„Wir sind von diesem Ansturm überrascht – positiv überrascht“, meinte Fachkrankenpfleger René Reformat angesichts der vielen Bürger, die am Mittwoch zum „Impfbüsle“ des Kreisimpfzentrums Tiengen gekommen waren. Der Bus traf um 8.30 Uhr beim Schmidt‘s Markt in der Lohgerbe ein, und seine Fracht war so begehrt, dass die drei Mitarbeiter zum vorgesehenen Ende der Aktion um 13 Uhr noch lange nicht fertig waren. Insgesamt ließen sich rund 140 Personen immunisieren.

Der Bad Säckinger Arzt Eberhard Preis impft eine Patientin.
Der Bad Säckinger Arzt Eberhard Preis impft eine Patientin. | Bild: Michael Gottstein

Weil jede Impfung mit Datenerfassung und Aufklärungsgespräch ein wenig Zeit in Anspruch nahm, mussten sich die Patienten in Geduld üben und Schlange stehen, wobei für Gehbehinderte auch Stühle zur Verfügung standen. Vormittags erstreckte sich die Schlange zum Nordende des Platzes, dann im rechten Winkel nach Osten bis fast zur Steinbrückstraße. „Wir machen weiter, bis alle geimpft sind oder der Impfstoff ausgegangen ist“, so René Reformat. Zur Verfügung standen jeweils 100 Dosen der Vakzine von Biontech/Pfizer sowie Johnson & Johnson.

Zahlreiche Bürger standen für eine Impfung an.
Zahlreiche Bürger standen für eine Impfung an. | Bild: Michael Gottstein

Manche Patienten gaben aufgrund möglicher Thrombosegefahren dem mRNA-Impfstoff den Vorzug gegenüber dem Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson, dafür hat letzterer den für Reisewillige attraktiven Vorteil, dass man nur eine Spritze benötigt, nach 14 Tagen als vollständig geimpft gilt und somit alle Freiheiten genießen kann. Bei Biontech/Pfizer sind zwei Injektionen im Mindestabstand von mehreren Wochen erforderlich. René Reformat kümmerte sich um das Aufziehen der Impfstoffe und beobachtete die Patienten, die nach der Injektion etwa eine Viertelstunde lang in der Nähe des Busses verweilen sollten, Stefan Schneider war für die Administration zuständig, und die Impfungen übernahm der Bad Säckinger Arzt Eberhard Preis. Erst- und Zweitimpfungen hielten sich in etwa die Waage.

Gründe für Impfbereitschaft

Bei einer Umfrage erklärten die Impfwilligen, dass sie aus praktischen Gründen oder wegen der neuen Verordnungen gekommen seien. Für ein älteres Ehepaar aus Harpolingen wäre eine Fahrt zum Impfzentrum nach Tiengen sehr umständlich gewesen. „Und unser Hausarzt hat Urlaub, da hätten wir wohl erst im Spätherbst einen Termin bekommen.“

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Eine 23-Jährige hat zwar keine Angst vor der Impfung, „aber weil ich keiner Risikogruppe angehöre und nicht in Urlaub fahre, hatte die Impfung für mich bisher keine Priorität.“ Weil die Lohgerbe aber auf ihrem Weg liege, habe sie die Gelegenheit nun gerne wahrgenommen. Die verschärften Verordnungen und dass man in Zukunft die Corona-Tests selbst bezahlen müsse, seien auch Anstöße gewesen. Die 26-jährigen Zwillinge Robin und Pascal Rummler aus Wehr waren gekommen, weil Ungeimpften in Zukunft einige Möglichkeiten verwehrt bleiben.

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„Wir gehen fünf Mal pro Woche ins Fitness-Studio – das wäre wohl nicht mehr möglich, und man kann auch nicht jedes Mal einen Test machen.“ Mit Maskenpflicht und Abstandsregeln haben sie kein Problem, aber einen Impfzwang würden sie ablehnen und als Eingriff in ihre Freiheitsrechte betrachten.. Für eine Patientin war ein geplanter Besuch bei Freunden in Frankreich der Anstoß, zu kommen. Eine andere Dame hatte zwar schon einen Termin, aber den angebotenen Vektorimpfstoff wollte sie wegen möglicher Thrombosen nicht haben. Beim „Büssle“ bekam sie indes das gewünschte Biontech-Vakzin.