Janine Schneider aus Lottstetten ist mit dem Mountainbike 51 Mal den zwei Kilometer langen Anstieg von Grießen auf den Kalten Wangen hochgefahren und hat dabei rund 6000 Euro für die Caritas eingefahren. In 13:38 Stunden schaffte sie dabei 266 Kilometer und 9043 Höhenmeter. Die Deutsche Meisterin im Mountainbike-Marathon hatte bereits 2018 die Idee, an einem Tag die 8848 Höhenmeter des Mount Everest mit dem Fahrrad zu bewältigen.

Die Deutsche Meisterin im Mountainbike-Marathon wusste, worauf es ankam: Sie fuhr konzentriert ihren Rhythmus und ließ sich dabei nicht ablenken.
Die Deutsche Meisterin im Mountainbike-Marathon wusste, worauf es ankam: Sie fuhr konzentriert ihren Rhythmus und ließ sich dabei nicht ablenken. | Bild: Thomas Güntert

In der Corona-Krise wollte die ausgebildete Physiotherapeutin zudem ein Zeichen setzen gegen das Ungleichgewicht der Gehälter und für das Engagement von Pflegenden. Zusammen mit ihrem Freund Karsten Keller plante die Mountainbikerin eine Benefizfahrt und suchte im Wald einen geeigneten Trail aus. Nachdem das im Wald wegen der Zwei-Meter-Abstandsregel plötzlich nicht mehr ging, wollte Schneider die Benefizfahrt auf der Straße mit dem Rennrad machen.

Nach jeder Auffahrt machte Janine Schneider eine Kerbe auf das Zielschild. Am Schluss waren es 51.
Nach jeder Auffahrt machte Janine Schneider eine Kerbe auf das Zielschild. Am Schluss waren es 51. | Bild: Thomas Güntert

Durch die Grenzschließung kam Schneider allerdings nicht nach Zürich, um ihr Rennrad präparien zu lassen. Im letzten Moment entschied sie sich dann doch für ihr Renn-Mountainbike, an dem Karsten Keller noch die Stollenreifen gegen Sliks auswechselte.

Wind und Wetter konnten Janine Schneider nicht daran hindern, ihren „Mount Everest“ am Kalten Wangen zu bezwingen.
Wind und Wetter konnten Janine Schneider nicht daran hindern, ihren „Mount Everest“ am Kalten Wangen zu bezwingen. | Bild: Thomas Güntert

In der Walpurgisnacht übernachtete Janine Schneider bereits in ihrem Wohnmobil auf dem Wanderparkplatz am Kalten Wangen und kurz nach 5 Uhr ging es dann los. In den ersten vier Stunden gab es immer wieder sehr starke Regengüsse. „Ich wurde derart ‚gewaschen‘, dass ich am Vormittag schon die kompletten Kleider wechseln musste.“ Bis zur Mittagsstunde waren dann die ersten 5000 Höhenmeter geschafft.

Der Radcomputer ist der Beweis: Janine Schneider saß 13:42 Stunden auf dem Rad und ist 266 Kilometer mit 9043 Höhenmetern gefahren.
Der Radcomputer ist der Beweis: Janine Schneider saß 13:42 Stunden auf dem Rad und ist 266 Kilometer mit 9043 Höhenmetern gefahren. | Bild: privat/Jana Schneider

Die Radrennfahrerin achtete bei ihren Runden darauf, dass sie einen möglichst konstanten Rhythmus fuhr. Dabei wurde sie von rund 30 Freunden und Bekannten motiviert, die im Laufe des Tages an die Strecke kamen. „Das ist sogar für jemanden, der seine Freizeit gerne und ausgiebig auf dem Rad verbringt, jenseits aller Vorstellungskraft“, sagte Martin Riegraf, Geschäftsführer des Caritasverbands Hochrhein, der mit dem Rennrad gekommen war.

Etwas Egoismus nötig

Auch Harald Vetter, Geschäftsführer der Lottstetter Vetter-Kabel Gmbh, einer von Schneiders Hauptsponsoren, begleitete die Bikerin einige Runden auf dem Rennrad. Für die Fans hatte Schneider ansonsten nur wenig Zeit. „Man muss egoistisch bleiben, wenn man das gesetzte Zeitlimit einhalten will“, erklärte die 25-Jährige. Als es dann weitere vier Stunden regnete, hatten sich die Fans ins Trockene verzogen.

Schwierige Bedingungen

Janine Schneider trotzte weiter Kälte, Regen und Wind. Die 25- Jährige Sportlerin war fortan auf sich alleine gestellt und genoss dabei die Unterstützung ihres Freundes. „Dazu kam natürlich noch die Motivation, dass alles für einen guten Zweck war“, sagte Janine Schneider. Bei der 50. Auffahrt erreichte sie dann endlich die angepeilten 8848 Höhenmeter. Um sicher zu gehen, fuhr sie allerdings völlig durchnässt noch einmal den Berg hoch und stieg kurz vor 20 Uhr erschöpft, aber überglücklich vom Rad.

Durch die im Vorfeld gesammelten Spendenbeiträge, die pro Auffahrt gezahlt werden, kommen rund 6000 Euro zusammen. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte Martin Riegraf, dass dieses Geld für die Jugendhilfe Pro Juve Hochrhein verwendet werden. Die Caritas-Tochterorganisation betreut in speziellen Einrichtungen rund um die Uhr 30 Kinder und Jugendliche, die teilweise aus schwierigen Familienverhältnissen kommen. „In der Corona Krise bekamen sie bisher wenig Beachtung und mussten in den vergangenen Wochen isoliert mit ihren Erziehern leben“, sagte Riegraf.

„Die Spendenübergabe durch Janine Schneider wird in einer dieser Einrichtung erfolgen. „Natürlich mit Bike“, sagte der Caritas vorstand, der zugleich auch Geschäftsführer und Einrichtungsleiter bei Pro Juve ist.

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