Mehrere hundert Senioren mussten am Freitag beim dezentralen Impftermin stundenlang vor der Wallbacher Flößerhalle warten, bis sie an der Reihe waren. Das verwundert durchaus, denn derartige Probleme gab es bei den anderen dezentralen Impfaktionen im Kreis Waldshut bisher nicht.

Hintergründe für das Chaos sind offenbar Verwirrungen bei der Terminvergabe für die insgesamt gut 500 Impfberechtigten. Doch wer dafür die Verantwortung trägt? Da gehen die Ansichten zwischen Stadt Bad Säckingen und Olaf Boettcher, Leiter des Kreisimpfzentrums und des mobilen Impfteams, erheblich auseinander.

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Der Hauptgrund für das Durcheinander sei laut Markus Haag, Ordnungsamtsleiter in Bad Säckingen, dass die Taktung der Impfungen erhöht worden sei.

Viele Termine im gleichen Zeitraum

Die 500 Personen von der Erstimpfung hätten nun in einem viel kürzeren Zeitraum, also nur bis mittags statt bisher bis nachmittags ihre zweite Impfung bekommen sollen, so Haag. So hätten viele Personen zum gleichen Zeitraum einen Termin erhalten. „Die Vorgabe kam von oben und wir werden nächstes Mal einen solchen Terminplan nicht akzeptieren, es funktioniert nicht“, so die klare Ansage von Markus Haag.

„Für den nächsten Termin wehren wir uns massiv dagegen“, erklärt er. Die Kommunen hätten die Probleme erkannt, könnten diese aber nur weitergeben, „in der Hoffnung, dass sie auf uns hören“, so Haag. Denn die Vorgaben seien von der Kassenärztlichen Vereinigung gekommen.

Sowohl die Kassenärztliche Vereinigung des Landes als auch jene des Bundes wiederum erklären auf Anfrage des SÜDKURIER, dass sie mit den dezentralen Impfterminen nichts zu tun haben.

Ärger über die Probleme

Und auch Olaf Boettcher, als Leiter des Kreisimpfzentrums und Initiator der Vor-Ort-Termine, betont: „Die Taktung der Termine geben die Bürgermeisterämter selbst vor, die Organisation liegt bei den Kommunen.“ Er fügt hinzu: „Sie haben viel zu viele Leute zur gleichen Zeit bestellt, der Fehler liegt klipp und klar bei den Kommunen.“

Das Mobile Impfteam habe sich zwar selbst eine Taktung für die Zweitimpfung von 30 Personen in 20 Minuten vorgegeben, aber auch damit seien 500 Personen längst nicht in den für Freitag vorgesehenen drei Stunden geimpft.

Fünfeinhalb Stunden hätte man mindestens einplanen müssen, rechnet Boettcher vor. Er selbst war nicht vor Ort, die Städte Bad Säckingen und Wehr hätten diesen eigenverantwortlich organisiert. Der Laufenburger Arzt ärgert sich über die Probleme. Er habe nun schon zahlreiche Vor-Ort-Termine erlebt: „Überall lief es reibungslos, nur in Wallbach nicht.“

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Stefan Schmitz, Ordnungsamtsleiter von Wehr, erklärt, die Kommunen hätten sich an verschiedenen Stellen informiert und daraufhin die Taktung von 40 Personen in 20 Minuten vorgenommen.

Weitere Gründe für Kompliaktionen

Am Vormittag hätten die Impfungen für die Wehrer Bürger noch relativ gut funktioniert, später sei es dann vor allem am Ausgang zu langen Staus gekommen, weshalb man eine Arbeitsstation vom Eingang zum Ausgang verlegt hatte. „Die Kommunen sind am Probieren, wir sind kein etabliertes Impfzentrum“, so Schmitz. Dass alle 500 Personen geimpft werden konnten, sehe er als Erfolg an. Er lobte das Ärzteteam.

Haag erläutert weitere Faktoren für die Komplikationen in Wallbach. So sei ein großes Problem, dass vor der Flößerhalle keine Sortierung der Patienten stattfand, wie es etwa in den Kreisimpfzentren der Fall ist.

Das heißt: Wer vorne stand, wurde zuerst reingelassen, auch wenn er erst eine Stunde später den Termin hatte. Viele Impfwillige seien viel zu früh gekommen. Beim nächsten Termin soll es aber eine Vorsortierung geben, so Haag. Eine Aufstockung des Personals und damit mehr Impfungen zur gleichen Zeit sei ebenfalls nicht möglich, dafür sei die Halle zu klein. „Es tut uns natürlich leid, dass es so gelaufen ist“, beteuert der Bad Säckinger Ordnungsamtsleiter.

Den Stau am Ausgang hat es laut Markus Haag gegeben, da die Ärzte dieses Mal die Eintragungen in den Impfpass erst beim Auslass – und damit erst nach der 15-minütigen Wartezeit nach der Impfung – vorgenommen hätten. Dieses Vorgehen könne sich Boettcher wiederum nicht vorstellen.

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Neben der Taktung sei vor allem die Aufnahme ein Problem, informiert Boett­cher. Denn das Sozialministerium gibt vor, dass jeder Patient in einer zentral in Berlin geführten Software aufgeführt werden müsse. Dafür brauche es eine sechsseitige Dokumentation, die von Patient und Arzt unterschrieben werden müsse. Hinzu käme das Ausfüllen des Impfausweises, was viel Zeit brauche. Die Impfung selbst dauere jedoch nur 30 Sekunden.