Es ist keine einfache Zeit. Corona, oder besser Covid-19, hat unser Leben im Griff. Da fällt es schwer, unbeschwert zu sein oder gar fröhlich zu feiern. Jeden Tag steigende Zahlen von Erkrankten, in der Verwandtschaft gibt es Ängstliche und Zweifler. In diesem Umfeld eine Hochzeit vorzubereiten ist nicht gerade einfach. Ich habe meine Tochter Melanie und ihren Verlobten Patrick jedenfalls nicht darum beneidet, die Gästeliste von 80 auf 23 einzukürzen, weil sie das Risiko minimieren wollten. „Vielen Dank an Corona“, habe ich nur süffisant zu meiner Tochter gesagt.

Und weil das ja noch nicht ärgerlich genug war, läutete kurz vor der Hochzeit das Telefon. Unser Sohn Andreas, über dessen Situation schon im SÜDKURIER zu lesen war, war am anderen Ende der Leitung. „Wir können leider nicht kommen, es gibt auf der Arbeitsstelle zwei Covid-19-Verdachtsfälle, Melanie weiß schon Bescheid“, berichtete er. Er lebt mit seiner Partnerin Michaela in Südtirol. Wir kennen solche Nachrichten von ihm seit Monaten, daran gewöhnt haben wir uns immer noch nicht. Meine Frau und ich waren traurig, Tränen flossen, schließlich hatten wir uns auf seinen Besuch gerade zu diesem Anlass ganz besonders gefreut. Und nun das.

Der Versuch locker zu bleiben

Die eigentlichen Vorbereitungen wollte das Hochzeitspaar natürlich selbst übernehmen. Aufgebot bestellen, Ort der Trauung wählen, die Lokalität für die Feier ordern, das forderte das junge Paar, ganz zu schweigen von der mehrmaligen Anprobe des Brautkleides und dem Aussuchen des passenden Outfits für den Bräutigam. Alles Dinge, die ich schon 44 Jahre hinter mir habe. Die steigende Spannung bei meiner Melanie und ihrem Patrick ist mir selbstverständlich nicht verborgen geblieben, auch wenn sie versuchten, locker zu bleiben.

Klar, dass auch meine Frau Erika und ich einen Beitrag, besser mehrere, zum Gelingen des Abends beisteuern wollten. Schließlich war nichts mit Musik und Tanz – vielen Dank Corona!

Gut, getanzt hätte ich mit meinen „Holzbeinen“ sowieso nicht, aber für die Stimmung unter den Gästen wäre es sicher gut gewesen – oder? Nun, wir erlebten eine Hochzeit, wie sie kaum schöner sein könnte, das haben unsere Tochter und der Schwiegersohn mehrmals versichert.

Trauung via Livestream

Es gab jedenfalls viele Moment, die den sonnigen Tag zu einem einmaligen Erlebnis machten. Die beiden heirateten in der kleinen Kapelle bei Hohentengen, direkt gegenüber dem schmucken Örtchen Kaiserstuhl auf der Schweizer Seite des Rheins.

Bild: privat/Edinger

Die wunderbare Rede der Standesbeamtin Yvonne Volmer hat uns alle berührt, weil sie augenzwinkernd aus dem Nähkästchen des Brautpaares plauderte. Das Beste daran: Unser Sohn konnte mit seiner Michaela die Trauung via Livestream in Südtirol verfolgen. So war er wenigstens ein bisschen bei der Hochzeit seiner Schwester dabei.

Vor der Kapelle hatten wir eine Überraschung vorbereitet – eigentlich zwei. Ein Schulfreund meiner Frau brachte 14 weiße Tauben, Patrick und Melanie durften jeder eine aus ihren Händen fliegen lassen. Danach wurden Luftballons mit Wünschen an das Brautpaar losgeschickt. Als das frischgebackene Ehepaar beim Restaurant eintraf, ging es durch ein Spalier von Seifenblasen.

Die Zeit, bis der erste Gang serviert wurde, verging wie im Flug. Alle nutzen die Gelegenheit für Plaudereien. Niemand musste sein Gegenüber dabei anbrüllen, um die Musik zu übertönen.

Gute Stimmung auch ohne Musik

Bei der Rede des Brautvaters, ich hielt mich mit der Länge zurück, die Lacher zeigten mir, dass ich mit meinem Beitrag nicht ganz daneben lag. Ganz andere Blickwinkel der Brautleute zeigte die Mutter des Bräutigams, Monika, bei ihrem unterhaltsamen Vortrag. Danach tauchte überraschend der Abteilungschef meiner Tochter auf und überreichte ein originelles Hochzeits-Präsent der Kolleginnen und Kollegen. Das einzige Mal, dass an diesem Abend eine Melodie aus einem Lautsprecher ertönte, war beim Tanz des Brautpaares. Dabei leuchteten nicht nur die Augen von Melanie und Patrick, auch die Gäste schwelgten sichtbar in Erinnerungen.

Und, klar, das musste bei einem alten Zeitungsmenschen wie mir ja kommen. Nachdem eine Präsentation mit Bildern aus der Kindheit des Brautpaares für Erheiterung gesorgt hatte, wurde die Hochzeitszeitung im Stil der Yellow Press präsentiert. Langeweile war auch danach kein Thema, weil es immer wieder kleine Einlagen, moderiert von Tante Geli und Onkel Andreas, für Kurzweil sorgten. Eine Hochzeit in Corona-Zeiten muss also nicht dröge und langweilig sein. Und auch ohne Musik kann durchaus Stimmung aufkommen. Für uns und das Hochzeitspaar war es jedenfalls ein unvergesslicher Tag!

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