Da steht er nun mit schwarzem Hut und in der zerrissener Jacke, schaut etwas zerknirscht von oben herab auf das Lager seiner Familie. Die Rede ist von Familienoberhaupt Monti Frank vom Zirkus Montana. Viel Hoffnung kann man in seinen Augen nicht mehr erkennen. Er zuckt mit den Schultern. Nur ein leichtes Grinsen lässt sich entlocken. Das Bild steht für die aktuelle Situation der Franks.

Familienoberhaupt Monti Frank blickt etwas betrübt auf sein aktuelles Zuhause.
Familienoberhaupt Monti Frank blickt etwas betrübt auf sein aktuelles Zuhause. | Bild: Verena Wehrle

Gestrandet – das ist die Familie aktuell in ihrem „Lager“ aus Wohnwagen auf dem Gelände der Firma Tschamber beim Festplatz in Wehr. Die Firma stellt der Familie seit 15 Jahren den Platz sowie Strom und Wasser kostenlos zur Verfügung. Ein Trost in diesen schwierigen Zeiten. Denn die Kosten wie Versicherung, Steuern, Verpflegung für Menschen und Tiere bleiben.

Der starke Regen an diesem Tag sorgt für viel Matsch zwischen den Unterkünften der Familie. Alles wirkt trostlos und nicht so bunt und fröhlich wie man es eigentlich von einem Zirkus gewohnt ist.

Video: Verena Wehrle

14 Familienmitglieder wohnen seit Anfang Dezember hier. Bald sind es 15, der Nachwuchs soll im Februar zur Welt kommen. In Wehr startet eigentlich immer die Zirkussaison. Doch dieses Jahr ist alles anders. Bis die Vorhänge der Manege wieder öffnen, kann es noch Monate dauern.

Lagebesprechung im „Lager“ der Familie. Sie ist gestrandet bei der Firma Tschamber in Wehr.
Lagebesprechung im „Lager“ der Familie. Sie ist gestrandet bei der Firma Tschamber in Wehr. | Bild: Verena Wehrle

Insgesamt gehören fast 30 Personen mehrerer Generationen zur Zirkusfamilie Frank – eine richtige Großfamilie eben. Die andere Hälfte der Familie mit Manuel Frank pausiert in Dillingen an der Donau. Seit 40 Jahren ist die Zirkusfamilie im Raum Südbaden unterwegs. „Hier kennt uns jeder“, sagt Monti Frank. Mittlerweile steht bereits die neunte Generation in der Manege.

Gar keine Einnahmen – das ist neu für den Zirkus

Doch die Zeiten könnten härter nicht sein. „Unsere Reserven sind aufgebraucht – wir haben nur noch unsere Sammelschilder“, sagt Adriano Zelinka, Monti Franks Schwiegersohn. In den Supermärkten der Region hat die Familie Schilder aufgestellt und um Spenden gebeten.

Schild und Sammelbüchse vor dem Schmidts Markt in Wehr.
Schild und Sammelbüchse vor dem Schmidts Markt in Wehr. | Bild: Olheide, Monika

Doch damit kämen nur einige wenige Euro zusammen. „Jetzt wissen wir nicht mehr weiter“, so der Hilfeschrei der Familie. Die Franks seien es ja gewohnt, dass es mit den Einnahmen den Sommer über mal knapp werde. „Wir sind Überlebenskünstler“, sagt Mandy Frank, Montis älteste Tochter. „Doch jetzt haben wir gar keine Einnahmen mehr und das ist für uns neu.“

„Alles, was mit unserem Beruf zu tun hat, ist verboten.“
Mandy Frank

Seit Ausbruch der Pandemie war es schwer für die Künstlerfamilie. Schon im ersten Lockdown im Frühjahr habe die Familie einen Lastwagen und Tiere verkaufen müssen, erzählt Monti Frank. „Ende September kam ein kleiner Lichtblick am Ende des Tunnels als wir wieder spielen durften“, schildert Mandy Frank. Doch dieser war nur von kurzer Dauer.

Große Hoffnung setzten die Franks in den Lörracher Weihnachtszirkus. Doch auch dieser fiel aufgrund der Corona-Pandemie aus. Die erste Corona-Hilfe des Staates sei im Frühjahr angekommen, auf die zweite müsse die Familie noch immer warten. Nun bittet Familie Frank die Bevölkerung um Unterstützung.

Video: Verena Wehrle

Und was ist mit den Tieren? Insgesamt 42 Tiere gehören zum Zirkus Montana, alles ausschließlich Nutz- und Haustiere. Die Kleinen leben aktuell auf einem Bauernhof in Dillingen. Die Großen wie etwa die Kamele leben beim Tierpark in Löffingen bei Dompteur Christian Walliser. Für die Kosten für Tierarzt, Futter und Co. muss die Familie weiterhin aufkommen.

Schon die Kleinsten schnuppern Manegenluft

Auch das Training steht still. Im Winter gibt es hier keine Möglichkeit zu trainieren. Es fehlt an Räumlichkeiten. „Doch das verlernt man nicht, das ist wie Fahrradfahren“, sagt Mandy Frank.

Wie geht es weiter? Diese Ungewissheit mache der Familie zu schaffen. Auch kamen in der Krise schon Gedanken ans Aufhören. „Wir würden uns freuen, wenn wir nur vor 20 Leuten spielen dürfen, aber lohnen wird es sich erst bei 50 bis 100 Zuschauern“, so Adriano Zelinka.

Eigentlich sei die Familie Frank „das reisende Volk“, erzählt Mandy: „Ich bin das gar nicht gewohnt, so lange an einem Ort zu sein, normalerweise sind wir jede Woche woanders.“ Und: „Es juckt mir in den Fingern, es soll endlich wieder los gehen“, sagt Mandy, die im Zirkus aufgewachsen ist.

Ein Teil der Familie Frank vor dem Zirkuswagen.
Ein Teil der Familie Frank vor dem Zirkuswagen. | Bild: Verena Wehrle

Ihre fast zweijährige Tochter sitzt ihr auf dem Schoß. Auch sie schnupperte bereits Manegenluft, auch sie hat das Zirkus-Fieber gepackt. „Das macht eben süchtig“, sagt Mama Mandy. In der Familie Frank wird die Zirkuskunst immer an die nächste Generation weitergeben. Jeder könne auch einen anderen Beruf erlernen. Doch die meisten in der Familie sind vom Zirkusleben fasziniert und dabei geblieben.

Leuchtende Kinderaugen fehlen

Der Kontakt mit den Menschen fehle. Und auch das Strahlen der Kinderaugen im Zirkuszelt, sowie der Applaus. Mandy sagt: „Das Schöne an unserem Beruf ist ja, dass die Menschen ihre Sorgen und den Alltag bei uns vergessen können. Die Freude der Menschen ist auch für uns ein ganz besonders Gefühl, was jetzt leider ausbleibt.“

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