Jeder, der offen Blickes durch den Landkreis fährt, sieht es: dürre, abgestorbene Bäume, nicht nur einzelne, sondern teilweise ganze Flächen. Der Klimawandel mit extremen Hitze- und Trockenperioden hat dem Wald zugesetzt und dem Borkenkäfer freie Bahn gelassen. „Dem Wald geht es schlecht, nicht nur der Fichte, auch der Tanne und Buche“, erklärte Landrat Martin Kistler.

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Von Schäden wie noch nie und einem fulminanten Anstieg des Borkenkäfers spricht der Kreisforstamtsleiter Helge von Gilsa. „Das Landschaftsbild wird sich ändern, wir werden in einigen Lagen fichtenarm werden“, kündigte von Gilsa an. Die im Landkreis Waldshut im Vergleich zu anderen Regionen besonders dramatische Situation war Anlass für den Landkreis, Runde Tische zum Thema Wald zu veranstalten. Am Mittwochabend fand der dritte im Kreistagssaal des Landratsamtes zum Thema „Wald der Zukunft“ statt.

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Unter den rund 100 Besuchern waren überwiegend Privatwaldbesitzer, aber auch etliche Bürgermeister und Kreisräte. Im Mittelpunkt standen ein Vortrag und eine Diskussionsrunde mit Experten vom Regierungspräsidium Freiburg, Schwarzwaldverein, Kreisforstamt, Landesjagdverband, einer Forstbaumschule, aus der Gemeinde Küssaberg und von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg. Der Direktor der Forschungsanstalt, Konstantin Teuffel, hielt den Einführungsvortrag.

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Nach seiner Aussage wird die Fichte im Zuge des Klimawandels in ein paar Jahrzehnten nicht mehr als führende Baumart geeignet sein. Und auch Buche, Tanne, Eiche, je nach Standort und Ausmaß der weiteren Erwärmung, werden laut Teuffel zurückgehen. Als allgemeines Ziel nannte er Mischwälder, in denen keine Baumart mehr als 50 Prozent der Fläche ausmacht. Laut Teuffel wird die Forschungsanstalt sobald als möglich Baumartenempfehlungen für die Wiederbewaldung aussprechen: „Aber es ist komplex und geht nicht auf die Schnelle, es gibt einen großen Untersuchungs- und Forschungsbedarf.“ Als relativ gut erforscht und als „künftig noch geeignet“, stufte er Roteiche, Nussbaum, Douglasie und Schwarzkiefer ein.

Beim dritten Runden Tisch zum Thema Wald im Landratsamt Waldshut: Landrat Martin Kistler (hinten von links) mit den Teilnehmern der Diskussionsrunde Erhard Jauch (Geschäftsführer Landesjagdverband Stuttgart), Frank Stingel (Inhaber Forstbaumschule Stingel in Albstadt), Konstantin Teuffel (Direktor der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg), Helge von Gilsa (Leiter Kreisforstamt Waldshut) und (vorn, von links) Manfred Weber (Bürgermeister Gemeinde Küssaberg), Anja Peck (Leiterin Forstabteilung Regierungspräsidium Freiburg), Eberhard Aldinger (Delegierter des Schwarzwaldvereins im Vorstand des Landesnaturschutzverbandes) sowie Thomas Uhlendahl (Moderator der Runde aus Freiburg).
Beim dritten Runden Tisch zum Thema Wald im Landratsamt Waldshut: Landrat Martin Kistler (hinten von links) mit den Teilnehmern der Diskussionsrunde Erhard Jauch (Geschäftsführer Landesjagdverband Stuttgart), Frank Stingel (Inhaber Forstbaumschule Stingel in Albstadt), Konstantin Teuffel (Direktor der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg), Helge von Gilsa (Leiter Kreisforstamt Waldshut) und (vorn, von links) Manfred Weber (Bürgermeister Gemeinde Küssaberg), Anja Peck (Leiterin Forstabteilung Regierungspräsidium Freiburg), Eberhard Aldinger (Delegierter des Schwarzwaldvereins im Vorstand des Landesnaturschutzverbandes) sowie Thomas Uhlendahl (Moderator der Runde aus Freiburg). | Bild: Ursula Freudig

Der Abend im Landratsamt, vor allem auch die zahlreichen Fragen der Besucher, machte deutlich, dass der schlechte Zustand des Waldes emotional betroffen macht und die Sorge groß ist. Vieles muss auf dem Weg zu einem klimaresistenteren Wald unter einen Hut gebracht werden: finanzielle Interessen der Waldbesitzer, Naturschutz, Ökologie, Tourismus und Jagd. Einig waren sich jedenfalls alle darin: Der Wald der Zukunft kann nur gemeinsam und nur mit Unterstützung des Landes geschaffen werden.