Mit dem Schulstart ab der zweiten Septemberwoche beginnt für viele Kinder in der Region ein neuer Lebensabschnitt: Sie werden eingeschult.

Die Kreisverkehrswacht nimmt dies zum Anlass für einen Grundsatzappell: Die Eltern der Kinder und erwachsene Verkehrsteilnehmer überhaupt sollten bedenken, dass Schulanfänger auch Verkehrsanfänger sind, im Straßenverkehr nur Anfängerkenntnisse besitzen und aufgrund ihres Alters und Entwicklungsstandes zu den schwachen Verkehrsteilnehmern zählen.

Verständnis und Wachsamkeit

Wichtiges Ziel aus Sicht der Kreisverkehrwacht ist dabei die Vermeidung von Unfällen. "Unser Ziel muss sein, dass kein Kind auf dem Weg zur oder von der Schule verunglückt", heißt es in einer Stellungnahme des Kreisverkehrswacht-Vorsitzenden Willi Streit. Verständnis, vermehrte Rücksichtnahme und verstärkte Wachsamkeit gegenüber den Schulkindern seien wichtig.

Dirk Vairo, von Beruf Polizeibeamter und ehrenamtlich in der Kreisverkehrswacht als Moderator für Präventionsprogramme zur Unfallvermeidung im Kinder- und Jugendbereich aktiv, verweist in dem Zusammenhang auf die aktuelle Unfallstatistik. Demnach wurden im Bezirk des Polizeipräsidiums Konstanz im vergangenen Schuljahr 74 Unfälle registriert, bei denen Schüler verletzt wurden. 

Von diesen Unfällen entfielen 30 auf den Landkreis Konstanz. Elf Schüler (Präsidiumsbereich) wurden so schwer verletzt, dass sie stationär im Krankenhaus behandelt werden mussten. Im Landkreis Konstanz waren es fünf. In diese Statistik werden nur Heranwachsende bis zum 18. Lebensjahr aufgenommen. Zudem dürften die Zahlen nach Einschätzung von Verkehrswacht-Sprecher Vairo nur einen Teil der Wirklichkeit widerspiegeln, weil nicht zwangsläufig alle Unfälle von der Polizei aufgenommen werden.

Manchmal ergibt sich auch erst später, dass sich ein verunglücktes Kind auf dem Schulweg befand.

Wie Eltern gegen Verkehrsregeln verstoßen

Ein ungelöstes Problem und ein chronisches Gefahrenmoment bleiben nach Einschätzung der Kreisverkehrswacht auch im neuen Schuljahr die sogenannten Elterntaxis. Kritisiert wird das teilweise undisziplinierte Verhalten von Eltern, die Kinder mit dem Auto zur Grundschule bringen oder dort abholen. Mitunter richten Erziehungsberechtigte sogar einen nachbarschaftlichen Transportdienst ein.

Auf dem Gehweg wenden, im absoluten Halteverbot parken oder gar gegen die Fahrtrichtung fahren: Die Kreisverkehrswacht spricht von zum Teil chaotischen Szenen und sieht Probleme, die sich von Jahr zu Jahr verstärkten.

Poller und Einbahnstraßenverkehr

Doch was ist zu tun? Eltern von Schulanfängern sollten vorab neben einem Schulwegeplan Informationen über spezielle Zonen zum Ein- und Aussteigen ihrer Kinder an die Hand gegeben werden, empfiehlt die Kreisverkehrswacht.

Mit Blick auf die Elterntaxis stellt Dirk Vairo fest: "Verkehrsregeln werden hier oft nicht eingehalten." Denkbar seien im Bereich um die Schule das Einsetzen von Pollern oder die Einrichtung von Einbahnstraßenverkehr.

Elterntaxi als Ausnahmefall

Unterdessen weist Verkehrswacht-Vorsitzender Streit darauf hin, dass das Elterntaxi nur im Ausnahmefall zum Einsatz kommen dürfe. Dieser Service hindere die Kinder letztlich, selbstständig zu werden. Streit rät Eltern dringend zum Schulwegtraining.

Tipps: Üben mit Rollentausch

Diese Tipps für einen sicheren Schulweg gibt die Kreisverkehrswacht Konstanz-Hegau den Eltern der Abc-Schützen:

  • Ermitteln Sie den sichersten Weg zur Schule. Das ist nicht immer der kürzeste, aber mit Sicherheit der beste Weg.
  • Gehen Sie den Schulweg mehrfach gemeinsam mit Ihrem Kind. Besprechen Sie dabei die Gefahrenpunkte auf dem Weg und erklären Sie Ihrem Kind, dass es die Straße nur an gesicherten Stellen überqueren darf, also an Ampeln oder Zebrastreifen.
  • Üben Sie mit ihrem Kind, wie es sich an diesen Stellen richtig verhält. Machen Sie einen Rollentausch. Lassen Sie sich von Ihrem Kind zur Schule führen. Dabei soll es Ihnen erklären, was es sieht und was es deshalb tun möchte.
  • Begleiten Sie Ihr Kind am Anfang auf dem Schulweg und prüfen Sie nach einer gewissen Zeit, ob Ihr Kind den empfohlenen Weg benutzt und ob es noch aufmerksam ist und Ihre Ratschläge beherzigt.
  • Wenn Ihr Kind mit dem Schulbus fährt, üben Sie auch hier das richtige Verhalten – an der Haltestelle, beim Ein- und Aussteigen und im Bus selbst.
  • Denken Sie daran: Eltern haben eine Vorbildfunktion. Willi Streit, Chef der Verkehrswacht, warnt: „Mal eben bei Rot über die Straße laufen, weil die Zeit drängt, darf nicht sein. Ihr Kind kann es Ihnen nachmachen.“
  • Besser ist, den Tag harmonisch und ohne Eile zu beginnen. Emotionaler Stress oder Zeitdruck wirken sich negativ auf die Aufmerksamkeit eines Kindes aus, auch im Straßenverkehr.