auf dem Eggberg. Dort wurde kurz nach dem Kavernenkraftwerk Säckingen im Januar 1967 auch die Schaltanlage Kühmoos in Betrieb genommen. Kühmoos dient unter anderem dazu, den in den Kraftwerken Säckingen und Wehr erzeugten Strom in das Netz einzuspeisen.

Die technische Bedeutung der Schaltanlage kann eigentlich gar nicht überschätzt werden. Dennoch war der Start äußerst nüchtern. „Eine festliche Einweihungszeremonie gab es nicht – es war eher ein unspektakulärer Übergang von der Baustelle zur Inbetriebnahme“, sagt Schluchseewerk-Sprecherin Nadine Eiden.

Von der beim kleinen Weiler Kühmoos gelegenen Warte wird der Einsatz der Kavernenkraftwerke Säckingen, Wehr, der Kraftwerke Häusern, Witznau und Waldshut mit insgesamt 20 Maschinensätzen, die Bewirtschaftung der insgesamt 14 Speicherbecken und die Betriebsführung der Schaltanlage geregelt. Jährlich wird rund 50 000 Mal die Betriebsart gewechselt, also zwischen Stillstand, Pump-, Generator und Phasenschieberbetrieb gewechselt.

Zusätzlich werden die Rheinkraftwerke Albbruck-Dogern (Radag), Säckingen und Ryburg-Schwörstadt von hier aus gesteuert und außerdem die Rheinbewirtschaftung der Stauräume von Albbruck-Dogern bis nach Ryburg-Schwörstadt geregelt. „Daneben liefert das Team in Kühmoos Basisdaten beispielsweise für die Planung von Revisionen, wasserwirtschaftliche Untersuchungen, statistische Auswertungen sowie die Energie- und Wasserverrechnung“, schreibt die Schluchseewerk AG auf ihrer Homepage.

Kühmoos stellt einen europäischen Netzknoten dar. Über seine Schaltanlagen wird der Strom über Ländergrenzen hinweg verteilt, wird der in den Kavernenkraftwerken Säckingen und Wehr produzierte Strom ins Verbundnetz eingespeist, bei Störungen die Netz-Topologie verändert.

Augenfällig sind vor allem die 22 Schaltfelder der insgesamt 16 Hektar großen Anlage. Die Schaltanlage ist eine Gemeinschaftsanlage der Amprion, der Transnet BW und der Schluchseewerk AG. Sie besteht aus einem 220-Kilovolt- und einem 380-Kilovolt-Anlagenteil, die durch einen 660-MVA-Kuppeltransformator miteinander verbunden sind. 14 Schaltfelder bestehen bereits seit der Inbetriebnahme der Anlage. Sieben weitere Felder kamen in den 70er Jahren hinzu. 1995 wurde die heute bestehende Schaltanlage mit dem 22. Feld fertiggestellt.

Dass die Schluchseewerk AG 1967 die Anlage Kühmoos als „Hauptschaltleitung“ in Betrieb nahm, hatte seine Ursache im enormen Anstieg des Stromverbrauchs. Allein zwischen 1953 und 1962 hatte sich der Verbrauch in Deutschland verdoppelt. Dies machte eine großflächige vernetzte Verteilung der elektrischen Energie notwendig. Deshalb beschlossen die Schluchseewerk-Eigentümer RWE und Badenwerk (heute EnBW) den Bau der Anlage. 1966 wurden die Pläne realisiert.

Im Lauf der vergangenen fünf Jahrzehnte wurde die Anlage mehrmals erweitert. 1973 wurden nach dem Bau des Kraftwerks Wehr sieben zusätzliche 400-Kilovolt-Felder errichtet. Die Warte wurde 1995 und danach nochmals 2016 grundlegend erneuert. In Kühmoos beschäftigte die Schluchseewerk AG teilweise bis zu 60 Mitarbeiter. Vor allem die Digitalisierung führte dazu, dass heute für den Betrieb der Warte, der Energie und Wasserabrechnung und der Schaltanlage nur noch 20 Personen nötig sind.