Jonathan Griffiths ist längst angekommen. Der 27-Jährige hat 2016 den besten Abschluss als Anlagenmechaniker in ganz Baden-Württemberg abgelegt. In Großbritannien, nahe York, hatte der Brite mit dem A-Level abgeschlossen, was dem deutschen Abitur entspricht, bevor er den mutigen Schritt nach Deutschland machte. „Ich wollte immer ein Handwerk erlernen und da sind die Deutschen einfach voraus“, sagt Jonathan Griffiths.

Das könnte Sie auch interessieren

Er würde es wieder tun. Obschon von Anfang an eben nicht alles glatt ging. Durch unglückliche Umstände bröckelte ihm sein erstes deutsches Zuhause praktisch sofort unter den Füßen weg. Er musste sich, quasi ohne Geld, ohne Sprachkenntnisse, durchschlagen und fand in einem Freiburger Irish Pub auf Anhieb eine Anstellung.

Alemannisch hinter dem Tresen gelernt

Buchstäblich hinter dem Tresen hat er Deutsch-Alemannisch gelernt, sein Ziel aber nie aus den Augen verloren. Seine Lehre absolvierte er schließlich bei zwei hiesigen Firmen, erst in Bonndorf, dann in Grafenhausen. Heute arbeitet er in einem Bonndorfer Betrieb und lebt in einem Grafenhausener Ortsteil, mit seiner Verlobten, die er in diesem Sommer heiraten will.

Das könnte Sie auch interessieren

Schon 2016, postulierte er bei einem Besuch seiner Mutter Claire: „Wenn der Brexit kommt, nehme ich die Deutsche Staatsangehörigkeit an.“ Damals fragte Claire Griffiths fast erschrocken nach, ob das sein Ernst sei. Es war sein Ernst. Im November 2018 konnte Jonathan Griffiths aus den Händen des Waldshuter Landrats Martin Kistler die Staatsbürgerurkunde entgegen nehmen. Seit Anfang des Jahres lebt auch Jonathans Mutter auf Schwarzwälder Höhen, wenige Minuten von ihrem Sohn entfernt. Sie spricht exzellentes Deutsch. Gelernt hat sie das beim Studium Mitte der 1980er Jahre in Stuttgart. Nur wenn ein Thema komplexer wird, fällt sie ab und an ins Englische, scheut sich vor eventuellen Fehlern.

Freunde sagten: „Du bist ja verrückt“

Auch sie hat sofort einen Job bekommen, fachfremd. „Meine Freunde in England haben gesagt, Du bist ja verrückt, als ich von meinen Umzugsplänen erzählte“, sagt sie mit Verweis auf die Job-Chancen. Aber die heute 53-Jährige war schon immer offen für neue Situationen. In Dänemark, den USA und wieder in Dänemark hat sie gelebt, wo schließlich Tochter und Sohn geboren wurden. Die Tochter ist mit ihrem Parnter inzwischen nach Norwegen gezogen.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch die Lebensform der Familie, die Claire Griffiths die meiste Zeit als alleinerziehende Mutter zusammen gehalten hat, spricht für Beweglichkeit. „Ich habe in einem Camphill gearbeitet, bin auch in einem solchen geboren. Da leben Menschen mit und ohne Behinderung inklusiv zusammen.“ So überzeugt sie, auch der Sohn heute noch, von diesem Modell des Zusammenlebens und Arbeitens sind – eventuell nochmals etwas Neues zu beginnen, auch ein Umzug innerhalb Großbritanniens hatte sich Claire Griffiths schon einige Zeit vorstellen können. „Natürlich ist es ein großer Schritt und ich musste dann doch einige Tage überlegen. Gekommen bin ich nun wirklich hauptsächlich wegen Jonathan und der Familie, er will ja heiraten.“

Durch Ausbildung schnell Anschluss gefunden

Sohn Jonathan wiegelt die Härte der Anfangszeit in Deutschland ab. „Durch die Ausbildung habe ich sehr schnell Anschluss gefunden.“ Dennoch gibt er zu, dass es ein riesiger emotionaler Gewinn für ihn ist, die Mutter nun vor Ort zu haben. „Für mich war es klar, dass ich den Rest meines Lebens in Deutschland verbringen werde. Und das rundet den Entschluss toll ab. Meine Mutter hat mich vornehmlich als alleinerziehende Mutter großgezogen und das hat immer toll geklappt“, meint der Sohn und der Mutter gibt die Freude darüber einen anrührenden Glanz in die Augen.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch sie fühlte sich von Anfang an hier wohl und aufgenommen. „Die Familie, die Jonathan hier gefunden hat, ist wahnsinnig nett, das sind so sympathische, offene Leute und die Gegend ist unglaublich schön. Und doch ist es ein bisschen crazy“, sagt Claire Griffiths. Mit dem Brexit habe ihre Entscheidung weniger zu tun. „Ich wäre zwar auch ohne Brexit gekommen, aber ich muss sagen, ich schäme mich fast für den Brexit. Wenn es den Brexit dann gibt, weiß ich nicht, ob ich Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bekomme, oder gar nichts. Ich glaube, keiner hat eine Ahnung, was wirklich passiert“, meint sie.

„Ich kann im Brexit keinen Vorteil sehen“

Vorgesorgt hat sie mit den Dingen, die unter jetzigen Bedingungen möglich sind. Den Führerschein beispielsweise hat sie in einen deutschen umgetauscht und muss den Kopf schütteln, dass solche Maßnahmen nun nur der Anfang sein sollen. „Wir, alle meine Freunde und ich auch, können im Brexit keinen Vorteil sehen, für niemanden.“ Jetzt schon würden Europäer aus Großbritannien wegziehen, allerdings sei dort die Wahrnehmung dessen was da kommt, noch sphärisch: „Das ist komisch – es wirkt, als sei es nicht real, es schwebt irgendwie über uns und im Hintergrund liegt immer die Angst, was wohl passiert, wenn der Brexit wirklich vollzogen ist.“