„Dance like it is Okay“ – „Tanze, als sei es in Ordnung“ – mit diesem Spruch kündigte die Kantine am vergangenen Freitag ihre erste Play genannte Elektro-Veranstaltung seit eineinhalb Jahren an. Getestete und Geimpfte konnten mit Maske im Innenraum des Gastro- und Clubbetriebs im Konstanzer Industriegebiet zu DJ-Musik tanzen. Und auch für dieses Wochenende sind wieder Veranstaltungen in der Kantine angekündigt. Auf anderen Tanzflächen in Baden-Württemberg wurde Anfang September teils bereits wieder ohne Maske gefeiert.

Für ein Treffen mit dem SÜDKURIER zu den Corona-Auflagen für Clubs und dem Neustart in die Veranstaltungssaison hatten die Kantine-Verantwortlichen keine Zeit, wie sie bedauerten. „Wir sind derzeit stark ausgelastet damit, unser Tagesgeschäft am Laufen zu halten und uns in die jeweils geltenden Verordnungen und Regularien einzuarbeiten“, erklärte Kantine-Mitarbeiter Torben Nuding Ende vergangener Woche entschuldigend.

Der Außenbereich der Kantine im Innenhof des Neuwerk-Gebäudes an der Konstanzer Oberlohnstraße.
Der Außenbereich der Kantine im Innenhof des Neuwerk-Gebäudes an der Konstanzer Oberlohnstraße. | Bild: Jannik Höntsch

Denn neben den Veranstaltungen bietet die Kantine im Innenhof des Neuwerk-Gebäudes an der Oberlohnstraße auch nach wie vor einen Mittagstisch an. Zudem sucht sie wie andere Gastronomiebetriebe händeringend Personal.

Nur wenige hundert Meter von der Kantine entfernt befindet sich der Club Berry‘s. Bis 20. Juli wurden hier noch Schnelltests auf Corona angeboten. Das ist jetzt vorbei. Dennoch dauert es noch etwas, bis Betriebsleiter Osman Cöl und sein Team wieder zum Tanz laden. „Wir wollten eigentlich am 17. September starten, mit einem zweitägigen Festival“, erklärt Cöl, als der SÜDKURIER ihn vergangene Woche besucht.

Osman Cöl, Betriebsleiter des Clubs Berry‘s im Konstanzer Industriegebiet.
Osman Cöl, Betriebsleiter des Clubs Berry‘s im Konstanzer Industriegebiet. | Bild: Marcel Jud

Doch daraus wird nichts. Das liege nicht nur an den Umbaumaßnahmen, die nach wie vor laufen, so Cöl, Einer der beiden Räume des Clubs soll ein ganz neues Gesicht erhalten, wie Tizian Bergmann, Eventmanager des Berry's dem SÜDKURIER Ende Juni bei einem Rundgang erklärt hatte. Hier würden künftig anstatt 850 neu bis zu 1200 Gäste Platz finden. Der Raum soll eine Bühne für unterschiedliche Veranstaltungen bieten – von der Comedy-Show über Rockkonzerte bis zu Breakdance-Events oder Modenschauen.

Doch der Raum ist noch nicht fertig, wie der erneute Besuch vor Ort zeigt. „Es ist sehr schwierig, Handwerker zu finden. Die haben alle ihre Terminkalender voll“, sagt Betriebsleiter Cöl. Das habe sie im Zeitplan etwas zurückgeworfen. Aber auch die kurzfristigen Änderungen bei den Bestimmungen für Clubs und Diskotheken machten die Planung nicht gerade einfacher.

Kleiner Club-Raum des Berry‘s am 2. September 2021. Im Saal daneben laufen derzeit noch Umbauarbeiten.
Kleiner Club-Raum des Berry‘s am 2. September 2021. Im Saal daneben laufen derzeit noch Umbauarbeiten. | Bild: Marcel Jud

Die Wiedereröffnung des Berry‘s wurde nun auf den 1. Oktober verschoben „Da starten wir mit einem schönen Re-Opening-Festival und dann geht es rüber in den Club-Betrieb“, sagt Cöl. Ob sie dann auf 2G oder 3G setzen, ist derzeit noch nicht geklärt, so der Betriebsleiter Ende vergangener Woche. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass sich jemand die Zeit und das Geld nehme, um einen PCR-Test zu machen, damit er im Club tanzen könne.

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„Ideal wäre es, wenn wir ohne Einschränkungen für 2G, also Getestete und Geimpfte, öffnen könnten, wie früher.“ Cöl kann vor allem etwas nicht verstehen: Auch wenn man alle Auflagen erfülle, damit die Maskenpflicht auf der Tanzfläche und an der Bar entfalle, müsse auf den Laufwegen nach wie vor eine Maske getragen werden. „Wie willst du das kontrollieren?“

Vom Berry‘s geht es Richtung Max-Stromeyer-Straße, vorbei am Club Grey. Wann hier die Tore wieder aufgehen, ist noch unklar. „Wir werden wieder öffnen, warten aber momentan die weitere Entwicklung ab“, sagt Grey-Geschäftsführer Dirk Lange dem SÜDKURIER vergangene Woche.

Der Club Grey im Konstanzer Industriegebiet.
Der Club Grey im Konstanzer Industriegebiet. | Bild: Marcel Jud

Konkretere Pläne gibt es da rund 700 Meter weiter, auf der anderen Seite der Bahngleise, im Kula, dem Kulturladen Konstanz. Programmleiter Benjamin Kreibich und die neue Marketing- und Presseverantwortliche Michaela Hacker zeigen dem SÜDKURIER beim Besuch den noch leeren Konzertsaal – der Ende September wieder mit Leben gefüllt werden soll.

Am Donnerstag vergangener Woche hätten sie eine Sitzung gehabt, bei der sie das weitere Vorgehen besprachen, erklärt Kreibich. Eine der Fragen, die im Raum stand: In welche Kategorie fällt der Kula? Denn für Clubs gelten andere Vorschriften als etwa für Kulturveranstalter wie Theater oder Konzertbühnen. „Die Stadt hat uns geschrieben, dass wir als Club gelten, wenn wir Veranstaltungen ohne zugewiesene Plätze wie Stühle oder Stehplätze haben“, so Kreibich.

Benjamin Kreibich, Programmleiter und Vereinsvorsitzender, und Michaela Hacker, Marketing- und Presseverantwortliche, vom Kulturladen Konstanz e.V.
Benjamin Kreibich, Programmleiter und Vereinsvorsitzender, und Michaela Hacker, Marketing- und Presseverantwortliche, vom Kulturladen Konstanz e.V. | Bild: Marcel Jud

Sie seien sich aber bereits zuvor einig gewesen, dass sie auf jeden Fall mit eingeschränkten Kapazitäten öffnen werden, betont der Programmleiter: „Wir wollen nicht 450 Personen reinpacken. Das wäre das falsche Signal, so zu tun, als wäre alles vorbei. Und es gibt auch mehr Planungssicherheit, da man ja eventuell wieder zurückrudern muss.“ Pro Konzert würden sie deshalb maximal 250 Tickets anbieten. „Die Tanzfläche wollen wir mit Stehtischen auflockern, damit ein Puffer entsteht.“

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Sie hätten beim Gesundheitsamt einen Antrag gestellt für die Befreiung von der Maskenpflicht auf der Tanzfläche. Denn neben einem ausgearbeiteten Hygienekonzept verfüge das Kula über „eine ordentlich überdimensionierte Lüftung für unseren Saal“, wie Kreibich betont. Das gehe auf einen Berechnungsfehler des damaligen Ingenieurs zurück. Bisher hätten sie die Lüftung daher nie voll aufgedreht. Aber jetzt könnte sich der Berechnungsfehler als Glücksfall herausstellen.

Saal und Bühne des Kula am 3. September 2021.
Saal und Bühne des Kula am 3. September 2021. | Bild: Marcel Jud

Und ab wann finden denn nun im Kula wieder Konzerte statt? Die erste Veranstaltung ist für den 21. September angekündigt: Sie bildet den Auftakt zur Veranstaltungsreihe Oben-Unten, bei der sich die Kula-Bar und der Konzertsaal thematisch zusammenschließen, wie Michaela Hacker erklärt.