Bilder und Themen

Die Festschrift oder auch Chronik zum Jubiläum soll neben einem Rückblick über „100+“ Jahre darstellen, wie der Musikverein Schwerzen aktuell geprägt ist. Lisa Koller und Stefanie Keßler haben neben den beiden Festschriften aus den Jahren 1971 und 1991 unzählige Fotoalben gewälzt und Musiker-Geschichten gesammelt.

Außerdem gab es in der Gemeindechronik viele Bilder und Informationen von früher: „Das Coole ist, jetzt hat man viel mehr Möglichkeiten, alles mit Bildern aufzuarbeiten, wir sind sehr aufs Visuelle gerichtet“, erklärt Stefanie Keßler. „Am Anfang gibt es einen Zeitstrahl, auf dem wichtige Ereignisse sind, und wir haben Themenimpulse gesetzt, wie die Jugendarbeit oder die Dirigenten vom Verein“, fasst Lisa Koller zusammen. „Also das, was den Musikverein heute ausmacht“, ergänzt Stefanie Keßler.

Die Fotowand im Probelokal des Musikvereins Schwerzen wird ständig ergänzt. Durch den Einzug der Smartphones gibt es heute wesentlich ...
Die Fotowand im Probelokal des Musikvereins Schwerzen wird ständig ergänzt. Durch den Einzug der Smartphones gibt es heute wesentlich mehr Fotos, als dies früher der Fall war. Dennoch hatten sich die beiden Frauen Stefanie Keßler (links) und Lisa Koller durch unzählige Fotoalben gekämpft, um die Festschrift anlässlich des 101-jährigen Bestehens zu erstellen. | Bild: Yvonne Würth

Damit vergleichen die beiden Klarinettistinnen den Musikeralltag, wie er vor der Pandemie war und wie sie ihn kennen mit der Zeit ihrer Vorgänger. Stefanie Keßlers Opa Heinz Keßler war das älteste Mitglied mit mehr als 60 Mitgliedsjahren im Verein.

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Stefanies Uropa Eugen Keßler war Bürgermeister von Schwerzen und ebenfalls Mitglied im Musikverein Schwerzen. Mit dem Verfassen der Chronik habe sie öfter an die Zeit gedacht, in der sie gemeinsam die Fotoalben durchblätterten. Sie wünschte sich, bereits damals alles genauer aufgeschrieben zu haben. Lisa Kollers Uropa Anton Koller gehörte sogar zu den zehn Gründungsmitgliedern.

Einblick in den Verein

Dass sich die Zahl der Musiker zwischen 1995 und heute von 28 auf 74 gesteigert hat, sei auf groß angelegte Werbeaktionen zurückzuführen. Mit dazu gehören die persönliche Ansprache der Familien und die Instrumentenvorstellung in der Auwiesenschule, gemeinsam mit dem Musikverein Horheim.

Sogenannte Festjungfern hatten den Musikverein Schwerzen anlässlich der Uniformweihe 1959 angeführt.
Sogenannte Festjungfern hatten den Musikverein Schwerzen anlässlich der Uniformweihe 1959 angeführt. | Bild: Yvonne Würth

Aktuell gibt es 14 Jungmusiker in Ausbildung. Eigentlich wollten die Musiker mit der Festschrift von Haus zu Haus gehen, um den Einwohnern von Schwerzen im persönlichen Gespräch den Verein näherzubringen. Ob dies möglich ist während der Pandemie, steht noch nicht fest.

Jeder Musiker zählt

Die anstrengende Zeit zwischen den Schulprüfungen, während der Ausbildung und des Studiums bedeutet für viele Musiker, sich vom Verein zu verabschieden. Nicht so beim Musikverein Schwerzen, erklären die beiden jungen Frauen. Hier habe der Vorsitzende Wolfgang Keßler schon früh toleriert, wenn diese Musiker nur vierzehntägig zu den Proben erscheinen oder sich eine Zeit lang beurlauben lassen, solange sie dies deutlich mit dem Vorstand kommunizieren.

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„Es ist auch Wolfgangs Arbeit, dass auch wenn du nicht immer da sein kannst, du im Verein doch herzlich willkommen bist. Es gibt einen Deal, lieber lässt man sie ziehen und ist kulant, und dann kommen sie wieder zurück“, erklärt Lisa Koller. „Jeder ist wichtig, und jeder trägt dazu bei, was er kann, und darauf kommt es im Verein an, auf die Gemeinschaft“, ist sich Stefanie Keßler sicher.

Beim Stöbern im Archiv für die Festschrift haben Stefanie Keßler und Lisa Koller bereits unzählige Stunden verbracht.
Beim Stöbern im Archiv für die Festschrift haben Stefanie Keßler und Lisa Koller bereits unzählige Stunden verbracht. | Bild: Yvonne Würth

Beide hatten im Jahr 2000 mit der Ausbildung auf der Klarinette begonnen, von den damals 22 Jungmusikern sind heute noch viele aktiv: „Es gibt einen Grund, in die Probe zu kommen, der nicht immer musikalisch ist. Du spielst im Verein, weil du den Kontakt magst miteinander“, so Stefanie Keßler. Lisa Koller war damals noch Zweitklässlerin, die anderen bereits in der dritten und vierten Klasse: „Du bist dann schon froh, wenn du nicht alleine bist. Aber wir wurden sehr nett an die Hand genommen von der Uschi, Ursula Held, an der Klarinette.“

Alte und neue Heimat

Nicht wenige Musiker fahren für die Freitagsprobe und das anschließende Wochenende zu den Eltern nach Schwerzen, während sie sich auswärts ein eigenes neues Heim aufbauen. Lisa Koller (28) wohnt und arbeitet als Lehrerin in Zürich, im MV Schwerzen ist sie seit drei Jahren Schriftführerin.

Stefanie Keßler (30) ist Gesundheits- und Krankenpflegerin im Schwarzbald-Baar-Klinikum Villingen-Schwenningen und wohnt in Bräunlingen. Im Vorstand ist sie seit fünf Jahren, davon vier Jahre als Vorsitzende Jugend.

Den Rekord mit der weitesten Anreise hat Herta Keßler, sie wohnte und arbeitete vor einigen Jahren in Houston, Texas (USA) und flog immer wieder für die Musikprobe über das Wochenende nach Schwerzen. Jetzt hat sie es nicht mehr ganz so weit, sie wohnt in der Schweiz.

Gestiegener Frauenanteil

Bei der Recherche ist den beiden jungen Frauen ein großer Unterschied zu früher aufgefallen: Dominierten in den ersten Jahren noch die Männer, gibt es heute bei den Aktiven sowie im zehnköpfigen Vorstand mit sechs Frauen einen deutlichen Anstieg an engagierten weiblichen Mitgliedern. Dirigentin Ines Beinlich ist die erste weibliche Dirigentin in der Vereinsgeschichte.

Das alte Schul- und Rathaus Schwerzen gehört ebenfalls zu den Erinnerungen der Musiker. Stefanie Keßler (links) ist Jahrgang 1991, sie ...
Das alte Schul- und Rathaus Schwerzen gehört ebenfalls zu den Erinnerungen der Musiker. Stefanie Keßler (links) ist Jahrgang 1991, sie hatte ihr erstes Kindergartenjahr noch dort verbracht, die Jahrgänge danach, darunter auch Lisa Koller (rechts), besuchen den aktuellen Kindergarten. Das Gebäude wurde umgebaut, heute wird es auf vier Stockwerken von Vereinen sowie als Wohnung genutzt. Im Eingangsbereich des Probelokals hängen einige Bilder aus der 101-jährigen Geschichte des Musikvereins Schwerzen. | Bild: Yvonne Würth

„Heute wird nicht mehr erwartet, dass die Frauen ihre Hobbys aufgeben. Wir haben einige sehr aktive junge Mütter im Verein“, stellt Lisa Koller fest. „Das war früher ganz anders, das Rollenbild. Da sind Frauen mit dem Beginn der Familienplanung ausgetreten“, bestätigt Stefanie Keßler. Herta Keßler ist das erste weibliche Ehrenmitglied, sie spielt seit 1974 Flöte und Piccolo im Musikverein.

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Arbeitsteilung

Die Festschrift befindet sich kurz vor dem Druck. Es werden nur noch Kleinigkeiten verändert. „Wir hatten auch Hilfe, Evelyn Strittmatter und unser Vorsitzender Wolfgang Keßler mit seinen Infos, auch viele Musiker haben punktuell Geschichten zu einzelnen Bildern erzählt, gerade die älteren.“

Während Koller mehr an den Texten gearbeitet hat, ist Keßler regelrecht in die Vergangenheit eingetaucht. Sie hat während der Arbeit großes persönliches Interesse daran entdeckt. Wann die Festschrift veröffentlicht wird, steht noch nicht fest.

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