Sehr geehrter Herr Erzbischof Burger,

Pastoral 2030 treibt uns alle um. Im Vorwort der Einführung in das Projekt Pastoral 2030 bitten Sie uns darum, uns in den Diskussionsprozess einzubringen. Sie schreiben, dass Sie offen sind für Erfahrungen und Argumente. Dem wollen wir gerne nachkommen. Wir kommen gerade aus einer Phase, in der 2015 bei uns zwei Seelsorgeeinheiten zusammengelegt wurden. Mit großer Mühe und vielen Diskussionen haben wir es nun geschafft, Gemeinsamkeiten zu finden und neue Projekte zu starten. Wo (z. B. im Hotzenwald) früher zwei Pfarrgemeinderäte mit insgesamt mehr als 40 Personen und zwei Pfarrer gearbeitet haben, sind es heute noch 12 Pfarrgemeinderäte und ein Pfarrer. Jetzt, da man sich neuen Wegen widmen könnte, kommt das Projekt Pastoral 2030, in welchem die bestehenden Kirchengemeinden um den Faktor 5 vergrößert werden sollen. Wenn uns die Menschen sagen, „der liebe Gott ist überall, warum soll ich quer durch den Landkreis reisen zu zwei bis drei pastoralen Zentren?“ – Wenn die Ehrenamtlichen den allergrößten Teil ihrer Freizeit in solche Projekte stecken sollen, die ihnen noch mehr abverlangen, kann man dann die aufkommende Resignation nicht verstehen? Das Arbeitsinstrument zum Projekt ist eine einzige Delegation von Aufgaben von oben nach unten!

Das ganze Projekt ist der Not geschuldet, dass wir zu wenige Priester haben. Das hat man schon lange gewusst. Jetzt sollen es 40 Kirchengemeinden werden, und dann? Wenn es noch Priester für 20 Kirchengemeinden gibt, legen wir wieder jeweils zwei Pfarreien (neu) zusammen? Nach dieser Logik steht am Ende die Kirchengemeinde Freiburg. Sie zitieren den Apostel Paulus „denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“. Genau diesen Geist vermissen wir in den vorliegenden Projektbeschreibungen und Ansprachen. Es liest sich und es hört sich an wie eine Insolvenzverwaltung, und über allem steht das Kirchenrecht. Keine neuen Wege, keine neuen Perspektiven. Sie schreiben „Diese Unterscheidung zwischen Grund und Anlass ist bedeutsam. Wer sie nicht im Auge behält, läuft Gefahr, lediglich Symptome zu bekämpfen und zu versuchen, lange so weiterzumachen wie bisher“. Genau das ist die Pastoral 2030. Zu den Ehrenamtlichen lesen wir: „Es muss konsequent vermieden werden, dass Ehrenamtliche Lückenbüßer für wegfallende hauptberufliche Ressourcen sind“. Die Pastoral 2030 macht genau das. Noch mehr ins Ehrenamt schieben, noch mehr Verantwortung für Ehrenamtliche, die bereits jetzt an den Grenzen ihrer zeitlichen Kapazität und ihrer Kräfte sind. Sie sollen noch mehr Zeit für Ausbildung investieren und Kenntnisse wie z. B. von Rechtsanwälten und Steuerberatern erwerben, um ihrer Verantwortung gerecht zu werden.

Wo sind die mutigen Schritte aus Freiburg? Wir lesen nur, was in den unteren Ebenen alles gemacht werden soll. Was geschieht im Freiburger Erzbischöflichen Ordinariat? Welche Reform, z. B. Bürokratieabbau, nehmen Sie in Ihrem Haus vor zur Entlastung der Ehrenamtlichen? Als wir einen jungen Erzbischof Stephan Burger erhalten haben, haben wir uns auf Neues gefreut. Was wir jetzt erleben, ist ein Erzbischof, der sich hinter dem Kirchenrecht versteckt. Als wir einen Papst Franziskus erhalten haben, haben wir uns auf frischen Wind aus Rom gefreut. Mittlerweile ist er „im Sand stecken geblieben“, seine Reformen sind ins Stocken geraten. Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle wird schon wieder verwässert. Es ist peinlich.

Bei all dem hat man das Gefühl, es geht in der Kirche um Machterhalt. Das System schützt sich selbst. Die Außenwirkung der katholischen Kirche ist eine einzige Katastrophe. Sie schreiben: „Bei den verschiedenen Veranstaltungen ist darauf zu achten, dass auch Personen, Gruppen und Initiativen einbezogen werden, die eine Außenansicht einbringen können. Gerade diese Stimmen aus der Gesellschaft können einen wichtigen Beitrag leisten und als Zeichen der Zeit wahrgenommen werden“, dann fragen wir uns schon, ob das wirklich gewollt ist. Diese Außenansicht haben wir seit Monaten, wenn nicht Jahren täglich vor uns. Einzig die Kirche – vom Papst bis zu den Bischöfen – interessiert das wenig.

Wir fordern Sie auf, mit uns Druck zu machen und alte Zöpfe in der Kirchenleitung abzuschneiden, und nicht nur in den Kirchengemeinden. Was soll der einengende Zölibat in der heutigen Situation? Wir wollen den Zölibat nicht abschaffen, aber er soll freiwillig sein. Er soll jungen Männern (Frauen) nicht eine Entscheidung abverlangen, eine Berufung zum Priester (Priesterin) anzunehmen und damit auf eine Familie zu verzichten. Priester und Familie muss möglich sein.

Warum lässt man Frauen nicht zu allen kirchlichen Ämtern zu? Alle kirchlichen Ämter müssen Frauen zugänglich gemacht werden. Wir haben Gleichberechtigung, Mann und Frau sind gleich. Es ist erwiesen, dass eine steigende Zahl von Frauen sich ehrenamtlich in den Gemeinden einbringt. Ohne ihre Dienste wären viele kirchliche Veranstaltungen und Gottesdienste nicht mehr möglich.

Warum muss immer ein Priester die Leitung einer Pfarrei (neu) haben? Es gibt andere Beispiele, wie in Lateinamerika, Österreich oder auch hier in Deutschland, wo getaufte Christen mit der Leitung der Pfarrei beauftragt wurden. Keine dieser Maßnahmen ist das Allheilmittel, aber jede einzelne könnte helfen, neue Priester und Priesterinnen zu gewinnen und so die Krankheit heilen. Der Beruf des Priesters muss in der heutigen Zeit wieder attraktiv werden. Daran muss gearbeitet werden.

Wir erhoffen uns von Ihnen, Herr Erzbischof, mehr Mut, die enge Auslegung des Kirchenrechtes zu weiten und zusammen mit den gewählten Vertreterinnen und Vertreter der PGR und des Diözesanrates gemeinsam eine neue Ausrichtung der Erzdiözese zu entwickeln. Eine von oben so durchgeführte Verwaltungsreform wie die Pastoral 2030, führt an der Lebens- und Glaubenswelt der Menschen in der Erzdiözese wie auch bei uns vor Ort vorbei! Wir sind bereit mitzuarbeiten an der Zukunft der Kirche von Freiburg, aber nicht um den Preis, dass den Ehrenamtlichen immer mehr aufgeladen wird und die Kirchenleitung sich hinter einem Kirchengesetz versteckt, welches von der Kirchenleitung selbst gemacht wurde, um die eigenen Pfründe zu sichern.

Wir bitten Sie um mutige Schritte, um die katholische Kirche in die Zukunft zu führen. Stellen Sie nicht das Kirchenrecht über alles, sondern nehmen Sie wieder den Glauben und die Menschen vor Ort, die den Glauben leben, in den Blick.

Wir bitten Sie, uns eine Rückmeldung zu unseren Anliegen und Forderungen zu geben.

Herzliche Grüße aus dem Hotzenwald
Pfarrgemeinderat St. Wendelin

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