Fast genau ein Jahr nach dem Spatenstich ist der Erweiterungsbau des Klinikums Hochrhein eröffnet worden. In den vergangenen zwölf Monaten konnte von außen Schritt für Schritt mitverfolgt werden, wie der alte Vorplatz des Waldshuter Krankenhauses zunächst abgerissen wurde, wie ein Riesenbohrer Löcher für den Stelzenbau ins Erdreich rammte, wie das gitterartige Fundament errichtet wurde, auf dem später die 57 Module wie Legosteine miteinander verbunden wurden, und wie schließlich der neue Anbau optisch mit der Fassade des bestehenden Waldshuter Krankenhauses verschmolz.

In den nächsten Tagen wird das Gebäude dann innen mit Leben gefüllt. Hans-Peter Schlaudt, Geschäftsführer des Klinikums Hochrhein, nahm am Dienstagnachmittag einen symbolischen Schlüssel von Karsten Kußmann, Geschäftsführer der Catoldo Modulbau GmbH aus dem fränkischen Cadolzburg, die das Großprojekt realisierte hatte, entgegen.

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Dass es sich um ein sogenanntes Interimsgebäude, also um einen provisorischen Bau bis zur Fertigstellung des Zentralklinikums des Landkreises Waldshut in Albbruck handelt, betonte Hans-Peter Schlaudt bei der Schlüsselübergabe. Er verwies auf die nicht verkleideten Rohre und Leitungen unterhalb des Stelzenbaus im Eingangsbereich des Krankenhauses. „Wir haben das Nötigste gebaut. Es gibt keine Schnörkel“, erklärte der Klinikchef. Schlaudt zufolge wird das Budget in Höhe von 15,5 Millionen Euro voraussichtlich eingehalten.

Bis auf die Außenanlagen ist der neue Erweiterungsbau des Klinikums Hochrhein in Waldshut nach einem Jahr Bauzeit fertig gestellt. In der kommenden Woche geht die darin untergebrachte Intensivstation in Betrieb.
Bis auf die Außenanlagen ist der neue Erweiterungsbau des Klinikums Hochrhein in Waldshut nach einem Jahr Bauzeit fertig gestellt. In der kommenden Woche geht die darin untergebrachte Intensivstation in Betrieb. | Bild: Juliane Schlichter

Als schwierigste Phase bezeichnete er die unerwartete Schwierigkeit, dass Leitungen und Kabelschächte sowie Abwasserrohre im Erdreich nicht vollständig in den Plänen vermerkt waren. Dadurch mussten die Positionen der Bohrpfähle im Abgleich mit der Statik verändert werden, was das Projekt um mehrere Wochen verzögert habe. „Aber wir haben die Hürden genommen“, zog der Geschäftsführer nun zufrieden Bilanz.

In der kommenden Woche geht die Intensivstation in Betrieb. Insgesamt sind im Erweiterungsbau 62 Betten entstanden. Die frei werdenden Räume im Bestandsgebäude sollen künftig für ambulante Operationen und das Schlaflabor der Pneumologie genutzt werden. „Der medizinische Fortschritt ist rasant. Ohne bauliche Erneuerungen kann man auf Dauer nicht leben“, betonte Landrat Martin Kistler bei der Schlüsselübergabe. Bis zur Fertigstellung des Zentralklinikums erreiche die Klinik eine optimale medizinische Aufstellung, um später damit nach Albbruck umzuziehen.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter bezeichnete die Schlüsselübergabe als einen „Tag der Freude, da wir im Landkreis nun die Perspektive haben, eine gute Gesundheitsversorgung mit der entsprechenden Infrastruktur für Personal und Patienten anbieten können“. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie dankte Schwarzelühr-Sutter den Mitarbeitern und wünschte ihnen, dass die neue Intensivstation nicht immer voll ausgelastet sei, „damit sie auch mal Luft holen können“.

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Der CDU-Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner erinnerte an den zum Teil „schmerzhaften und anstrengenden Prozess“ bis zur Entscheidung für das neue Zentralklinikum, die auch mit der Schließung des Bad Säckinger Spitals und dem neuen Gesundheitscampus in der Kurstadt einhergingen. Niklas Nüssle, Landtagsabgeordneter der Grünen, der das Projekt die vergangenen zwei Jahre als Kreisrat begleitet habe, sagte: „Alle Nörgler sind froh, wenn sie hier einen Platz bekommen, falls es zu einem medizinischen Notfall kommt.“ Niklas Nüssle lobte die Modulbauweise des Gebäudes, erklärte aber auch: „Wir freuen uns auf das Krankenhaus in Albbruck.“

„Wir stehen hinter diesem Krankenhaus“, sagte Harald Würtenberger als Stellvertreter des Waldshut-Tiengener Oberbürgermeisters Philipp Frank, der sich entschuldigen ließ. Würtenberger erinnerte daran, dass die Stadt das Waldshuter Krankenhaus „600 Jahre getragen und unterhalten“ habe, bis es 2018 in den Besitz des Landkreises überging. „Unsere Aufgabe wird es sein, aus diesem Gebäude etwas zu entwickeln“, sagte der Vertreter der Stadt mit Blick auf den Umzug des Krankenhauses nach Albbruck. Wer Ideen für Nutzungsmöglichkeiten habe, könne diese jederzeit gerne vortragen, forderte Harald Würtenberger auf.

Mit einem Glas Sekt stießen die Teilnehmer der Schlüsselübergabe, darunter auch zahlreiche Kreisräte und Mitglieder des Klinik-Aufsichtsrats, auf den fertigen Erweiterungsbau an. „Ein großer Dank gilt den Handwerkern und Baufirmen, die zum Gelingen beigetragen haben“, erklärte Landrat Kistler.

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