Unauffällig duckte sich ein altes Bauernhaus in Niederhof viele Jahrzehnte hinter einem großen Nussbaum und in einer langen Kurve der L 151, die hinauf in den Hotzenwald führt. Dann entpuppte sich das über 250 Jahre Gebäude als historisches Juwel der Gemeinde Murg. Die historische Bedeutung des Zechenwihler Hotzenhauses entspricht aus Sicht der Denkmalschützer jener Kategorie, der auch die Holzbrücke in Bad Säckingen und das Freiburger Münster zugeordnet sind. Nach aufwendiger Sanierung zieht jetzt wieder Leben in das Zechenwihler Hotzenhaus.

Die Stahlkonstruktion, die das über 250 Jahre alte Haus stützt.
Die Stahlkonstruktion, die das über 250 Jahre alte Haus stützt. | Bild: Brigitte Chymo

Wir schreiben das Jahr 1748, als der Hotzenwald zu Vorderösterreich gehört, und als im kleinen Weiler Zechenwihl, später ein Ortsteil von Niederhof, das Hotzenhaus in der damals üblichen Bauweise errichtet wird. Unter einem mächtigen Walmdach, das zum Schutz gegen die Witterung fast bis zum Boden hinabreicht, befinden sich Stallungen und Scheune ebenso wie das Wohnhaus.

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Für den Dachstuhl charakteristisch ist eine sogenannte Firstständerkonstruktion, und im Haus führt ein Umgang um die Stallungen herum. Das Haus hat damals noch keinen Kamin. Der Rauch der ursprünglich noch offenen Feuerstelle passiert die Rauchkammer, räuchert das dort aufgehängte Fleisch, steigt weiter zum Dachboden und schützt dort als Zusatzeffekt die Dachbalken vor Schädlingen.

Blick in die mächtige Dachkonstruktion des Zechenwihler Hotzenhauses.
Blick in die mächtige Dachkonstruktion des Zechenwihler Hotzenhauses. | Bild: Brigitte Chymo

Das Hotzenhaus wurde über die Jahrhunderte mehrmals erweitert, das eine oder andere erneuert, aber als die letzte Bewohnerin im Jahr 1998 das Haus aus Altersgründen verlässt, ist doch fast alles im Originalzustand erhalten. Das ist einzigartig. So wird jeder Gang durch das Zechenwihler Hotzenhaus auch zu einer Zeitreise zurück in die Geschichte des Hotzenwaldes.

Blick in die mächtige Dachkonstruktion des Zechenwihler Hotzenhauses.
Blick in die mächtige Dachkonstruktion des Zechenwihler Hotzenhauses. | Bild: Brigitte Chymo

„Um Zukunft zu gestalten, muss man wissen, woher man kommt“, zitierte Landrat Martin Kistler im Rahmen eines Tags der offenen Tür im Juli sinngemäß nach Cicero und unterstrich somit die historische Bedeutung des denkmalgeschützen Gebäudes. Nach langer Sanierungsphase hatten Interessierte an jenem Tag erstmals Gelegenheit, sich von der gelungenen Sanierung zu überzeugen.

Das Kapitel „Neuzeit“ in der Geschichte des Zechenwihler Hotzenhauses begann im Jahr 2006 mit der Gründung des Fördervereins Zechenwihler Hotzenhaus und den ersten Arbeiten zum Erhalt des Gebäudes. Der weitere Weg war steinig und lang, und von der Finanzierung bis hin zur Statik war eine Vielzahl an Hürden zu nehmen.

In einem der Veranstaltungsräume erinnert ein Gemälde von Kaiserin Maria Theresia (rechts)daran, dass sie zu jenen Zeiten hierzulande Regentin war, als das Hotzenhaus erbaut wurde.
In einem der Veranstaltungsräume erinnert ein Gemälde von Kaiserin Maria Theresia (rechts)daran, dass sie zu jenen Zeiten hierzulande Regentin war, als das Hotzenhaus erbaut wurde. | Bild: Brigitte Chymo

Die Planungen dauerten letztlich Jahre, erst 2017 präsentierte der Förderverein ein in Baden-Württemberg wegweisendes Konzept. Anstatt neue Holzverbindungen für die Sanierung zu verwenden, stützt nun ein Innenskelett aus Stahl das Zechenwihler Hotzenhaus. Der Umbau startete 2019 und ist seit diesem Frühsommer so gut wie abgeschlossen.

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Die früher dunkle und staubige „Schüüre“ präsentiert sich nun freundlich und hell mit Räumen, in denen kulturelle Veranstaltungen stattfinden sollen, die aber auch zu privaten Zwecken gemietet werden können. Nebenan wird in ehemaligen Kammern, die der Lagerhaltung dienten, das Heimatmuseum der Gemeinde Murg zu neuem Leben erweckt, und in der guten Stube mit altem Kachelofen, auf alemannisch der „Kunscht“, kann standesamtlich geheiratet werden.

Die „Kunscht“ in der guten Stube des Zechenwihler Hotzenhauses.
Die „Kunscht“ in der guten Stube des Zechenwihler Hotzenhauses. | Bild: Brigitte Chymo

Führungen durch das Zechenwihler Hotzenhaus vermitteln einen guten Eindruck vom Leben „damals“. Die Möbel der letzten Besitzer stehen noch an Ort und Stelle, und im Schrank hängt sogar noch der Hochzeitsfrack des Bauern.

In der noch immer russgeschwärzten Küche sind gemauerte Brenn- und Backofen ganz besondere Schätze. Seit einigen Monaten dampft und zischt es wieder im restaurierten Brennofen und regelmäßig zieht der Duft frisch gebackenen Holzofenbrots durch die niedrigen und schmalen Gänge. „Das ist altes Handwerk, das gepflegt werden will“, ist Georg Kirschbaun, der Vorsitzende des Fördervereins Zechenwihler Hotzenhaus überzeugt.