Bis in 20 Jahren könnte sich der Verkehr auf den Straßen im Kreis Waldshut zum Teil mehr als verdoppelt haben. Zu diesem Ergebnis kommt ein Verkehrsgutachten, das im Auftrag des für den Bau von Fernstraßen verantwortliche Unternehmen Deges erstellt wurde.

In dem Gutachten werden zudem verschiedene Szenarien vorgestellt, wie sich der Weiterbau der Autobahn A98 auf den Verkehr auswirken würde. Das zentrale Ergebnis der Untersuchung: Nur der vierspurige Ausbau einer Autobahn könnte den anfallenden Verkehr wirklich schlucken, ein dreispuriger Ausbau würde zu viel Rückstau führen.

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Eine Einschätzung, welche von der Waldshut-Tiengener Bürgerinitiative „Pro Basistunnel“ nicht geteilt wird. Die Gruppe setzt sich seit 15 Jahren für die Entlastung der Verkehrssituation in Waldshut ein – mit der Vision eines „Basistunnels“, der Waldshut unterquert. „Die präsentierten Zahlen zeigen, dass ein dreispuriger Ausbau für das Verkehrsaufkommen 2040 ausreicht“, heißt es in einer Stellungnahme.

Die Bürgerinitiative stellt die zudem Prognose im Hinblick auf ein Szenario mit Autobahn infrage: „Die vorgelegte Prognose besagt nun, dass nur, wenn eine Autobahn gebaut wird, auch so viel Verkehr angezogen wird, dass eine Autobahn benötigt wird und dann sogar eine mit vier Spuren, also größer als die im Bundesverkehrswegeplan verlangt. Das klingt so absurd, dass eine Überprüfung erforderlich ist.“

Weiterhin wird darauf aufmerksam gemacht, dass das selbe Gutachterbüro bereits 2013 zu ganz anderen Ergebnissen für eine Verkehrsprognose in der Region kam und beim jetzigen Gutachten keine „Fehlerbetrachtung“ vorgestellt wurde. So hätten zum Beispiel Mautgebühren, Zollgebühren, Steuern und Lohnentwicklungen beidseits der Grenze in der Vergangenheit zu starken Veränderungen des Verkehrsaufkommens geführt.

„Soll eine Autobahn gebaut werden, die niemand braucht, nur weil irgendjemand sie will? Wir fordern: Der Bund soll auch für einen Ausbau der Bundesstraße im Abschnitt Hauenstein-Tiengen eine Finanzierungszusage geben.“
Bürgerinitiative „Pro Basistunnel“

Zu ähnlichen Schlüssen kommt die Ortsgruppe des Bundes für Naturschutz und Umwelt BUND in Waldshut-Tiengen. Die Vorsitzende Yonca Thurner zeigt sich „schockiert“ über den prognostizierten Anstieg des Verkehrs. „Denn die Bevölkerung leidet schon jetzt unter dem bestehenden Verkehrsauf­kommen, dem damit verbundenen Lärm und Gestank.“

Sie wünscht sich schon jetzt eine Bekämpfung der Ursachen für das hohe Verkehrsaufkommen durch eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene und eine Begrenzung des Schweizer Einkaufstourismus über Individualverkehr.

Der BUND kommt anhand der Zahlen des Gutachtens zum Schluss, dass eine vierspurige A98 den Verkehr erst anziehe, andererseits allerdings als notwendig erachtet wird, um das Verkehrsaufkommen zu bewältigen. „Das ist sehr merkwürdig und bedarf dringend einer Überprüfung. Aus unserer Sicht wäre ein Ausbau der B34 mit anschließender Tunnellösung in Waldshut völlig ausreichend“, so Thurner.

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Auch die Ortsgruppe des Naturschutzbundes NABU nimmt die Vorstellung des Gutachtens zum Anlass, um eine Tunnelvariante erneut ins Gespräch zu bringen: „Die aktuelle Wetterlage zeigt den notwendigen Stopp von Flächenverbrauch. Entsprechend müssen Tunnelvarianten intensiver geprüft und umgesetzt werden“, sagt der Vorsitzende Hauke Schneider.

Keine Kritik an dem Gutachten kommt wenig überraschend von der Bürgerinitiative „Ja zur A98 – Ja zur Bergtrasse“. Die Gruppe um den Dogerner Unternehmer Hanspeter Ebner setzt sich seit 2004 für die Autobahn ein. Sie sieht sich durch das Gutachten in ihrem Anliegen eines baldigen Ausbaus der Autobahn bestätigt.

Dass der Verkehr auf der B34 stärker zugenommen hat, als noch im Verkehrsgutachten von 2012 angenommen überrascht den Vorsitzender Hanspeter Ebner nicht: „Wir alle spüren den seit Jahren den anschwellenden Verkehrsfluss zwischen Hauenstein und Tiengen.“ Die prognostizierte Zunahme des Verkehrsaufkommens in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sei nur durch eine auf einer separaten Trasse geführten Autobahn zu bewältigen, findet er.

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