Zwischen Regalen mit Fischfutter und Hundeleinen steht Peter Weber in seiner Zoofachhandlung in der Basler Straße in Bad Säckingen. Nach knapp 50 Jahren schließt der Familienbetrieb Ende März. „Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe – 50 Prozent auf alle Sortimente“, steht auf dem Schild am Eingang. Der Grund für die Schließung: „Die Fixkosten übersteigen den Ertrag. Ich stehe hier rum für nichts“, sagt der gelernte Kaufmann im Zoofachhandel, der den Betrieb zuletzt alleine führte. Mit 63 müsse er sich nun einen neuen Job suchen. „Meine Umsätze lagen täglich bei 100 Euro oder noch weniger. Das war einfach nicht mehr tragbar“, erzählt er. Einen Nachfolger gebe es noch nicht. „Ich wäre natürlich froh, aber ich glaube nicht, dass sich ein Nachfolger für den Zoofachhandel findet“, sagt Peter Weber. Es gebe mehrere Gründe für den Umsatzrückgang. Einer sei auf jeden Fall der Online-Handel.

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„Das Internet macht viel kaputt“, sagt Weber. Hinzu komme, dass Tierzubehör inzwischen in jedem größeren Laden zu kaufen sei. Weber habe viel auf persönliche Beratung und hohe Qualität gesetzt. „Und ich habe das Geschäft mit Enthusiasmus betrieben“, erzählt er. „Das wussten viele Kunden zu schätzen, aber eben nicht genug“, so Weber. Die potenziellen Kunden aus der Schweiz würden sich im Brennet-Areal tummeln. Ein weiteres Problem sei, dass er als kleiner Ladenbetreiber bei den Zulieferern an Mindestauftragswerte von 550 Euro pro Bestellung geknüpft sei. So müsse er immer immense Mengen bestellen und in Vorleistung gehen. Nun sucht Webers Vermieter Hans-Ulrich Fritz einen Nachfolger für das Ladengeschäft. Dies machte er zunächst im Newsletter der Wirtschaftsförderung der Stadt bekannt, um vor allem lokale Interessenten anzusprechen. Die Suche ist nicht immer einfach.

„Wir haben nur wenige Leerstände. Ich weiß aktuell nur von dreien“Elisabeht Vogt, Vorsitzende Pro Bad Säckingen
„Wir haben nur wenige Leerstände. Ich weiß aktuell nur von dreien“Elisabeht Vogt, Vorsitzende Pro Bad Säckingen | Bild: Kanele, Susanne

Nur wenige Leerstände in Bad Säckingen

Und dennoch sei es gerade in Bad Säckingen für viele Ladenbesitzer kein Problem, einen Nachfolger zu finden, wie Elisabeth Vogt als Vorsitzende des Gewerbevereins Pro Bad Säckingen sagt. „Wir haben aktuell nur wenige Leerstände, ich weiß nur von drei leeren Geschäften“, so Vogt. Dazu zählt sie das ehemalige Geschäft „Mavee“ direkt neben der Commerzbank. Die Ladenbetreiberin habe sich beruflich umorientiert. Das komplette Gebäude stehe derzeit leer und werde aktuell saniert, sagt Vogt.

Der Laden neben der Commerzbank steht ebenfalls leer.
Der Laden neben der Commerzbank steht ebenfalls leer. | Bild: Verena Wehrle

Außerdem stehe schon seit vielen Jahren das Geschäft neben dem Woolworth leer. „Dieser Leerstand schadet uns auch als Stadt, da es optisch nicht geschickt ist“, sagt Vogt. „Ich wünsche mir, dass sich das 2020 ändert“, so die Vorsitzende des Gewerbevereins. Der Vermieter Hartmut Heidl begründet den jahrelangen Leerstand so: „Unsere 270 Quadratmeter sind für die meisten Interessenten zu groß, zum Beispiel Nagelstudios. Einige Interessenten zogen wegen der Stufen in die Beck-Arkaden. Gastronomiebetriebe und Wettstudios möchten wir nicht.“

Neben dem Woolworth steht schon sehr viele Jahre ein Geschäft leer.
Neben dem Woolworth steht schon sehr viele Jahre ein Geschäft leer. | Bild: Verena Wehrle

Auch im Obergeschoss des Woolworth sind laut Vogt weitere 800 Quadratmeter Verkaufsfläche derzeit ungenutzt. Sie geht jedoch davon aus, dass diese Fläche bald wieder genutzt wird.

Es gebe zwar wenig Leerstände, jedoch manche Straßen, in denen die Betreiber häufig wechseln würden, so Elisabeth Vogt. Als Beispiel nennt sie die Rheinbadstraße: „Die Lage ist nicht sehr gut, man hat keinen Einblick in die Straße. Hier muss ein Ladenbetreiber sehr viel tun, damit er gesehen wird.“

In den Geschäften der Rheinbadstraße gibt es viele Betreiberwechsel. Schuld sei die schlechte Lage, so Elisabeth Vogt.
In den Geschäften der Rheinbadstraße gibt es viele Betreiberwechsel. Schuld sei die schlechte Lage, so Elisabeth Vogt. | Bild: Verena Wehrle

Nun hofft auch Peter Weber, auf einen Nachfolger für seinen Zoofachhandel mit einer langen Tradition. Denn immerhin gibt es Zoo Weber schon seit knapp 50 Jahren in Bad Säckingen. Peter Webers Eltern führten den Fachhandel 13 Jahre an der Rheinbrückstraße, anschließend wurde der Betrieb 23 Jahre lang an der Schützenstraße weitergeführt, ehe Peter Weber vor zehn Jahren an die Basler Straße zog. Peter Weber selbst ist seit 30 Jahren im Betrieb tätig. Den Schwerpunkt setzte er auf Aquaristik und Kleintiere. Seine Kunden konnten hier Tiere – vom Wellensittich bis zur Rennmaus – kaufen.

Peter Weber im Verkaufsgespräch in seinem Zoofachhandel. Ende März schließt er sein Geschäft aus wirtschaftlichen Gründen.
Peter Weber im Verkaufsgespräch in seinem Zoofachhandel. Ende März schließt er sein Geschäft aus wirtschaftlichen Gründen. | Bild: Verena Wehrle