In ihrem neuen Programm #2020 ziehen Sie schon jetzt eine Jahresbilanz, dabei hat das Jahr gerade erst angefangen. Auf was dürfen sich denn die Zuschauer in Bad Säckingen besonders freuen?

Ich pflege die Bilanz immer abzugeben vor den Ereignissen. Dann überraschen sie mich nicht mehr. Und tatsächlich sind sie auch insofern nur noch überraschend, als sie eben nicht überraschen. Man wundert sich, dass Politik immer noch so vorhersehbar ist. Dieses aktuelle Programm behandelt die deutschen, politischen Themen, die uns wieder mal behelligen. Es ist eine sehr internationale Show. Es kommen nicht nur Merkel, AKK, Schäuble oder Scholz zu Wort, sondern eben auch Trump, Erdogan, Putin, Boris Johnson mit den Themen, die uns auch tagsüber nicht schlafen lassen: Brexit, Maut, Rechts-radikale, Klimawandel, political correctness. Aber natürlich gibt es auch Hommage auf Leonardo da Vinci zum 500.Todestag. Sie sehen, ich lasse nichts aus.

Sie stehen schon seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne. Wie schaffen Sie es, dass Ihren Nummern nach all der Zeit nicht der frische Wind fehlt?

Weil sich die Empörung nicht gelegt hat, dass Politik immer so lange dauert. Dass Kompromisse immer so minimal sind und man immer nur auf das nächste Wahlergebnis schielt, statt sich als Gewählter zu trauen, die Wahl auch mal verlieren zu können, wenn es von Vorteil für die Wähler wäre.

Bild: BueroMR

Welchen Politiker würden Sie niemals parodieren?

Ich habe schon alle parodiert. Und werde auch alle parodieren, die mir unterkommen oder die es notwendig machen, dass man sie kommentiert. Schwierig ist eine Figur nur, wenn sie nicht erkennbar ist aus sich selbst heraus, wenn Sie keine signifikanten Merkmal oder Eigenheiten hat. Wenn man sie im Radio hört, und man erkennt sie nicht. Aber auch das macht nichts. Dann mache ich sie erkennbar. Dann gebe ich ihnen einfach ein paar Eigenheiten.

Welche Person des öffentlichen Lebens würden Sie gerne parodieren, sehen sich dazu aber nicht in der Lage?

Da ist mir in den Jahrzehnten, die ich in der Satire schon tätig bin, noch nicht eine einzige untergekommen.

Hinter ihren Nummern stecken sowohl Witz als auch eine sehr ernst Komponente. Was würden Sie sagen, überwiegt in ihrem Charakter: Witz oder Ernst?

Das ist nicht zu beantworten in der Summe, weil es darauf ankommt, worüber ich spreche und über wen. Über radikale, rechte Politiker darf der Witz den Inhalt nicht überwiegen. Über gewisse Unterhaltungskoryphäen kann man nicht ernst bleiben. Und persönlich sollte es sich demgemäß die Waage halten.

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Sie sind am kommenden Mittwoch nicht das erste Mal im Gloria- Theater in Bad Säckingen. Was unterscheidet die Zuschauer in Bad Säckingen von Zuschauern anderer
Städte?

Nein, das ist in Zeiten der Globalisierung wirklich nicht mehr auszumachen. Und zwar nicht nur, weil die Menschen mobiler sind, und in der Vorstellung dann auch bei weitem nicht nur alt eingesessene Bad-Säckinger sitzen, sondern auch Zugereiste, Neubewohner etc und sie durch die Medien in Bad Säckingen das gleiche erfahren wie in Berlin oder Stuttgart.

Freuen Sie sich einen Ort wie das Gloria-Theater wieder zu besuchen, oder zieht es Sie doch eher an neue Orte?

Ich gehe sehr gerne an neue Orte, aber noch schöner ist es, zurückzukehren, an Orte, an denen man sich heimisch gefühlt hat.

Haben Sie vor jeder Show ein Ritual, welches Ihnen bei Lampenfieber hilft?

Ich glaube, ein Ritual würde Lampenfieber bei mir überhaupt erst hervor rufen.

Bild: Olympus Digital Camera

Was wäre das Schlimmste, was Ihnen auf der Bühne passieren könnte?

Da kann ich mich gar nichts vorstellen. Ich habe schon gespielt mit über 39 Grad Fieber, mit gebrochenem Arm oder gebrochenem Fuß. Ich habe schon weitergespielt, als das komplette Licht ausgefallen ist oder das Mikrofon oder als Hagel und Stürme über ein Veranstaltungszelt fegten und man kaum noch ein Wort verstanden hat. Ich habe schon gespielt vor einer großen Gruppe ausländischer Gäste, die kein Wort Deutsch sprachen und von ihren Begleitern alles übersetzt bekamen...was immer passiert – es muss so weiter gespielt werden, dass die Zuschauer glauben, dass das, was passierte, die beste Nummer war.

Haben Sie in Zeiten eines sich verbreitenden Corona-Virus keine Bedenken durch das Land zu touren?

Nein, gewiss nicht. Die Bedenken habe ich eher vor der Hysterie, die mir wenig verständlich ist. Wir haben in Deutschland im Moment unseres Gesprächs ein paar hundert Infizierte und noch keine Toten. Bei der Grippewelle vor zwei Jahren starben in Deutschland 25100 Menschen und wir hatten 10 Millionen (!) Infizierte. Erklären Sie mir bitte, warum damals Milch, Butter, Dosensuppen und Klopapier
nicht ausverkauft waren!? Im letzten Jahr ertranken beim Schwimmen 417 Menschen. Legen wir jetzt Baggerseen, Nord- und Ostsee trocken? Ich hoffe, dass es einen Umschwung gibt und die Deutschen das Positive des Corona- Virus wahrnehmen: Der Ölpreis ist gesunken innerhalb eines Monats von 70 Dollar auf 52 Dollar pro Barrel. In unserer materialistischen Zeit dauert es nicht mehr lange, wo das viel mehr gilt. Warten Sie es ab.

Oder: Nehmen Sie das neue Corona-Virus als Anlass für neue Nummern?

Ich bin ja in der Nummer schon mittendrin.

Inwiefern bereiten Sie sich auf den Auftritt in der Trompeterstadt vor?

Naja, wie auf jede andere Vorstellung auch: Ich stehe morgens auf, ziehe mich an, packe die Requisiten ein, fahre nach Bad Säckingen. Meine Techniker bauen die Bühne auf, richten das Licht ein, stellen den Ton an. Ich probe, dass die Stimme richtig sitzt, wir lassen die Zuschauer rein und dann geht‘s los.

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