Frau Geng, heute klingen die Rosentage aus, wie erleben Sie alljährlich dieses große Nöggenschwieler Fest?

Es ist immer richtig viel los. Die Besucher kommen von überall her und sind oft nicht das erste Mal da. Viele kommen jedes Jahr wieder, so begeistert sind sie von unserem Rosendorf, dem Fest und dem Rosenmarkt mit seinen vielen Ständen. Es geht aber schon vor dem Fest los und auch nach dem Fest weiter. Viele Busse mit Ausflüglern kommen und schauen sich alles an, man kann auch Führungen über die Tourist-Info buchen. Auch kulinarisch haben wir mit unseren Wirtschaften und Cafés einiges zu bieten.

Die Rosen haben Nöggenschwiel bekannt gemacht.

Ja, wir sind schon oft im Fernsehen gewesen. Es ist einfach schön, wenn man ins Rosendorf reinkommt und sieht, wie die Rosen in allen Farben blühen, schön nicht nur für die Gäste, sondern auch für uns Dorfbewohner. Ich kenne niemanden, der nicht Rosen vor dem Haus gepflanzt hat. Aber nicht nur optisch sind die Rosen eine Augenweide, sondern sie verströmen auch wunderbare Düfte, die man besonders in unserem Duftrosengarten mit 140 Duftrosensorten genießen kann. Ich selbst kann schon gar nicht mehr anders, als an jeder Rose, die mir begegnet, zu riechen, um festzustellen, ob und wie sie duftet. Erich Boll, unser zweiter Vorsitzender vom Verkehrsverein, ist verantwortlich für die Rosen und unterstützt uns bei fachlichen Fragen.

Ist viel Arbeit nötig, damit die Rosen immer so gepflegt aussehen?

Es ist nur möglich, weil alle im Dorf mitziehen und die Rosen in den öffentlichen Anlagen pflegen. Unter den Rosenpflegern sind auch Landfrauen, zu denen auch ich gehöre. Ich leite eine Gruppe von acht Landfrauen und mache den Einsatzplan für uns. Arbeit ist die Rosenpflege für uns aber nicht, sondern Hobby. Wir treffen uns alle 14 Tage für rund zwei Stunden, um die öffentlichen Anlagen bei der Tourist-Info zu pflegen. Wenn es nachmittags zu heiß ist, kommen wir abends zusammen. Es ist schon ein großes ehrenamtliches Engagement, das wir mit der Rosenpflege als Dorfgemeinschaft zeigen.

Was genau beinhaltet die Pflege der Rosenanlagen?

Wenn die Forsythien im Frühjahr blühen, werden von uns die Rosen aus dem Winterschlaf geweckt. Zu ihrer Pflege gehören abhäufeln, schneiden und Bodenlockern. Ab Mitte Juni ist der Sommerschnitt fällig, das heißt die verwelkten Rosenblüten sind zu schneiden, wodurch wir einen schnelleren zweiten Blütenflor erreichen. Die letzte Pflege der Rosen im Jahresablauf ist, sie auf den Winter vorzubereiten. Das heißt, wir kürzen sie leicht und sehr wichtig ist es, die Rosenstöcke maulwurfhüglig anzuhäufeln. Die Rosenbäumchen werden mit Wintervlies eingepackt und zum Überwintern graben wir die Kronen der Rosenbäumchen dann in die Erde ein.

Müssen Sie auch gießen?

Nein, Rosen sind Tiefwurzler, die nicht gegossen werden müssen. Nur neu gepflanzte Rosen bis zum Alter von zwei Jahren müssen bei längerer Trockenheit gegossen und gedüngt werden. Die Rosen, die wir privat in Kübeln und Töpfen haben, müssen aber natürlich gegossen und gedüngt werden.

Rosen und Stacheln gehören zusammen. Haben Sie oft zerkratzte Arme?

Nein, wir tragen besondere Handschuhe aus Leder und Stoff und mit Rosenmotiv. Sie reichen bis zum Ellenbogen und schützen uns. Wir haben sie aus dem Laden bei der Tourist-Info, wo es viele Artikel rund um Rosen zu kaufen gibt, zum Beispiel Geschirr mit Rosenmotiven und Marmelade aus Rosenblättern. Außerdem sind die Stacheln leicht nach unten geneigt, sodass sie nicht stechen, wenn man beim Arbeiten von oben nach unten fährt.

Bekommen die Ehrenamtlichen für die Rosenpflege eine kleine Anerkennung?

Ja, wir machen jedes Jahr einen Tagesausflug. Hubert Tröndle organisiert ihn und die Josef-Raff-Stiftung finanziert ihn. Dieses Jahr waren wir zum Beispiel auf der Landesgartenschau in Bad Herrenalb.

Haben Sie nach rund 40 Jahren Rosenpflege noch nie ans Aufhören gedacht? Ist es nicht anstrengend?

Nein, solange ich mich bücken kann, werde ich ganz sicher nicht Aufhören. Und als anstrengend empfindet in meiner Gruppe niemand das Pflegen der Rosen. Wir freuen uns, wenn wir uns sehen, wir reden miteinander und sitzen nach der Rosenpflege oft noch zusammen. Es macht uns Spaß.

Was ist am letzten Tag, dem Montag, auf dem Nöggenschwieler Rosenfest noch geboten?

Es ist noch viel los. Um 15 Uhr ist das Kinderfest und ab 17 Uhr dann die traditionelle Handwerkervesper. Ab 18 Uhr folgt zum Abschluss das große Wunschkonzert der Trachtenkapelle Nöggenschwiel.

Zur Person

Rosmarie Geng(67) ist in Waldshut geboren und aufgewachsen. 1971 heiratete die Einzelhandelskauffrau einen Nöggenschwieler und zog in sein Heimatdorf. Sie gehört seit rund 40 Jahren zu den rund 100 engagierten Nögggenschwielern, die nicht nur ihre Rosen pflegen, sondern die sich auch ehrenamtlich um die Rosen in den öffentlichen Anlagen des 650-Seelen-Dorfs kümmern. Es gibt rund 13 000 Rosen in etwa 650 Sorten in Nöggenschwiel, das es als Rosendorf zu überregionaler Bekanntheit gebracht hat. Rosmarie Geng hat eine Tochter, vier Enkelkinder und liebt neben Rosen und allem was blüht, den Sport.