Die Nagra hat in der Zürcher Weinlandgemeinde Trüllikon die zweite von einer Reihe von Sondierungs-Tiefbohrungen für ein Atomendlager gestartet, um das geologische Gesamtbild der potenziellen Standortregionen Jura-Ost, Nördlich Lägern und Zürich-Nordost zu vervollständigen.

Aufgrund der geologischen Erkenntnisse soll bis 2022 der sicherste Standort bestimmt werden.

2000 Meter in die Tiefe

Insgesamt hat die Nagra auf den drei Standorten 23 Gesuche für Tiefbohrungen eingereicht. Wie viele Bohrungen tatsächlich durchgeführt werden, hängt von den Ergebnissen ab. Der stellvertretende Vorsitzender der Nagra-Geschäftsleitung, Markus Fritschi, rechnet mit zwei Bohrungen pro Standort und bezifferte die Kosten pro Bohrung auf 15 Millionen Franken.

Der Gesamtprojektleiter Maurus Alig erklärt die Steuerelemente im Doghouse der Bohrstation.
Der Gesamtprojektleiter Maurus Alig erklärt die Steuerelemente im Doghouse der Bohrstation. | Bild: Thomas Güntert

Auf der Baustelle in Trüllikon arbeiten in den nächsten sechs bis neun Monaten 20 bis 40 Personen, wobei täglich rund um die Uhr bis in eine maximale Tiefe von 2000 Meter gebohrt wird.

Bei der Vertikalbohrung werden die unterschiedlichen Bohrstangen mit einem Revolvermagazin eingeführt, verschraubt und täglich bis 20 Meter tief gebohrt.

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Zuerst wird das Gestein im Bohrloch durch Meissel verkleinert und das Bohrklein durch eine Bohrspülung an die Oberfläche gefördert. Bei den Kernbohrungen werden aus dem Opalinuston-Wirtgestein und den unmittelbar darunter und darüber liegenden Gesteinsschichten mit Bohrkronen drei Meter lange Bohrkerne ausgefräst, die mit einem Seilzug durch ein Innenrohr hochgezogen werden.

Das Tiefenbohrgerät einer englischen Fima kam mit einer dreimonatigen Verspätung in Trüllikon an.
Das Tiefenbohrgerät einer englischen Fima kam mit einer dreimonatigen Verspätung in Trüllikon an. | Bild: Thomas Güntert

Proben kommen nach Bern und Japan

Die Gesteinsproben kommen in Kühlcontainer, damit man sie bei gleichen Temperaturen wie beim Bohrzeitpunkt auf Tiefenlage, Mächtigkeit und Barrieren-Eigenschaften untersuchen kann.

Die meisten Untersuchungen werden an der Uni Bern gemacht, einige Proben aber auch bis nach Japan verschickt. Im Rahmen der Bohrung werden auch Untersuchungen zu den bautechnischen Verhältnissen im Untergrund durchgeführt.

Bohren wie beim Zahnarzt

Der Gesamtprojektleiter Maurus Alig zog einen Vergleich der Bohrung mit der Medizin: „Die Seismik ist wie ein Ultraschall und die Bohrungen wie eine Gewebeuntersuchung.“ Auf deutschem Gebiet werden zurzeit keine Untersuchungen gemacht.

Markus Fritschi erklärte, dass die Nagra in Jestetten gerne 3D-seismische Untersuchungen gemacht hätte, was der Gemeinderat aber abgelehnt hat. „Wir hätten gerne über den Tellerrand hinaus geschaut, ist aber nicht wirklich eine zwingende Notwendigkeit“, so Fritschi.

Er bemerkte, dass der Rhein im Auswahlverfahren keine Rolle spielt. „Das Endlager kommt in eine Tiefe von 500 bis 800 Meter und da darf es keine Rolle spielen, was an der Erdoberfläche ist“, so Fritschi, der hinzufügte, dass man heute noch nicht wisse, wo der Rhein in 50 000 Jahren durch fließt und ob es ihn dann überhaupt noch gebe.

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Auf allen Bohrplätzen ist ein Besucherpavillon mit Aussichtsplattform eingerichtet, die jederzeit frei zugänglich ist. Für Gruppen ab zehn Personen werden im Besuchercontainer kostenlose Führungen angeboten. Die dritte Tiefbohrung wird ebenfalls am Standort Zürich-Nordost gemacht.

Zwischen der Jestetter Nachbargemeinde Marthalen und dem Weiler Radhof wird bereits der Bohrplatz eingerichtet, wo das Bohrgerät vom Standort Nördlich Lägern zum Einsatz kommt, das bei Bülach die Tiefbohrung durchführt.

Der Start der Tiefenbohrung in Trüllikon erzeugte ein großes Medieninteresse. Die Bevölkerung hat ebenfalls die Möglichkeit, sich über die Arbeiten auf der Bohrstation umfangreich zu informieren.
Der Start der Tiefenbohrung in Trüllikon erzeugte ein großes Medieninteresse. Die Bevölkerung hat ebenfalls die Möglichkeit, sich über die Arbeiten auf der Bohrstation umfangreich zu informieren. | Bild: Thomas Güntert