Yvonne Würth

Das neue Schuljahr startet bald, die Lehrer der Alemannenschule Wutöschingen sind seit 5. September wieder vor Ort und bereiten sich auf den Unterricht vor. Rektor Stefan Ruppaner gibt einen Einblick in die aktuelle Situation der Lehrerversorgung, die Planung und die möglichen Verschärfungen der Corona-Vorschriften.

Hohe und große Räume gehören zum Lernkonzept des selbstorganisierten Lernens in der Alemannenschule Wutöschingen.
Hohe und große Räume gehören zum Lernkonzept des selbstorganisierten Lernens in der Alemannenschule Wutöschingen. | Bild: Yvonne Würth
  • Lehrkräfte: Rektor Stefan Ruppaner freut sich über gleich 15 neue Lehrer: „Es ist eine bunte Mischung, manche haben ihr Referendariat abgeschlossen und beginnen hier ihre erste Stelle. Aber es gibt auch welche, die sich bewusst hierher versetzen lassen wollten.“ Besonders erfreut zeigte er sich über die Kollegen, welche von der Gemeinschaftsschule Konstanz nach Wutöschingen wechseln. Ruppaner: „Sie haben dort bereits das Abitur abgenommen und passen sehr gut in das Team der Alemannenschule Wutöschingen.“

Letztes Jahr blieben sieben Stellen unbesetzt

Im Vergleich zum Vorjahr, als bis zu sieben Stellen nicht besetzt werden konnten, sieht es dieses Jahr besser aus. „Eigentlich wäre bei uns die Unterrichtsversorgung ganz gut, wenn nicht immer wieder die Schwangerschaftsmeldungen kommen würden“, erklärt der Rektor. Seit zwei Tagen weiß er von zwei schwangeren Kolleginnen, welche ihre Arbeit gar nicht erst antreten dürfen. Schwangere Lehrerinnen dürfen in Baden-Württemberg pandemiebedingt in der Regel nicht in Präsenz unterrichten.

Der Rektor hofft auf Krankheitsvertretungen

Er hofft, entsprechende Krankheitsvertretungsstellen zugewiesen zu bekommen., Interessenten stünden bereits in der Warteschleife. Trotz der immer kurzfristigen Änderungen freue er sich sehr für die Schwangeren: „Wir haben überwiegend Frauen in der Schule. Es freut mich immer, wenn die gebildeten Frauen Kinder kriegen, das ist unsere Zukunft.“

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  • Schüler: Aktuell sind alle 520 Sitzplätze der Jahrgangsstufen 5 bis 10 belegt, manche Schüler müssen sich einen Sitzplatz teilen. Freie Plätze gibt es lediglich in der zweizügigen gymnasialen Oberstufe. „Hier können wir noch Schüler aufnehmen“, sagt Ruppaner. Mit der Oberstufe ist er indes sehr zufrieden, die ersten 20 Abiturienten vom Sommer 2022 hatten einen Notenschnitt von 1,7.

Und so werden die Grundschüler unterrichtet

Neu ab diesem Schuljahr sind die Familienklassen: Bis zum Sommer besuchten die Erst- und Zweitklässler der Gemeinde die zweizügige Außenstelle Degernau, während die Dritt- und Viertklässler in Wutöschingen untergebracht waren. Ab sofort sind in Degernau die Klassen 1 bis 4 einzügig und in Wutöschingen werden die Kinder in Familienklassen unterrichtet. In jeder Klasse sind Kinder der Jahrgangsstufen 1 bis 4. „Das gibt es in der Region nirgends“, freut sich Rektor Stefan Ruppaner.

Wie im Wohnzimmer sollen sich Kinder und Erwachsene in der Alemannenschule Wutöschingen fühlen können, sie laufen auf Socken und in ...
Wie im Wohnzimmer sollen sich Kinder und Erwachsene in der Alemannenschule Wutöschingen fühlen können, sie laufen auf Socken und in Hausschuhen. Für Schuhe und Jacken stehen in den Eingangsbereichen der Gebäude Garderoben zur Verfügung. | Bild: Yvonne Würth
  • Stundenplan: „Wir nennen es den idealen Stundenplan“, erklärt Rektor Stefan Ruppaner. Dieser sei jedes Jahr gleich, zum Beispiel sei das Fach Englisch in Klasse 5 immer am Freitagmorgen. Wenn ein Lehrer den Freitag frei haben möchte, könne er nicht die Fünftklässler nehmen, sondern muss in einem anderen Lehrerteam arbeiten. Und für die Schüler gibt es eine Sicherheit.
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  • Schüler aus der Ukraine: Bis zu den Sommerferien besuchten über 20 Geflüchtete die Alemannenschule, aktuell sind es 15. Zuvor wurden sie direkt in den Lerngruppen integriert, nun werden sie gemeinsam in einer Vorbereitungsklasse in der Mediathek unterrichtet. Fächer und Bereiche, die unabhängig von der deutschen Sprache sind, wie Clubs und Sport, können von ihnen zusätzlich besucht werden.

Manche wollen einfach nicht Deutsch lernen

„Manche sind hochmotiviert und lernen gerne, andere wollen schnell zurück, und sie interessiert Deutsch nicht. Der Knackpunkt ist die Sprache.“ Die russisch- und ukrainisch-sprachige Lehrerin hatte den Vertrag im Sommer gekündigt und arbeitet nun in der Schweiz. Eine neue Kollegin übernimmt mit dem Fach DaZ, Deutsch als Fremdsprache.

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  • Corona: „Vielen Kindern hat während Corona die kulturelle Erfahrung gefehlt, Musical, Orchesterauftritte. Wenn sie nie einen Auftritt haben, dann verludert alles. Es wäre ganz schlimm, wenn es der Staat noch einmal machen würde. Es kann nicht sein, dass für den FC Bayern München Tausende feiern können und wir nicht mit der Bläserklasse proben dürfen.“ Rektor Stefan Ruppaner wünscht den Schülern, dass sie in diesem Schuljahr Dinge machen können, welche ihnen gefallen: Singen, musizieren und Theater spielen.