In mehreren Kantonen gibt es einen SMS-Dienst zu Wolfsichtungen, dieser zeigte einem Leser am Donnerstag folgende Meldung: „Information Wolfnachweis: Genetisch bestätigter Nutztierriss, 14. Mai, 2020, Art des Tieres: Schaf, Gemeinde Oberhof, Kanton Aargau„.

Ein Blick auf die Website der kantonalen Abteilung Jagd und Fischerei zeigt: Der Vorfall ist auch dort aufgeführt. Zum Opfer fielen dem Wolf demnach drei Lämmer. Doch warum wurde der Fall nicht früher publik, immerhin sind seit dem Riss in Oberhof inzwischen zweieinhalb Monate vergangen? „Der Wolfsriss von Mitte Mai in Oberhof ist seit Donnerstag bestätigt, die Analysen am spezialisierten Labor der Universität Lausanne haben offenbar länger gedauert“, sagt Erwin Osterwalder, Fachbereichsleiter Jagd beim Kanton auf Anfrage.

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Schon im Februar 2019 riss ein Wolf in der Gemeinde Nutztiere, damals waren zwei Ziegen betroffen. Noch am selben Tag tappte das Tier in Erlinsbach in eine Fotofalle, damit wurde die Präsenz eines Wolfes im Aargau zum ersten Mal bildlich bestätigt. Hat nun, rund anderthalb Jahre später, derselbe Wolf in Oberhof die drei Schafe gerissen? Dies ist laut Erwin Osterwalder noch offen, das spezialisierte Labor werde versuchen, eine Bestimmung des Einzeltieres vorzunehmen. Ob der Wolf noch im Aargau ist, weiß Osterwalder nicht: „Angaben über den aktuellen Aufenthaltsort des Wolfes liegen uns nicht vor. Wir gehen davon aus, dass er weitergezogen ist“, sagt er.

Bauer wird entschädigt

Betroffen vom Wolfsriss ist indes ein anderer Fricktaler Bauer als noch im Februar 2019. „Beim Tierhalter, dessen Schafe nun gerissen wurden, handelt es sich nicht um den gleichen Bauern, dessen zwei Ziegen betroffen waren“, sagt Osterwalder. Der Bauer, dessen drei Lämmer vom Wolf gerissen wurden, hatte dies beim Kanton gemeldet, ein Mitarbeiter der kantonalen Abteilung Jagd und Fischerei überprüfte dies vor Ort. „Mit der Bestätigung, dass ein Wolf die Lämmer gerissen hat, ist klar, dass der Bauer für die Tiere entschädigt wird“, erklärt Osterwalder.

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Der Jagd- und Wildtierspezialist rechnet nicht damit, dass sich solche Fälle im Aargau künftig häufen. „Wir gehen weiterhin von einzelnen wandernden Wölfen aus, die gelegentlich Nutztiere reißen können“, sagt Osterwalder. Bisher ist im Schnitt ein Wolf pro Jahr im Aargau aufgetaucht, weitergehende Schutzmaßnahmen für die Tierhalter seien deshalb nicht verhältnismäßig. „Es gibt im Aargau auch keine Sömmerungen von großen Schaf- oder Ziegenherden, betroffen sind eher Kleintierhalter mit wenigen Tieren“, erläutert Osterwalder. Mit einer guten Einzäunung ließen sich Wolfsrisse oftmals verhindern, ansonsten greife das System der Entschädigungen.

Dauerpräsenz wenig wahrscheinlich

Eine Dauerpräsenz des Wolfes im Aargau sei aufgrund des Lebensraumes, der Siedlungsnähe und der vielen Verkehrs­achsen wenig wahrscheinlich. Und auch für Menschen besteht kaum Gefahr, wie es in den Grundsätzen des Kantons zur Wolfsthematik heißt: „Wandernde Individuen verhalten sich in ungewohnter Umgebung umso vorsichtiger, was Konflikte mit Menschen unwahrscheinlich macht.“ Durch die temporäre Wolfspräsenz besteht keine Gefahr für die Bevölkerung. Deshalb empfiehlt der Kanton: „Wenn ein Wolf beobachtet wird, wenn möglich fotografieren und das Foto der Jagdverwaltung schicken.“

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Tierhalter, die einen möglichen Wolfsriss feststellen, sollen dies dem lokalen Jagdaufseher melden und das gerissene Tier für die Untersuchung vor Ort belassen. Die Jagdaufseher haben dann die Möglichkeit, ausgebildete Rissexperten beizuziehen.

Blick in den Landkreis Waldshut

Auch im Landkreis Waldshut wurde mittlerweile ein Wolf gesichtet. Ob sich dieser noch in der Region aufhält, ist allerdings unklar.

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