Die dritte Corona-Welle baut sich auf und der Kreis Lörrach liegt nur noch knapp unter der als Grenzwert definierten Sieben-Tage-Inzidenz von 100 (95,6 am Freitag, 26. März). Doch nach einem Jahr mit Corona lässt sich auch eine Pandemiemüdigkeit beobachten. „Ich kann das voll und ganz nachvollziehen und habe Verständnis für die Belastungen, mit denen die Menschen zurechtkommen müssen und den Wunsch nach der Rückkehr zur Normalität“, sagte Landrätin Marion Dammann im Rahmen eines Pressegesprächs am vergangenen Donnerstag. Allerdings sei die Infektionslage besorgniserregend und es gelte nun weitere Infektionen so weit wie möglich zu verhindern.

„Ich möchte nicht über die 100.“

„Das Landratsamt hat alles ausgeschöpft, was bei unserer Inzidenz gemacht werden kann“, erklärte Dammann. Nun komme es auf jeden Einzelnen an, daran mitzuwirken, dass die Sieben-Tage-Inzidenz möglichst unter dem Grenzwert von 100 bleibe, da sonst wieder strengere regeln und stärkere Einschränkungen folgen würden. Die Landrätin betonte: „Ich möchte nicht über die 100. Ich möchte die Freiheiten erhalten. Noch viel lieber würde ich sogar weiter lockern, aber das lässt die Infektionslage derzeit nicht zu.“

Denn der reine Inzidenzwert sei es nicht, der Sorgen bereite, es sei das Gesamtbild, wie Gesundheitsamtsleiterin Katharina von der Hardt ausführte: „Es ist ein völlig diffuses Infektionsgeschehen im Landkreis. Es stecken sich Personen an, die nicht wissen, wo sie sich angesteckt haben könnten. Die deutlich ansteckendere Variante ist zur Dominante geworden.“ Die Gesundheitsamtsleiterin sieht mit großer Sorge, „dass die Ansteckung schon im strikten Lockdown sichtbar waren. Er hat nicht verhindert, dass sich die Variantenwelle bereits aufgebaut und entwickelt hat, trotz der Maßnahmen.“ Sie riet dazu, noch mehr auf die Maßnahmen achten: „Neben dem Testen und Impfen müssen alle so konsequent wie möglich sein im persönlichen Verhalten.“

Erhöhte Ansteckungsgefahr

In Hinblick auf die erhöhte Ansteckungsgefahr durch die Virusvarianten gab von der Hardt zu bedenken, auch in Situationen, in denen es nicht explizit vorgeschrieben ist, freiwillig Masken zu tragen, beispielsweise, auch in Treppenhäusern von Mehrfamilienhäusern. Immer häufiger infizieren sich nach Aussage der Leiterin des Gesundheitsamts junge Menschen. Im März habe es bislang 28 Fälle in Schulen und Kitas gegeben, woraus weitere Folgefälle entstanden.

Die Kontaktnachverfolgung sei für das Gesundheitsamt mit großem Aufwand noch möglich und erfreulich sei es, dass es in Alters- und Pflegeheimen nun deutlich weniger Coronafälle gebe, so von der Hardt. Vermehrt schwere Krankheitsverläufe seien nun auch bei jüngeren Menschen zu beobachten.

Klinik unter Dauerbelastung

Dr. Bernhard Hoch, Geschäftsführer Medizin der Kliniken des Landkreises Lörrach
Dr. Bernhard Hoch, Geschäftsführer Medizin der Kliniken des Landkreises Lörrach | Bild: Verena Wehrle

Dies bestätigte auch Bernhard Hoch, medizinischer Geschäftsführer der Kliniken des Landkreises Lörrach. Er erläuterte, dass auch Menschen in ihren 40ern und 50ern intensivmedizinisch behandelt werden müssten. „Jede Inzidenz, die ansteigt, spiegelt sich bei uns in der Klinik ganz direkt wider. Vor 14 Tagen hatten wir erstmals seit der zweiten Welle weniger als 30 Corona-Patienten, derzeit sind es wieder über 50“, so Hoch. In der Klinik sei die Dauerbelastung seit Herbst deutlich spürbar und die Luft werde nach einem Jahr Pandemie immer dünner. Zu einer Abwanderung von Pflegekräften sei es in Lörrach zwar nicht gekommen, aber für die Mitarbeiter sei die Belastung enorm hoch.

„Ostern ist in einer Woche, jetzt bräuchten wir eigentlich schon verschärfte Maßnahmen“, sagte Hoch aus Sicht der Mediziner. Es helfe aber, Kontakte einschränken, Abstand zu halten und alle Hygiene-Maßnahmen strikt zu befolgen. Hoch richtete seinen dringenden Appell an die Bevölkerung: „Wir können das nur mit der Unterstützung jedes Einzelnen schaffen. Bitte helfen Sie uns dabei, wir müssen alle zusammenhalten.“

Ängste nehmen zu

Es sei eine wirkliche „Gratwanderung“ und sie merke immer deutlicher, wie auch Ängste in der Bevölkerung um sich greifen, beispielsweise vor den Tests auf das Virus, führte Landrätin Dammann aus. „Auch da gibt es mittlerweile deutlich weniger unangenehme Antigentests, die anerkannt sind und zur Verfügung stehen“, erläuterte Dammann. Entscheidend sei, dass die Ergebnisse Sicherheit für sich selbst und andere bieten würden. In dieser Phase der Pandemie sei es entscheidend, die Hygiene-Maßnahmen zu befolgen, Kontakte zu meiden und die Möglichkeiten für die Bürgertests nutzen.

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