"Seit heute, 18. Januar 1891, ist der Rhein unterhalb des Laufens bei der ,Enge' überfroren, ein Ereignis, welches seit 1830 nie mehr stattfand", berichtete der Alb-Bote aus Laufenburg über außergewöhnlich strengen Frost. Er schwächte erst Ende Januar, Anfang Februar ab. Von der Ostsee bis nach Algerien wurden Schnee und zugefrorene Flüsse gemeldet.

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"Der Winter trat schon Mitte November 1890 sein Regiment an", hieß es im Alb-Bote, "und brachte uns seitdem anhaltenden Frost, der in der letzten Woche bis zu 12 und 14 Grad Minus sank, sowie starken Schneefall. In Waldshut hatten wir von Samstag (17. Januar) an Eistreiben, unter dem der Fährverkehr nach der Jüppe in Full mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte."

Eisdecke wächst Stunde um Stunde

Während der bei Laufenburg schon fast zugefrorene Rhein Hunderte von Schaulustigen anzog, "denn es ist", wie der Alb-Bote schrieb, "auch sehr sehenswert, denn da, wo sonst die Wasser toben und tosen (über die damals noch nicht gesprengten Felsen, Anmerkung der Redaktion), ist jetzt eine gewaltige Eisfläche, welche von Stunde zu Stunde wächst und die vielleicht von einem Ufer zum anderen noch begangen werden kann".

Minus 12 bis 18 Grad im Wutachtal

Aus dem unteren Wutachtal wurde eine anhaltende Kälte von 12 und 18 Grad Minus gemeldet, welche die Getreidemühlen und kleine Fabriken, bei denen die Elektrifizierung noch nicht begonnen hatte, lahm legte. "Im ganzen Tale müssen teilweise Mühlen und Fabriken ihre Tätigkeit einstellen, da die Gewerbekanäle der anhaltenden und strengen Kälte wegen zugefroren sind", hieß es.

Der Strom steht fest

Dramatischer war die Lage am Rhein, der nördlich von Mannheim schon ab 10. Januar 1891 starkem Frost ausgesetzt war. Am 19. Januar schrieb der Alb-Bote, dass "von allen Orten des Rheins trostlose Meldungen" eintreffen. "Der Strom steht fest (das heißt er war zugefroren, Anmerkung der Redaktion) von Rotterdam bis Uerdingen, das ist eine Strecke von 225,50 Kilometern, ferner von der Loreley bis oberhalb Mainz, welche Strecke 57 Kilometer beträgt, und endlich von Nierstein bis Germersheim auf eine Länge 29,55 Kilometern." In der gleichen Meldung informierte der Alb-Bote über eine Pionierabteilung des Militärs, die Sprengungen auf dem Neckar vornahm, "welcher an verschiedenen Stellen bis auf den Grund gefroren ist. Tausende von Fischen sind in den Eisschollen eingefroren, und der Fischfang dürfte auf dem Neckar wohl für das nächste Jahr vernichtet sein".

Eisbildung auch auf dem Bodensee

Auch auf dem Bodensee sorgte die extreme Kälte um den 19. Januar 1891 herum für Eisbildung. "In Folge der andauernden Kälte musste die Dampfschifffahrt zwischen Konstanz, Lindau und Bregenz eingestellt werden", so die Meldung im Alb-Bote. "Zwischen Konstanz und Friedrichshafen sowie zwischen Konstanz und Meersburg und den anderen Stationen des Überlinger Sees wird vorerst der Verkehr noch aufrecht erhalten." Lindau meldete am 19. Januar, dass "die Dampfer im Hafen eingefroren sind". Und aus der Hafenstadt Kiel kam die Nachricht, die Ostsee sei, so weit vom Buelker Leuchtturm übersehbar, mit Eis bedeckt, "bei Fehmarn ist der Belt eisdicht".

Schneefall in Neapel und Minusgrade in Frankreich

Eiskalt war es auch im Süden. "Gestern trat hier abermals Schneefall ein", hieß es am 19. Januar aus Rom. "Nach Meldungen aus Neapel schneite es daselbst die ganze Nacht." Und aus Frankreich meldete der Alb-Bote 14 Grad Kälte in Macon, 15 in Tours, 20 in Toulon und 9 Grad Kälte in Perpignan. "Mehrere Flüsse sind zugefroren, was seit 30 Jahren nicht mehr der Fall war." Und schließlich wurden, ebenfalls am 19. Januar, aus Sétif in Algerien 12 Minusgrade gemeldet.

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Im Gegensatz zum Bodensee war der Zürichsee 1891 völlig zugefroren. "Auf dem Eis tummelten sich Tausende von Menschen, nach Sonnenuntergang fuhren die Schlittschuhläufer mit bunten Papierlaternen auf dem See umher, (...) zahllose Buden wurden als fliegende Restaurationen auf Schlitten gelegt", schrieb der Alb-Bote.

"Endlich scheint das Frostwetter doch milderer Temperatur weichen zu wollen", meldete der Alb-Bote am 23. Januar, "das Thermometer zeigte gestern Nachmittag drei Grad Wärme". Die extreme Kältewelle ging zu Ende.