Der Wald galt als Klimaretter, ist im Südschwarzwald aber das Klimaopfer. Den Wald zu retten und zu schützen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dies wurde deutlich bei einer Podiumsdiskussion in Birkendorf, wo trotz der Waldsituation Hoffnung und Optimismus mitschwangen: Es wird weiter Wald geben, doch die Wälder werden anders aussehen. Helge von Gilsa vom Kreisforstamt sagte: „Den Zukunftswald aufzubauen, wird sehr teuer werden.“

Dass der Runde Tisch in Ühlingen-Birkendorf stattfindet, resultiere aus der Tatsache, dass hier ein Kristallisationspunkt sei, wo sich die Probleme konzentrieren, was sich auch durch den Besuch der Politik zeigte, so der Forstamtschef. Für Wilfried Dieckmann vom Nabu steht fest: „Wir müssen uns einen neuen Wald suchen. Die Wiederbewaldung ist Zukunft.“

Christoph Hartebrodt von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt ging auf den Klimawandel ein, auf die Erhöhung der Durchschnittstemperaturen und Extremwetterlagen. „Der Klimawandel erfordert Anpassung und die akute Krise ist nicht allein mit bekannten Vorgehensweisen zu bewältigen.“ Er bleibt aber optimistisch: „Es wird weiter Wald geben. Es bleibt aber keine Zeit mehr, mit dem Wandel zu beginnen.“

Der Wald ist ein Klimaopfer, betonte Ulrich Faigle vom BUND, was auch Auswirkungen auf den Menschen habe. „Wir brauchen stabilere Wälder und die Wälder werden anders aussehen“, so Faigle. Auch Roland Schöttle vom Naturpark Südschwarzwald sieht eine riesige Verlagerung der Baumarten kommen. Der Naturpark Südschwarzwald habe erfolgreich am Förderprogramm Klimapass teilgenommen, in dem Anpassungsstrategien an den Klimawandel untersucht wurden. Schöttle verweist auch auf die landwirtschaftliche Perspektive, wie sich Wiesen verändern oder die Obstbausituation.
Die Frage der finanziellen Situation beleuchtete Bürgermeister Tobias Gantert. Der Wald als Sparkasse der Gemeinde sei eingebrochen. „Alle Waldbesitzer stehen vor der Frage der finanziellen Auswirkungen“, so Gantert und er fügt hinzu: „Eine Wiederaufforstung ist in der Größe finanziell nicht machbar.“ Auch Joachim Tröndle sieht die Nöte der Waldbauern: „Die Landwirte, die vom Wald leben, leiden unter dem Klimawandel. Sie erleben hautnah, dass Holz nicht mehr wirtschaftlich ist.“ Hilpert verwahrt sich: „Die Landwirtschaft ist nicht schuld an den Umweltschäden.“
„Der Wald ist für uns enorm wichtig. Wald gehört zu dieser Region“, so Volker Haselbacher von der HTG. Noch erlebt er keine Reklamationen von Feriengästen. „Die Täler sind Lebensadern für Ühlingen-Birkendorf“, betont von Gilsa. Bruno Hilpert vom Straßenbauamt sieht die gute gemeinsame Zusammenarbeit mit der Forstverwaltung und den Privatwaldbesitzern in Sachen Verkehrssicherungsmaßnahmen. Als Fazit zieht Helge von Gilsa: „Ich glaube, dass wir wieder einen Wald hinbekommen.“
Die Veranstalter: Das Kreisforstamt (Helge von Gilsa) hatte mit dem Nabu-Bezirksverband Südbaden (Wilfried Dieckmann) zum zweiten Runden Tisch „Prima Klima?“ Versuch einer Folgenabschätzung – wer leidet unter dem Klima? eingeladen.
Die Diskussionsteilnehmer
Christoph Hartebrodt, Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg.
Bruno Hilpert, Straßenbauamt, LRA Waldshut.
Roland Schöttle, Geschäftsführer des Naturparks Südschwarzwald.
Ulrich Faigle, BUND-Regionalverband Hochrhein
Tobias Gantert, Bürgermeister Ühlingen-Birkendorf.
Volker Haselbacher, Hochschwarzwald Tourismus GmbH.
Joachim Tröndle, Geschäftsführer Maschinenring MURA.
Moderator Jacob Crone, Freiburg.