Die Struktur der katholischen Pfarreien befindet sich im Wandel. Pfarrgemeinderäte, Pfarrer und ein Vertreter der Diözesanstelle Hochrhein trafen sich in St. Blasien, um darüber zu diskutieren. Vorgestellt wurde dabei auch das Projekt „Pastoral 2030“ der Erzdiözese.

Das könnte Sie auch interessieren

Seelsorgeleiter Pfarrer Jan Grzeszewski und der Sitzungsleiter, Pfarrgemeinderat Jörg Rudolf, sowie Dietmar Sendelbach von der Diözesanstelle erläuterten den etwa 30 Pfarrgemeinderäten aus dem Landkreis, wie sich die Struktur der Pfarreien in den kommenden Jahren verändern wird. Bis Ende 2021 soll der Plan feststehen, der dann in den Folgejahren umgesetzt wird.

Das katholische Dekanat Waldshut könnte in Zukunft aus zwei riesigen Pfarreien bestehen.
Das katholische Dekanat Waldshut könnte in Zukunft aus zwei riesigen Pfarreien bestehen. | Bild: Cornelia Liebwein

Das Vorhaben sorgte bei den Betroffenen jedoch überwiegend für Unsicherheit und auch für Unmut. Rudolf: „Wir wollen die Sachlage erörtern. Was können wir einbringen, wogegen können wir uns wehren?“ Sendelbach betonte: „Es interessiert uns, was sie denken.“ Als Grundlage zur Diskussion diente das Protokoll einer Besprechung mit Wolfgang Müller, dem Leiter des Projekts „Pastoral 2030“, mit Dekanen, Dekanatsreferenten und weiteren Personen in Freiburg, deren Ziel es war, Vorschläge eines späteren räumlichen Zuschnittes zu erstellen.

Neue Pfarreien nach Dekanaten ausrichten

„Das Bisherige fortzuführen ist nicht möglich. Daher wird vorgeschlagen, die neuen Pfarreien an den derzeitigen Dekanaten auszurichten“, sagte Rudolf. Sendelbach erklärte, dass nicht alle Konzepte funktionieren würden. „Einige Seelsorgeeinheiten funktionieren sehr gut, andere nicht.“ Ein neues Konzept soll also die Situation verbessern.

Das könnte Sie auch interessieren

Sendelbach versuchte zu beruhigen: „Das Zentrum einer neuen Pfarrei, besserer Begriff wäre Verwaltungsverbund, soll der Sitz der Verwaltung sein. Aber das eigenständige Leben in den Orten soll bleiben.“ Die Hauptverantwortung soll der leitende Pfarrer tragen, es soll aber die neue Funktion des Verwalters geschaffen werden. Die Hauptberuflichen sollen dann alle Mitarbeitenden – man hofft man auf viele Ehrenamtliche – auf die Aufgaben vorbereiten.

40 Pfarreien sollen gebildet werden

Einzige Vorgabe sei es, dass auf der Ebene des Bistums circa 40 Pfarreien gebildet werden sollen. Die Zahl sei gesetzt, so Rudolf, die ergebe sich aus der Zahl der Priester, die dann eine Leitungsfunktion übernehmen können. Als Planungsgröße können daher die ehemaligen 39 Dekanate herangezogen werden, wobei die Bistumsgrenzen nicht überschritten werden dürfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Pfarrer Jan erklärte: Der Bischof wolle die bestehenden Strukturen nicht zerstören, er sei aber gezwungen mit der zurückgehenden Zahl der Priester zu operieren. Aber, informierte er, das wiederum eröffne die Möglichkeit, dass eine katholische Gemeinde, wie eine Pfarrei dann heißt, beispielsweise Urberg, in Zukunft von Laien, Frauen und Männern, geleitet werden kann.

Drei Varianten

Bei den dann in dieser Diskussionsrunde vorgestellten drei Varianten überlegte man: Wo zieht es wen hin? Welche Pfarrgemeinden haben Berührungspunkte? Dabei favorisierte man überwiegend „Variante 2“: Die sieht die Teilung des Dekanats Waldshut in Ost (Waldshut bis Bonndorf) und West (Bad Säckingen bis St. Blasien) vor. „Variante 1“ (das jetzige Dekanat Waldshut wird als Pfarrei neu errichtet) kam kaum zur Sprache, „Variante 3“ gar nicht. Das Anliegen der meisten Anwesenden war: Wie kann ein Geschäftsführer bei so einer Fläche Entscheidungen treffen, ohne möglicherweise vor Ort gewesen zu sein, weitreichende Entscheidungen unterschreiben, obwohl die Größe entfremdet.

Das könnte Sie auch interessieren

„Die Größe ist unerheblich“, entgegnete Sendelbach, „die fühlt man vor Ort nicht mehr. Vor Ort sei der Rahmen, wo das kirchliche Leben stattfindet“. Man könne nicht alles auf das Ehrenamt abwälzen, hielten Anwesende dem entgegen. „Die jetzigen Pfarrgemeinden haben doch schon Probleme ehrenamtliche Kräfte zu finden“, bemerkte man. Ein Teilnehmer fragte wütend: „Warum müssen wir Gemeinden uns immer verbiegen, warum überlegt sich die Kirche nicht auch einmal, wie sie Menschen fürs Priesteramt gewinnen kann?“