Stets im Doppelpack und Hand in Hand stapfen die sechs Kinder in Richtung Bushaltestelle. Von ihrem Ziel trennt sie eine letzte Hürde: Die viel befahrene Hauptverkehrsader, die durch den Murger Ortsteil Hänner führt. Sieben Augenpaare blicken nach links, nach rechts; wieder nach links, wieder nach rechts. Die Ohren werden gespitzt: Kein Auto ist zu sehen, keines zu hören: "Los geht's", ruft Kindergärtnerin Peggy Kriegel. Schnellen Schrittes eilen die Kinder über die Straße.

Kinder üben Busfahrt in die Schule

Im "Spatzennest" in Hänner üben insgesamt acht Vorschulkinder den sicheren Schulweg für das kommende Jahr. Ab Januar fahren sie ein Mal im Monat in Begleitung mit dem Bus zur Grundschule nach Niederhof. Die Bushaltestelle in Hänner bleibt deshalb heute die Endstation. "Bei der ersten Fahrt sind die Kinder dann immer besonders aufgeregt", weiß Peggy Kriegel. In ihren Augen ist diese Vorbereitung, die zu einem Vorschulprogramm gehört, daher ein wichtiger Bestandteil der frühkindlichen Erziehung: "Sie lernen die Gefahren kennen, die es auf den Straßen und in den Bussen gibt", sagt Kriegel.

Die Vorschulkinder aus dem "Spatzennest" in Hänner auf dem Weg zur Bushaltestelle.
Die Vorschulkinder aus dem "Spatzennest" in Hänner auf dem Weg zur Bushaltestelle. | Bild: Reinhardt, Lukas

Besonders für Kinder mit einem längeren Schulweg sei das wichtig: "Welche Familie fährt denn heute noch Bus? Viele Kinder wissen, was das ist, sind aber noch nie damit gefahren." Da es in Hänner keine Grundschule gibt, sind die Kinder aus dem Spatzennest in Zukunft auf den Bus angewiesen. "Drei Viertel von ihnen fahren erfahrungsgemäß auf diese Weise in die Schule."

Kinder für den Stadtverkehr sensibilisieren

Kinder für die Gefahren des Straßenverkehrs zu sensibilisieren ist auch im Kinderhaus Rhein-Au in Bad Säckingen ein wichtiges Thema. 16 Vorschulkinder bestreiten dahre gemeinsam mit Erzieherin Daniela Zipfel ihren künftigen Schulweg – hier aber stets zu Fuß. Zwei Mal im Monat laufen sie 15 Minuten vom Kinderhaus bis zur Anton-Leo-Schule – und lernen auf diese Weise in der Praxis, was sie im Straßenverkehr einer Stadt beachten müssen. "Wir wollen damit eine Grundlage für das ganze Leben schaffen", sagt Zipfel. Denn wer die möglichen Gefahren im Verkehr kennt, kann Unfälle vermeiden.

Corina Gerspach (links), Leiterin des Bad Säckinger Kinderhauses Rhein-Au, und Erzieherin Daniela Zipfel besprechen mit den Vorschulkindern Leon Vender (links) und Oskar Keppler die Bedeutung der Straßenschilder.
Corina Gerspach (links), Leiterin des Bad Säckinger Kinderhauses Rhein-Au, und Erzieherin Daniela Zipfel besprechen mit den Vorschulkindern Leon Vender (links) und Oskar Keppler die Bedeutung der Straßenschilder. | Bild: Reinhardt, Lukas

"An der Bordsteinkante halt, weil es sonst gleich knallt!" – lautet einer der einprägsamen Sprüche für die Kinder. Hören die Vorschulkinder aus Bad Säckingen diesen Spruch, heißt es: warten. "Dann üben wir gemeinsam, wie man eine Straße richtig überquert", sagt Daniela Zipfel. Die Erzieherin freut sich, dass auf dem Probeschulweg häufig auch die Neugier der Kinder zum Vorschein kommt: "Sie wollen wissen, wie Ampeln funktionieren und welche Bedeutung Straßenschilder haben."

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Das lernen die Vorschulkinder nicht nur in der Praxis, sondern ebenso in der Theorie – spielerisch durch Malstift und Merkblatt. Für Corina Gerspach, Leiterin des Kinderhauses Rhein-Au, beginnt die Verkehrserziehung der Kinder aber bereits früher. "Grundsätzlich lernen all unsere Kinder schon auf Exkursionen die wichtigen Grundlagen", sagt sie.

"Vorbildliche Schulvorbereitung"

Für Albert Zeh, den Leiter des Polizeireviers Bad Säckingen, ist diese Form der Schulvorbereitung vorbildlich: "Ich finde es klasse, dass Kinder Schritt für Schritt auf diesen neuen Lebensabschnitt – die Schulzeit – vorbereitet werden", sagt er. Das sei auch dringend nötig, fährt Zeh fort, denn die Gefahren, die auf dem Schulweg lauern, seien zahlreich und sollten nicht unterschätzt werden: "Das größte Risiko für Kinder besteht dabei immer bei der Überquerung von Straßen – in Bad Säckingen ist es beispielsweise die stark befahrene Bundesstraße."

"Das größte Risiko für Kinder besteht dabei immer bei der Überquerung von Straßen – in Bad Säckingen ist es beispielsweise die stark befahrene Bundesstraße", sagt Albert Zeh, Leiter des Polizeireviers Bad Säckingen.
"Das größte Risiko für Kinder besteht dabei immer bei der Überquerung von Straßen – in Bad Säckingen ist es beispielsweise die stark befahrene Bundesstraße", sagt Albert Zeh, Leiter des Polizeireviers Bad Säckingen. | Bild: Privat

Hier sieht Zeh auch die älteren Schüler in der Verantwortung, die sich ihrer eigenen Vorbildfunktion oftmals nicht bewusst seien. Die Folge: Sie gehen gerne auch einmal bei Rot über Ampeln, ärgert sich Zeh: "Die Großen machen es meist vor, die Jüngeren anschließend nach." Dabei unterschätzen besonders junge Schüler hier oftmals die Geschwindigkeit herannahender Autos.

Elterntaxis gefährden die Kinder

Aber auch die sogenannten Elterntaxis sorgen immer wieder für Probleme: "Sie fahren oftmals bis vor den Schule. Das Kind steigt dann mit einem Gefühl der Sicherheit aus dem Auto aus – begibt sich aber direkt in eine Gefahrenzone, wenn bereits das nächste Fahrzeug anrollt", sagt Zeh. Denn zwischen den Autos übersehe man ein Kind leicht. Was also gut gemeint ist und das Kind eigentlich schützen soll, sorge so am Ende gar für das Gegenteil. "Deshalb ist es gut, wenn schon Vorschüler lernen, den Schulweg auch eigenstständig zu bestreiten", meint Zeh.

Schritt in die Selbstständigkeit für Kinder und Eltern

Genau das, so sagt Peggy Kriegel, sei das Ziel dieses Vorbereitungsprojekts, das im Spatzennest inschon seit rund sieben Jahren läuft: "Wir wollen, dass die Eltern am Ende sagen: Mein Kind kann gut in die Schule starten." Denn die Vorschule soll nicht nur den Kindern die nötige Sicherheit geben, den Schulweg zu bestreiten, sondern auch den Eltern, ihren Kindern einen Schritt in die Selbstständigkeit zu gewähren.

Tipps für einen sicheren Schulweg

Diese Tipps für einen sicheren Schulweg gibt die Kreisverkehrswacht Konstanz-Hegau Abc-Schützen:

  • Ermitteln Sie den sichersten Weg zur Schule. Das ist nicht immer der kürzeste, aber mit Sicherheit der beste Weg.
  • Gehen Sie den Schulweg mehrfach gemeinsam mit Ihrem Kind. Besprechen Sie dabei die Gefahrenpunkte auf dem Weg und erklären Sie Ihrem Kind, dass es die Straße nur an gesicherten Stellen überqueren darf, also an Ampeln oder Zebrastreifen.
  • Üben Sie mit ihrem Kind, wie es sich an diesen Stellen richtig verhält. Machen Sie einen Rollentausch. Lassen Sie sich von Ihrem Kind zur Schule führen. Dabei soll es Ihnen erklären, was es sieht und was es deshalb tun möchte.
  • Begleiten Sie Ihr Kind am Anfang auf dem Schulweg und prüfen Sie nach einer gewissen Zeit, ob Ihr Kind den empfohlenen Weg benutzt und ob es noch aufmerksam ist und Ihre Ratschläge beherzigt.
  • Wenn Ihr Kind mit dem Schulbus fährt, üben Sie auch hier das richtige Verhalten – an der Haltestelle, beim Ein- und Aussteigen und im Bus selbst.
  • Denken Sie daran: Eltern haben eine Vorbildfunktion. Willi Streit, Chef der Verkehrswacht, warnt: „Mal eben bei Rot über die Straße laufen, weil die Zeit drängt, darf nicht sein. Ihr Kind kann es Ihnen nachmachen.“
  • Besser ist, den Tag harmonisch und ohne Eile zu beginnen. Emotionaler Stress oder Zeitdruck wirken sich negativ auf die Aufmerksamkeit eines Kindes aus, auch im Straßenverkehr.