Als unlängst der griechisch-deutsche Schlagersänger Costa Cordalis starb, wurde sein Lebenswerk in allen Medien gewürdigt. Und doch gerät man auch als prominenter Künstler schnell in Vergessenheit. Das hat unter anderem schon die deutsche Rock-Band „Die Toten Hosen“ in einem Song festgehalten. „Einen Sommer lang“ sind die Fans traurig, stellt sie in ihrem gleichnamigen Lied aus dem Jahr 2012 fest, nachdem sie die Todesumstände mehrerer Musikergrößen aufgezählt hat.

Der Mann, um den es heute gehen soll, war kein Pop-Star. Aber er hat es dennoch geschafft, dass 100 Jahre nach seinem Tod zumindest einige Menschen zwar nicht mehr um ihn trauern, aber seiner gedenken.

So staunte der Autor dieses Artikels nicht schlecht, als er im Pfarrblatt der Seelsorgeeinheit Maria Bronnen las, dass am 21. Mai und am 25. Juni dieses Jahres in Bannholz eine Gedenkmesse „zum 100. Todestag von P. August Pfeifer„ gelesen wurde. Gestiftet wurde sie von seinen Anverwandten, die heute noch in Bannholz-Ay leben und zuhause Fotografien und ein Kreuz von ihm aufbewahren.

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Dass der Jesuitenpater August Pfeifer nicht nur einen Sommer lang in der Erinnerung der Menschen blieb, liegt unter anderem auch daran, dass einer seiner Mitbrüder, Pater Sigmund Nachbaur (1870 bis 1955) zwei Jahre nach Pfeifers Tod eine Biographie über ihn herausgab. Sie erschien 1921 mit dem Titel: „In der Werkstatt Gottes – Lebensbild des P. August Pfeifer S. J.„ bei Herder in Freiburg.

Asketisch und streng gegen sich selbst

Doch wer war dieser August Pfeifer? Erstmals aufmerksam auf ihn wurde ich durch einen Eintrag in der Chronik des Waldshuter Stadtpfarrers Josef Bieser (1873 bis 1946). Nur selten hielt er Ereignisse außerhalb der Waldstadt fest, doch die Beerdigung von Pfeifer war ihm das wert.

Er nennt ihn einen Priester, der zu den Heiligen gezählt werden könne. Einen asketischen und mit sich sehr strengen Priester. Und offenbar hatten viele eine so hohe Meinung von Pfeifer. Bieser berichtet von sehr vielen Geistlichen, die an der Beerdigung am 2. Juni 1919 in Waldkirch teilnahmen.

Das Grab von Pater August Pfeifer auf dem Friedhof in Waldkirch liegt direkt beim Eingang zur Sakristei. Es wurde vom Freiburger Bildhauer Karl Geiß gefertigt und zeigt Christus als den guten Hirten.
Das Grab von Pater August Pfeifer auf dem Friedhof in Waldkirch liegt direkt beim Eingang zur Sakristei. Es wurde vom Freiburger Bildhauer Karl Geiß gefertigt und zeigt Christus als den guten Hirten. | Bild: Dominik Rimmele

Den das Begräbnis durchführende Tuttlinger Dekan Horn führt Bieser nicht auf, aber dafür die Trauerredner, unter anderem den Freiburger Dompräbendar Albert Rüde aus Hochsal (1884 bis 1959), den Rotenfelser Pfarrer Emil Granacher aus Koblenz/CH (1874 bis 1956) als Landmann, Pater Peter Sädler, München (1877 bis 1931) für die Jesuiten, der Freiburger Konviktsdirektor Jakob Bilz (1872 bis 1951) und zuletzt der namentlich nicht genannte Hausgeistliche des Krankenhauses in St. Blasien, der das Sterben P. Pfeifers schilderte. Dort legte er am 28. Mai 1919 im 42. Lebensjahr sein Leben zurück in die Hände Gottes.

Doch schauen wir auf die Anfänge seines Lebens, das am 29. Oktober 1877 in Ay begann. Zunächst besuchte er die Volksschule in Bannholz.

In einem ruhigen Tal bei Weilheim-Bannholz liegt das Dörfchen Ay, Geburtsort des vor 100 Jahren gestorbenen Jesuitenpaters August Pfeifer.
In einem ruhigen Tal bei Weilheim-Bannholz liegt das Dörfchen Ay, Geburtsort des vor 100 Jahren gestorbenen Jesuitenpaters August Pfeifer. | Bild: Dominik Rimmele

Pfarrer Gabriel Amann (1825 bis 1900) in Waldkirch erkannte früh Pfeifers Talent und führte ihn an das Gymnasium in Freiburg. Von dort zog er mit besten Zensuren und mit dem Abitur in der Tasche ans Deutsche Kolleg in Rom. Hierfür war er als einziger seines Jahrgangs aus dem Erzbistum Freiburg auserwählt und nutzte seine Chance, indem er das Studium mit Doktortiteln in Theologie und Philosophie abschloss.

Im Dienste der geistlichen Wissenschaften

Nach seiner Priesterweihe in Rom am 28. Oktober 1904 wirkte Pfeifer zunächst weiterhin im Dienst der Wissenschaft als Sekretär des Caritasstifts in Freiburg. 1905 wurde er Vikar in Untersimonswald und 1906 in Kenzingen und schließlich 1910 Spiritual am Erzbischöflichen Konvikt in Freiburg, also geistlicher Vater für die Priesteramtskandidaten während ihrer Studienzeit in Freiburg.

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Eintritt in den Jesuitenorden

Diese Stelle wurde damals neu geschaffen und er war somit der erste Spiritual. Aber so geschätzt er bei allen anderen war, war er mit sich selbst unzufrieden und wollte im geistlichen Leben noch reifer werden. 1913 ließ er sich von seiner Heimatdiözese entpflichten, um in die Gesellschaft Jesu einzutreten, den Jesuitenorden. Dieser hatte Großes mit ihm vor und entsandte ihn nach Berlin, wo er im Fach Ethik eine Professur erwerben sollte.

Erster Weltkrieg und Erkrankung

Allerdings vereitelte der Erste Weltkrieg dieses Unterfangen und P. Pfeifer half in der Militärseelsorge, wo er durch seine Italienischkenntnisse zum Geistlichen für die italienischen Kriegsgefangenen im Rheinland wurde. Unermüdlich reiste er von einer noch so kleinen Gruppe zur anderen und schwächte dadurch seine ohnehin schon angeschlagene Gesundheit.

Anfang Juli 1918 ging er in seine Heimat Ay zurück, um mit der Schwarzwaldluft sein Lungenleiden auszukurieren, doch nach einem Blutsturz brachte man ihn am 13. September 1918 nach St. Blasien. Hier war er medizinisch und seelsorgerlich gut aufgehoben.

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Tod in der Domstadt

Ein dreiviertel Jahr war er in St. Blasien und verbrachte die Zeit mit dem Empfang zahlreicher Besucher, mit Studium und Gebet. Als nach anfänglicher Hoffnung keine Aussicht auf Heilung mehr bestand, blieb ihm viel Zeit, sich gewissenhaft auf seinen Tod vorzubereiten – ganz wie es seiner Tätigkeit und seinem eigenen Leben entsprach. Am 28. Mai 1919 starb P. August Pfeifer, es war der Mittwoch vor Christi Himmelfahrt.

Neben dem erhaltenen Grab auf dem Waldkircher Friedhof hat ihm sein Mitbruder P. Sigmund Nachbaur mit der erwähnten Biographie ein bleibendes Zeugnis erstellt. Er wertete Tagebucheinträge und Vorträge und Briefe von und an P. Pfeifer aus und zeichnete ein lebendiges Bild seiner Seele nach. Darin finden sich manche interessanten Einblicke, zum Beispiel in die Zeit des Kulturkampfes. So schreibt er als 25-jähriger seinem Vater, dem „Stabhalter der Gemeinde“ (Pfeifers Vater war der Steuereinnehmer Xaver Pfeifer), er möge Farbe bekennen, weil es eine Schande sei, dass in Waldkirch so liberal und damit in seinen Augen kirchenfeindlich gewählt werde.