Frau Schall, wie sind Sie auf Birkendorf als Wohnort gekommen?

Wir wohnten auf der Schwäbischen Alp. Mein damaliger Mann arbeitete in der Schweiz und so suchten wir ein Haus in der Nähe der Schweizer Grenze. Wir sind beide Berufsmusiker und müssen täglich üben. Um keine Nachbarn zu stören, wollten wir ein freistehendes Haus. Das fanden wir im ehemaligen Tante-Emma-Laden (s‘Bote Hus) an der Schwarzwaldstraße in Birkendorf.

Sie traten mehrfach als Sängerin auch mit Künstlerkollegen in Birkendorf im Haus des Gastes auf. Wie kam es dazu?

Ich war schon immer der Meinung, dass Kulturveranstaltungen nicht nur in großen Städten, sondern selbstverständlich auch auf dem Land stattfinden sollten. Deshalb freute ich mich über die Anfrage des Tourismusvereins, bei der Vernissage heimischer Künstler die musikalische Umrahmung zu gestalten. So kam es zu meinem Birkendorfer Debüt 2002 zusammen mit Christian Seidel (Klavier) und Ulrike Schammler (Geige). Der Abend, der auch für einheimische Hobby-Künstler eine Premiere bedeutete, war ein großer Erfolg. Deshalb gab es regelmäßige Wiederholungen, bei denen ich gerne mitwirkte. Die letzte war 2018. 2020 musste die geplante Ausstellung wie viele andere Kulturveranstaltungen pandemiebedingt ausfallen.

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Welche Veranstaltungen sind Ihnen am meisten in Erinnerung?

Der Heinrich-Heine-Abend und die Walpurgisnacht zusammen mit Pia Fuchs (Klavier) und dem Schauspieler Roberto Bargellini waren für mich besonders schön. Auch das Konzert mit meinem Ensemble aus Schaffhausen bei Vollmondschein am Naturena-Badesee blieb mir in sehr schöner Erinnerung.

Wie wurden Sie Sängerin? Welche Ausbildung haben Sie gemacht?

Als nach dem ersten Staatsexamen meines Studiums in Germanistik und Theologie klar war, dass es keine Stellen für Lehrberufe gab, entschloss ich mich, das zu machen, was ich schon immer wollte: Ich studierte Musik mit Hauptfach Gesang an der Schola Cantorum in Basel. Mit dieser Ausbildung bin ich als freischaffende Sängerin, Chorleiterin und Gesangspädagogin tätig, was mir bis heute sehr viel Freude macht. Ein Gesangsunterricht ist für die Schüler eigentlich das Entdecken der eigenen Stimme. Das ist immer sehr spannend und beglückend. Mein erstes Studium nutzt mir jetzt aber auch, da ich seit 2016 als Lehrkraft an der Schlüchttalschule in Ühlingen unterrichte.

Burga Schall (rechts) spricht mit Ursula Ortlieb über ihren Weg nach Birkendorf, ihren Beruf und die Corona-Krise.
Burga Schall (rechts) spricht mit Ursula Ortlieb über ihren Weg nach Birkendorf, ihren Beruf und die Corona-Krise. | Bild: Tirso Stricker

Wie hat Corona Ihr Leben beeinflusst?

Der erste Lockdown brachte meinem jetzigen Mann und mir zunächst eine angenehme Ruhepause. Vor der Pandemie hatte ich abends und an Wochenenden viele Termine mit Chorproben oder Auftritten. Als der erste Lockdown kam, gab es plötzlich keine Termine. Nach 20 Jahren ohne Urlaub, der mehr als zehn Tage dauerte, war das erst Mal Entspannung. Mein Mann und ich musizierten viel gemeinsam daheim. Lesen und uns einfach mal ausruhen war schön. Es war glücklicherweise außerhalb unserer Vorstellungskraft, dass das Virus uns so lange lahmlegt. Bald waren wir genug ausgeruht und es fehlte etwas Wichtiges in unserem Leben. Leere und Alltagstrott stellte sich ein. Die Konzertvorbereitungen, das Kreative, inspirierende Proben und Hinfiebern auf Auftritte fehlten. Neben den Einnahmen vermisste ich noch mehr den Kontakt mit meinen Chormitgliedern und dem Publikum. Digitalangebote können das niemals ersetzen.

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Wie viele Chöre leiten Sie? Haben Sie Chormitglieder durch den Lockdown verloren?

Momentan sind es drei Chöre und zwei Ensembles. Es waren auch schon mal fünf Chöre. Das war mir allerdings mit der Zeit zu viel und ich musste reduzieren. Daneben habe ich ein Privatensemble, bei dem wir für sporadische Auftritte zusammen bei mir zu Hause singen. Zwar gab es bei den Chören einzelne Austritte, die Mehrheit hat sich jedoch nach dem gemeinsamen Singen gesehnt. Singen tut Körper und Seele gut. Das wurde uns während der Zwangspause sehr bewusst.

Wie sieht es momentan aus mit Auftritten und Chorproben?

Am 7. November 2021 war unser Benefizkonzert in Schleitheim noch möglich. Da mir der dortige Chor auch fehlende Proben bezahlte und mir so in der Corona-Krise half, wollten mein Mann und ich etwas zurückgeben. So spendeten wir die Einnahmen für das Benefizkonzert an Ärzten ohne Grenzen für Corona-Hilfen. Das selbe Konzert wollten wir Ende Dezember 2021 in Birkendorf wiederholen. Das war dann leider nicht mehr möglich. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Wie kann man Künstlern derzeit am besten helfen?

Kurz und knapp aber deutlich: Lasst euch impfen!

Fragen: Ursula Ortlieb