Obersäckingen – Vor 125 Jahren wurde vom Obersäckinger Gemeinderat die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr beschlossen. 54 Männer erklärten damals am 11. Januar 1895 ihren Beitritt. Eine Jubiläumsfeier wird es aufgrund der Corona-Krise dieses Jahr aber nicht geben.

Ein richtiges Jubiläum wäre es ohnehin nicht, denn die Mannschaft verlor 40 Jahre nach der Gründung ihre Selbständigkeit, weil Obersäckingen 1935 zu Säckingen eingemeindet und fortan als Dritte Kompanie der Säckinger Freiwilligen Feuerwehr geführt wurde. Dennoch hätte man mit den Obersäckingern gerne gefeiert, war das ja auch beim 100-jährigen und selbst beim 110-jährigen Bestehen der Fall.

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Der Glanz der Obersäckinger Floriansjünger ist indessen längst nicht dahin, befindet sich doch das Feuerwehrgerätehaus für den ganzen Bad Säckinger Stadtbezirk seit 1977 am südlichen Rand von Obersäckingen. Nicht nur der Kommandant der Bad Säckinger Gesamtfeuerwehr, Tobias Förster (40), sondern auch der hauptamtliche Gerätewart Ralf Mutter (51) wohnen seit ihrer Geburt in Obersäckingen.

Ebenfalls ein Obersäckinger Feuerwehrmann mit Leib und Seele war Rudolf Bubeck (1931 bis 2018), der es nach seinem frühen Wehreintritt 1943 im Laufe seiner 50-jährigen Zugehörigkeit bis zum Hauptbrandmeister schaffte, zeitweise auch als stellvertretender Stadtkommandant fungierte, vor allem aber bis zu seinem Ruhestand 1993 hauptamtlicher Gerätewart war. Er kannte die Entwicklung der Obersäckinger Feuerwehr wie kaum ein anderer, beispielsweise dass die Wehr 1895 aufgrund von zwei Gebäudebränden gegründet wurde: Im Januar 1894 ging das Doppelhaus der drei Familien August Hausin (Straßenwart), Adolf Hausin (Zimmermann) und Blasius Uicker (Bahnarbeiter) am heutigen Martinsweg Nr. 41 und Nr. 43 in Flammen auf, und im Dezember 1894 brannte das Gasthaus „Löwen“ (heutige Pizzeria „Da Gabriele“), wobei die zweijährige Frieda, Tochter des Gastwirts Julius Föhringer, ums Leben kam.

Rudolf Bubeck verfasste eine kleine Chronik über die Obersäckinger Feuerwehreinsätze, die bis 1861 zurückreicht, als es im Dorf noch keine organisierte Wehr gab, starke Männer aber bei Löscharbeiten in Obersäckingen sowie auch bei solchen in den Nachbargemeinden behilflich waren.

Zu einem Erinnerungsbild stellte sich das Obersäckinger Feuerwehrkommando im Jahre 1925. Stolz blickte man damals auf das dreißigjährige Bestehen der Wehr zurück.
Zu einem Erinnerungsbild stellte sich das Obersäckinger Feuerwehrkommando im Jahre 1925. Stolz blickte man damals auf das dreißigjährige Bestehen der Wehr zurück. | Bild: Repro: Richard Kaiser

Von allen Brandunglücken in Obersäckingen seit Gründung der Feuerwehr sticht wohl der Großbrand am 19. März 1900 am meisten hervor. „In der Behausung des Hypolit Jünger war das Feuer, vermutlich durch einen Kaminbrand entstanden, und im Nu hatte es der herrschende Sturm auf die strohbedeckten Nachbarhäuser übertragen, die sofort in hellen Flammen standen. Vier Doppelhäuser, das erste Hypolit Jünger, Witwe Elisabeth Hausin und Sigmund Huber gehörig, das zweite, Geschwister Hausin, die alle Fahrnisse verloren, das dritte Bäcker Robert Pfeiffer und Arnold Maier, das vierte Landwirt Denz und Witwe Döbele brannten nieder“, geht aus einem Zeitungsbericht vom 20. März 1900 hervor.

Zwei Tage später gab der Redakteur zu bedenken: „Der Obersäckinger Brandfall sollte für die Gemeindevorstände eine Mahnung sein, dafür Sorge zu tragen, dass ihre Gemeinden möglichst bald dem Telefonnetz angeschlossen werden. Hätte Obersäckingen Telefonanschluss gehabt, so wäre es möglich gewesen, den Brandausbruch sofort nach Säckingen zu telefonieren, und die Säckinger Feuerwehr hätte infolgedessen beträchtlich früher auf dem Schauplatz des Brandes erscheinen können. Da die Telefonanlagen durch die vom 1. April des Jahres in Kraft tretenden Bestimmungen beträchtlich verbilligt werden, sollten die Gemeinden umso weniger zögern, rasch eine telefonische Verbindung mit der Amtsstadt herzustellen.“

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Ein weiterer bemerkenswerter Brand brach am 11. März 1901 im Fluthof in Rippolingen aus, zu dem die Obersäckinger Feuerwehr gerufen wurde. Ein kleiner Junge, Franz Malzacher, „Joggele“ genannt, wurde in höchster Not aus dem Fenster geworfen und wurde daraufhin taubstumm. Er starb 1991 im Alter von 94 Jahren.

Bis ins Jahr 1928 war die 1896 angeschaffte Handdruckspritze in Gebrauch. Sie wurde dann von einer Motorspritze abgelöst, die 2980 Reichsmark kostete. Das alte Gerät konnte noch für 600 Reichsmark an die Gemeinde Kirchdorf veräußert werden. 39 Einsätze der Obersäckinger Feuerwehrmänner dokumentierte Rudolf Bubeck bis 1968. Zusätzlich gab es immer wieder Aktivitäten bei Hochwasser und Waldbränden, die nicht aufgezeichnet wurden.

In den vergangenen 125 Jahren haben sich die Aufgaben der Feuerwehr beträchtlich erweitert. Die beeindruckende Einsatzbereitschaft der Obersäckinger Feuerwehrleute hat sich dagegen nicht verändert, und durch ihre Nähe zum Gerätehaus können sie in Minutenschnelle ausrücken.

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