Der laufende Wahlkampf für die baden-württembergischen Landtagswahlen am 14. März ist, wie fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens in der Region, durch die Corona-Pandemie stark eingeschränkt. Die SÜDKURIER-Wahlarena, die unter strengen Hygiene-Auflagen im Stadttheater Konstanz aufgezeichnet wurde, war eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen sich auch die Kandidaten der im Landtag vertretenen Parteien für den Wahlkreis Waldshut-Rheinfelden gemeinsam auf einem Podium messen und in den direkten Austausch gehen konnten.

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Vier der fünf Kandidaten nahmen diese Chance, sich den Wählern zu präsentieren wahr. Einzig FDP-Kandidat Harald Ebi war verhindert. Aber wie haben sich die Bewerber bei Fragen zu den Top-Themen geschlagen? Wie war der Auftritt, was war gelungen, wo ist noch Luft nach oben? Wir haben genau hingeschaut.

Sabine Hartmann-Müller (CDU)

  • Hier war sie stark: Die 58-Jährige kann unter den Kandidaten auf die größte Erfahrung in der Partei- und Kommunalpolitik zurückgreifen – seit 2017 ist sie Mitglied des Landtags. In ihren Redebeiträgen ging sie immer wieder auf ihre bisherige Arbeit im Landesparlament und ihre Position in der Fraktion ein, und gab umfangreichen Einblick in die politische Arbeit. Zudem beleuchtete die die Eckpunkte ihres eigenen politischen Profils in den Bereichen Gesundheit und Pflege.
  • Hier kann sie zulegen: Hartmann-Müllers große Fach- und Sachkenntnis ist unbestreitbar, und diese schien bei allen ihrer Redebeiträge durch. Auch hatte sie sich sehr gut auf vorbereitet. Doch es gelang ihr nicht immer, diese Inhalte auf den Punkt zu bringen. So verwies sie beispielsweise oft auf Finanzen und Fachbegriffe, ohne diese näher zu erklären. Auch in Sachen Schlagfertigkeit ist noch Luft nach oben.
Bild: Hoffmann, Florian

Niklas Nüssle (Grüne)

  • Hier war er stark: Der mit 26 Jahren jüngste Kandidat hat in seiner, im Vergleich zu seinen Mitbewerbern noch jungen, politischen Laufbahn bereits verschiedene Erfahrungen sammeln können. Der Chemie- und Bioingenieur punktete bei technischen Themen wie Verkehr und Umweltschutz. Bei Grundsatzfragen wie zu Kita-Gebühren oder Impfreihenfolge analysierte er bestehende Strukturen und mögliche Perspektiven differenziert, was ihm zumeist auch gelang.
  • Hier kann er zulegen: Die große Ruhe, die Nüssle ausstrahlte, ließ ihn im direkten Vergleich mit den anderen Kandidaten blass erscheinen. An Diskussionen beteiligte sich Nüssle nur indirekt. Vielmehr beschränkte er sich auf die Beantwortung der von den Moderatoren gestellten Fragen. Auf die Möglichkeit, in Erwiderung der Positionen seiner Mitbewerber klare Kante zu zeigen und so sein Profil zu schärfen, verzichtete er weitestgehend.

Peter Schallmayer (SPD)

  • Hier war er stark: Der promovierte Berufsschullehrer zeigte mit vielen gehaltvollen Wortmeldungen von allen Kandidaten die stärkste Präsenz und das größte Engagement auf der Bühne. Seine Redebeiträge waren strukturiert und durchdacht, während seiner Argumentation dank klarer Wortwahl meist gut zu folgen war. Er wirkte ausgesprochen gut informiert und nutzte die Gelegenheit, seine eigenen Positionen klar herauszustellen. Dabei zeigte sich der 40-Jährige durchaus auch angriffslustig und bereit zur Konfrontation.
  • Hier kann er zulegen: Keine Frage, Schallmayer verfügt über ein breites Wissen und er vertritt seine persönlichen Ansichten mit Leidenschaft. Eben diese Emotionen führten aber auch immer wieder dazu, dass sich seine Ausführungen zu regelrechten Faktengewittern entwickelten. Wie aus der Pistole geschossen folgte Argument auf Argument. Das mag gerade für die Zuschauer, die in Bildungspolitik oder bei der Corona-Strategie des Landes nicht so sattelfest sind, verwirrend wirken.
SÜDKURIER-Wahlarena zur Landtagswahl 2021 im Stadttheater Konstanz: Aufzeichnung der Debatte mit Kandidaten für den Wahlkreis 59 Waldshut. (Aufnahme vom 08.02.2021)
SÜDKURIER-Wahlarena zur Landtagswahl 2021 im Stadttheater Konstanz: Aufzeichnung der Debatte mit Kandidaten für den Wahlkreis 59 Waldshut. (Aufnahme vom 08.02.2021) | Bild: Rau, Jörg-Peter

Bernhard Boll (AfD)

  • Hier war er stark: Mit 69 Jahren ist der einstige langjährige Pilot der älteste Kandidat im Bewerberfeld. Er war Gemeinderat und ist jetzt Kreisrat. Boll gehört seit März 2013 der AfD an, und bemüht sich nach wie vor als ein Mann der ersten Stunde die Werte zu verkörpern, die einst zur Gründung der Partei geführt haben. Vor allem hinterfragt er Strukturen und versucht, neue Ansätze zu bringen. In der Wahlarena zeigte er, dass er über ein breites Wissen verfügt.
  • Hier kann er noch zulegen: Boll bemüht sich zwar immer wieder um Distanz zur Partei-Doktrin, aber es gelingt ihm oft genug nicht richtig. Den angesprochenen Themen nähert er sich immer wieder mit allgemeinen, etwas vereinfachten Aussagen und reichert diese mit persönlichen Eindrücken an. Auch nimmt er im Grunde permanent die Contra-Position zu allen anderen Positionen ein, teilweise auf Basis undifferenzierter Forderungen, teils in Form populistischer Aussagen.
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Alle Informationen zur Landtagswahl

Am 14. März sind rund 7,7 Millionen Menschen in Baden-Württemberg aufgerufen, die politischen Weichen für die Landespolitik zu stellen: Sie wählen auf fünf Jahre den Landtag in Stuttgart.

  • Um diese Themen geht es: Die Corona-Pandemie hat bei vielen Bürger das Interesse an der Landespolitik wieder wachsen lassen. Denn sie haben festgestellt, wie viele Entscheidungen, die ihr Leben ganz konkret betreffen, in Stuttgart getroffen werden – ob Ausgangsbeschränkungen, Impfstrategie oder Schulschließungen. Neben der regionalen Gesundheitspolitik (dazu gehört auch die Krankenhaus-Landschaft) gehören unter anderem auch Sport und Bildung, die Innere Sicherheit, Teile der Kulturpolitik, der Öffentliche Nahverkehr auf Straße und Schiene sowie viele Aspekte des Umwelt- und Naturschutzes zu den Zuständigkeiten der Bundesländer.
  • So sieht es hier im Wahlkreis aus: Zum Wahlkreis 59 gehören die Gemeinden Albbruck, Bad Säckingen, Dettighofen, Dogern, Eggingen, Görwihl, Herrischried, Hohentengen, Jestetten, Klettgau, Küssaberg, Lauchringen, Laufenburg, Lottstetten, Murg, Rickenbach, Stühlingen, Waldshut-Tiengen, Wehr, Weilheim und Wutöschingen aus dem Landkreis Waldshut sowie Schwörstadt und Rheinfelden aus dem Kreis Lörrach. Neben den Bewerbern der fünf bereits im Landtag vertretenen Parteien stehen auch noch folgende Bewerber auf dem Stimmzettel: Robert Kuhlmann (Die Linke), Kilian Kronimus (ÖDP), Kai Stricker (Volt), Ulrich Gurzinski (W2020), Dominik Brox (Freie Wähler), Nadina Mäder (Klimaliste BW) und Oliver Schapphoff (die Basis).
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